Hurrikan

Nach "Lorenzo" Entwarnung auf den Azoren

Mit Windgeschwindigkeiten bis zu 160 Stundenkilometern und 15-Meter-Wellen fegte der Hurrikan über die Inselgruppe hinweg. Die große Katastrophe blieb aber aus

Tina Kielwein am 02.10.2019
NOAA Lorenzo Azoren 2019
NOAA

Der prognostizierte Verlauf des Hurrikans für die nächsten fünf Tage

Hurrikan "Lorenzo" hat in der Nacht auf Mittwoch die portugiesische Inselgruppe im Atlantik erreicht. Ursprünglich als Hurrikan der höchsten Kategorie Fünf eingestuft, hat sich die Kraft des Sturms inzwischen etwas gelegt. Er wird mittlerweile als Hurrikan der Stufe Zwei kategorisiert.

Hurrikan Lorenzo Azoren 2019 Insel Pico

Weltuntergangsstimmung: Über der Insel Pico wütete der Hurrikan dabei nur mäßig. Zur Mittagszeit lichtet sich langsam der Himmel

Dennoch fegte "Lorenzo" in der vergangenen Nacht mit beachtlicher Geschwindigkeit vorwiegend über die westlichen Azoreninseln hinweg. Augenzeugen berichteten von Wellen zwischen 15 und 30 Metern, die insbesondere die äußeren Inseln heimsuchten.

So wurden auf Flores und Corvo Straßen aufgerissen und Bäume entwurzelt. Insgesamt scheinen die neun Inseln jedoch mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. Von Schäden an Booten, die während des Hurrikans im Hafen lagen, ist zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls nichts bekannt. 

Vom Sturmtief betroffen waren insbesondere die westlichen Azoreninseln Flores und Corvo. Die östlichen Inseln, wie Pico oder die Hauptinsel São Miguel, wurden nur gestreift. Bevor der Sturm die Inselgruppe erreichte, waren auch für die Inseln São Jorge, Graciosa, Faial und Terceira, eine der größten Inseln des Archipels, vom National Hurricane Center der USA Warnungen ausgegeben worden. Das Auswärtige Amt hatte für deutsche Urlauber Sicherheitshinweise veröffentlicht.

"Wir haben die letzte Nacht nicht besonders gut geschlafen", sagt Volker Christmann, passionierter Segler, gegenüber YACHT online. Seine Frau und er wohnen mehrere Monate im Jahr auf der Azoreninsel São Miguel. "Es war aber im Endeffekt alles halb so schlimm, zumindest bei uns." 

Laut Wetter-Online zeichnete sich vorher bereits ab, dass es sich bei "Lorenzo" um einen der stärksten Hurrikane handelt, der die zu Portugal gehörenden Inseln im Atlantik je erreicht hat. Ein Sturm solcher Größenordnung sei für diese Region vollkommen untypisch und komme normalerweise nur in wärmeren Gebieten der Ozeane vor, so Andrew Latto vom National Hurricane Center.

"Lorenzo" gilt als der erste Hurrikan der höchsten Kategorie, der so weit östlich und so weit nördlich im Atlantik verzeichnet wurde. Nie zuvor war ein solcher Hurrikan, der aufgrund seiner massiven Wellenproduktion auch für die Schifffahrt als extrem gefährlich angesehen worden war, in solch unmittelbarer Entfernung zu Europa vorbeigezogen.

"Lorenzo" soll am Donnerstag auf die Küsten Großbritanniens und Irlands treffen

NOAA Lorenzo Azoren 2019

"Lorenzo" zieht in abgeschwächter Form weiter nach Großbritannien und Irland

Der Sturm zieht nun in Richtung europäisches Festland weiter, wenn auch nicht mehr als Hurrikan, sondern als kräftiges Sturmtief. Wo er genau auf Land treffen wird, ist noch unklar. Der britische Wetterdienst geht jedoch davon aus, dass Ausläufer des Sturms sowohl Großbritannien als auch Irland noch mit tropensturmartigen Winden erreichen werden.

Eine wissenschaftlich fundierte Vorhersage, ob eines Tages infolge des Klimawandels Hurrikane auch die europäischen Küsten treffen könnten, gibt es derzeit nicht. Allerdings lassen Forschungsberichte darauf schließen, dass die Häufigkeit extremer Wetterereignisse durch die fortschreitende Erderwärmung zunimmt.

So weist der erst vor wenigen Tagen veröffentlichte Sonderbericht "Ozeane und weltweite Eis- und Schneevorkommen" des Weltklimarats IPCC darauf hin, dass Hurrikane der stärksten Kategorien 4 und 5 immer häufiger auftreten und große Küstenstädte ab 2050 alljährlich Wetterextreme erleben werden.

Tina Kielwein am 02.10.2019

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