Piraterie
Mysteriöses Verschwinden einer Yacht

Mitte Februar ist vor Korsika ein 54-Fuß-Motorsegler überfallen und gestohlen worden. Bis jetzt fehlt jede Spur von dem Schiff

  • Pascal Schürmann
 • Publiziert am 07.03.2014

Werft Die Garcia 54 "Armageddon"

Seit nunmehr gut drei Wochen ohne Erfolg läuft die Fahndung nach einer französischen Luxusyacht, die auf spektakuläre Weise im Mittelmeer entführt worden ist. Das Schiff, die "Armageddon", war in einer Bucht im Südwesten Korsikas nach Angaben der Crew von vier bewaffneten und maskierten Männern geentert worden. Die drei an Bord befindlichen Personen – der Eigner, seine Frau und ein Bekannter des Paars – seien für mehrere Stunden in eine Kabine gesperrt und dann in einer Rettungsinsel ausgesetzt worden. Nach einigen Stunden seien sie an die Küste getrieben und hätten dann Hilfe holen können.

Die Piraten machten sich derweil mit dem Boot offenbar aus dem Staub. Da die Tanks zum Zeitpunkt des Überfalls fast voll gewesen seien, hätten die Entführer damit theoretisch ohne Zwischenstopp bis weit auf den Atlantik gelangen können. Also etwa bis Madeira, auf die Azoren, die Kanaren, Kapverden oder irgendwo an die westafrikanische Küste.

Dennoch gibt das spurlose Verschwinden der Yacht einige Rätsel auf. Zum einen setzte das AIS-Signal schon kurze Zeit nach dem Diebstahl aus. Die Entführer müssen sich also mit moderner Navigations- und Kommunikationstechnik an Bord von Schiffen ausgekannt haben.

Vielmehr aber ist die "Armageddon" nicht irgendein Boot. Der 17 Meter lange und mit einem Stützsegel ausgestattete Trawler ist ein mehr als auffälliger und vor allem weltweit einzigartiger Entwurf. Er gehört Jean-Louis Garcia, dem Gründer und ehemaligen Inhaber der französichen Garcia-Werft, die heute im Verbund mit Allures und Outremer zu Grand Large Yachting gehört.

Nachdem Garcia die Werft vor einigen Jahren verkauft hatte, erfüllte er sich mit der "Armageddon" seinen persönlichen Traum von der perfekten, luxuriösen Alu-Langfahrt-Yacht. Die gelang so gut, dass es 2013 dafür die Auszeichnung als Europas Powerboat of the Year gab. Im Originalzustand dürfte die "Armageddon" aufgrund ihrer Bekanntheit daher so ziemlich unverkäuflich sein. Und selbst, wenn sie modifiziert werden sollte, lässt sich nur schwer vorstellen, dass das Schiff nicht wiedererkennbar wäre.

Garcia 54

Seltsam ist zudem, dass das Boot bislang nirgends gesichtet worden ist, obwohl insbesondere Zollbehörden, Hafen- und Tankstellenbetreiber im Mittelmeerraum, an der afrikanische Küste und auf den atlantischen Inseln allesamt rasch über den Diebstahl informiert wurden. Insofern ist nicht auszuschließen, dass das Boot gegebenenfalls auch längst versenkt worden ist.

Vor allem auf Korsika sorgt der Piratenüberfall für reichlich Aufsehen; die Tourismusbranche bangt um das Image der Urlauberinsel.

Einen in etwa vergleichbaren Fall hat es im Mittelmeer in jüngster Vergangenheit erst einmal gegeben: Vor mehreren Jahren wurde vor der südfranzösischen Küste eine Luxusyacht, die in Charter lief, überfallen und ausgeraubt. Darüber hinaus war vor über zehn Jahren ein internationales Verbrechersyndikat aufgeflogen, das sich im Mittelmeerraum auf den Diebstahl hochwertiger Yachten spezialisiert hatte.

MCS Steckbrief der "Armageddon"


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