Leserreise

Mit der Königin im Kanal

Es war ein Törn, wie Segler ihn sonst nicht erleben: YACHT-Leser haben auf einer hochinteressanten Reise mit der „Queen Mary 2" exklusive Eindrücke gewonnen

Uwe Janßen am 21.06.2019
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YACHT / U. Janßen

Würdiges Finale: Einlaufen im Sonnenaufgang über Hamburg

Vierzig Leser der YACHT haben einen Törn der besonderen Art im Kielwasser: Sie brauchten auf ihrer Reise von Hamburg in den Englischen Kanal weder Ölzeug noch Navigationsmittel, weder Törn- noch Proviantplanung, weder Wachegehen noch Winschenkurbeln. Knapp eine Woche waren sie im Rahmen einer hochinteressanten Leserreise auf dem Luxusliner "Queen Mary 2" unterwegs. Aber natürlich kam das Thema Segeln auch in dieser besonderen Umgebung nicht zu kurz.

Bereits die Ausreise am vergangenen Sonntag Abend war ein Spektakel. Hamburg pflegt seit dem Erstanlauf der "Queen" im Jahr 2004 ein besonderes, rational kaum erklärliches Verhältnis zu dem Liner, als von Cuxhaven bis in die Hansestadt Hunderttausende Schaulustige am Elbufer Spalier standen. Das Schiff gilt vielen seither als eine Art "schwimmendes Wahrzeichen" der Stadt, es wurde von den Hanseaten, sozusagen, auf eine liebevolle Art adoptiert. 

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Rock auf dem Wasser: Susi Salm und ihre Show zur Ausreise auf der schwimmenden Bühne

Und auch, als es diesmal, 15 Jahre später, in die erste Nacht hineinging, staunten viele der bereits vorher an Bord befindlichen Gäste über das "Sail Away", das sie in der Form in keinem anderen Hafen erlebt hatten.

Auf einer schwimmenden Showbühne rockte Susi Salm von der Band Rudolf Rock & die Schocker zum Auslaufen neben der "Queen", Ausflugs- und Begleitboote eskortierten den Liner auf den ersten Metern der Reise, an Land winkten die Menschen dem Ozeanriesen zu, und am feinen Hotel Louis C. Jacob im Stadtteil Nienstedten schwenkten Bedienstete und Gäste zum Abschied wie jedesmal, wenn die Lady den Gourmettempel passiert, enthusiastisch weiße Tücher. Zum Dank ließ Kapitän Aseem Hashmi mit dem durchdringenden, sonoren Typhon antworten.

Dann ging es elbabwärts hinaus Richtung Nordsee. 

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Der Sonne entgegen: die Ausreise aus Hamburg

Schon am ersten Seetag auf dem diesmal ausnehmend zahmen Revier ergaben sich mit den Lesern aus allen Teilen der Republik sowie der Schweiz sehr aufschlussreiche Gespräche, die oft weit über das Thema Segeln hinausgingen. Und die setzten sich beim ersten Stopp im belgischen Zeebrügge fort. Die meisten Leser nutzten die Gelegenheit zu einer Exkursion ins nahegelegene Brügge, wo es für viele mit einer Bootstour durch die Kanäle der Stadt gleich wieder aufs Wasser ging.

Das Highlight aus Segler-Sicht fand tags darauf in St. Peter Port auf der Kanalinsel Guernsey statt. Die YACHT-Crew besuchte exklusiv den traditionsreichen Guernsey Yacht Club (GYC), gegründet 1860, in seinem herrlich unter der alten Festung am Hafen gelegenen Vereinshaus. Und sie kam zeitweilig aus dem Staunen nicht heraus, als die Club-Direktoren Gordon Wilson und John Elliott über das Segeln in einem der anspruchsvollsten Reviere der Welt referierten.

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Die „Queen Mary 2“ auf Reede vor Guernsey

Wilson, der vormalige Kommodore, gab zunächst einen Überblick über die Historie und die überraschend vielfältigen Aktivitäten seines Vereins, die sich keineswegs auf alle Spielarten des Segelsports beschränken. Unter seinem Dach ist vielmehr alles im Wassersport Erdenkliche organisiert, bis hin zu so etwas Exotischem wie Seeschwimmen. Auch die erfolgreiche Jugendausbildung und das soziale Engagement des Clubs machte Wilson zum Thema.

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Gordon Wilson erklärt die Besonderheiten des Clubs und des Reviers

Anschließend demonstrierte der ausgewiesene Revierkenner John Elliott die Eigenarten seines angestammten Segelgebiets anhand der Seekarte. Es umfasst im Kern die Nachbarinseln, zudem liegen die französische und die englische Küste gerade einmal eine Tagesreise entfernt. Wiederholt hob Elliott dabei auf die Notwendigkeit einer extrem akkuraten Törnplanung ab. Im Revier herrscht ein Tidenhub von neun bis zwölf Metern, das Wasser strömt mit sechs Knoten und mehr. Da ist es zwingend notwendig, genau im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein, sonst hat man gegen die Gewalten der Natur keine Chance. Elliot berichtete, dass ein Powerboat bei einem Rennen mit dieser Strömung einmal mit 90 Knoten über Grund dahinschoss. 90! Unvorstellbar.

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Bassin für die Jugendausbildung im Guernsey Yacht Club

Außerdem ist das Revier im Ärmelkanal einem steten Wandel unterworfen. Viele der Inseln vervielfachen bei Niedrigwasser ihre Fläche, und unzählige Unterwasserfelsen machen die Sache nicht einfacher.  "Ich segele hier seit über 50 Jahren", sagte Elliott, "aber langweilig wird es immer noch nicht."      

Die YACHT-Leser erwiesen sich als dankbares, aufgeschlossenes Auditorium, interessiert und sachkundig. Im Anschluss an die Präsentation nutzten sie die Gelegenheit zu Einzelgesprächen mit den Experten. Hans-Jürgen Pollok, Erster Vorsitzender der Segel-Kameradschaft Berlin, überreichte den GYC-Repräsentanten zum Abschied einen Clubstander als Gastgeschenk.

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Ein Clubstander als Gastgeschenk: Gordon Wilson, John Elliott, Uwe Janßen (YACHT) und Hans-Jürgen Pollok (SKB, v. l.) 

Der intensive Austausch setzte sich am folgenden Tag auf der Rückreise nach Hamburg fort. An Bord der "Queen Mary 2" gab der stellvertretende Chefredakteur Uwe Janßen, der die Reise begleitete, Einblicke in die Arbeit der Redaktion und erklärte, wie alle zwei Wochen eine neue YACHT entsteht. Und auch in dieser Runde entwickelten sich anregende Diskussionen über unterschiedlichste Themen und deren mediale Aufbereitung.

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Strahlende Gesichter: YACHT-Leser auf dem Oberdeck der "Queen"

Am heutigen Morgen ist die "Queen Mary 2" in aller Frühe nach Hamburg zurückgekehrt, und die letzten Stunden dieser Reise boten ein Naturschauspiel. Als die "Queen" die Stadtgrenzen erreichte, ging über der Hamburg die Sonne auf, der Himmel und die Elbe schimmerten zum Empfang des Liners in warmem Gold, ganz wie es sich beim Erscheinen einer Königin gehört. 

Es war das würdige Finale eines an Eindrücken überreichen Törns.   

Uwe Janßen am 21.06.2019

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