Extremtest
Mit acht Knoten gegen den Fels

Der Albtraum jedes Schärenseglers – ungebremst auf die Steine. Für die Crew der Rosättra-Werft und die Linjett 43 ist es der ultimative Test

  • Hauke Schmidt
 • Publiziert am 21.08.2014

YACHT/ M. S. Kreplin Mit Karacho auf die Felsen: Der Test der Kielmechanik der Linjett 43 ist nichts für schwache Nerven 

Die Linjett 43 ist das neueste Modell der schwedischen Rosättra Båtvarv . Zur Philosophie des nördlich von Stockholm beheimateten Familienbetriebs gehört es, den Prototypen eines neuen Modells erst eine Saison lang zu testen, bevor die Formen für den Serienbau abgenommen werden.

Im Fall der Linjett 43 fällt die Prüfung etwas rabiater aus: Die Werftcrew setzte das Boot mehrfach absichtlich auf die Felsen, und zwar mit bis zu acht Knoten. Der Grund dafür ist die neue Kielkonstruktion. Als erste Boot der Werft ist die 43er mit einem Hubkiel ausgerüstet, der es erlaubt, den Tiefgang von 2,45 auf 1,90 Meter zu verringern. Der Clou dabei: Der Kiel fixiert sich beim Absenken automatisch im Kielkasten, kann aber bei Grundberührungen etwas nach achtern ausweichen.

"Selbst bei den heftigsten Grundberührungen mit etwa acht Knoten Fahrt fühlte sich das Auflaufen erstaunlich weich an", berichtet der Werftchef Markus Gustafsson. "Das Geräusch und die Erschütterungen schienen eher vom Zurückfallen des Kiels in seine Lagerung zu kommen als vom Aufprall selbst", so Gustafsson weiter.

Der größte Teil der Energie wird vom Kiel selbst aufgenommen, wenn die 3,5 Tonnen schwere Konstruktion im Kielkasten nach hinten und nach oben gedrückt wird. Im Test sei der Kiel laut Gustafsson bis zu 70 Zentimeter nach achtern geschwungen.

Die Kielmechanik verschwindet komplett im Salontisch der Linjett 43 und wird von einem Hydraulikzylinder bewegt. Daher kann der Steuermann den Tiefgang auf Knopfdruck von 2,45 auf 1,90 Meter verringern. Im Video fehlt die Abdeckung des Kielkastens, daher schwappt das Wasser beim Auflaufen ins Boot.

Werft Nach dem Test wurde der Hubkiel ausgebaut. An der Vorderkante des Kiels haben die Felsen deutliche Spuren hinterlassen 

Nach dem Test wurde die Linjett gekrant und ausgiebig auf Schäden untersucht. "Die Tests waren ein voller Erfolg. Im Blei des Kiels sind die Einschläge deutlich zu erkennen, strukturell sind Kiel und Boot aber völlig intakt. Weder die Bodengruppe noch der Innenausbau weisen Schäden oder auch nur Haarrisse auf", fasst Gustafsson die Ergebnisse zusammen.

Werft Die Vorderkante im Detail, an der Verformung des Bleis wird deutlich wie hart die Einschläge waren 

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