Extremtörn

Minisegler hat Atlantik überquert

Der 72-jährige Sven Yrvind ist mit seinem 4,80 Meter kurzen Boot wohlbehalten auf Martinique eingetroffen. Über drei Monate war er unterwegs

Pascal Schürmann am 29.11.2011
Yrvind

Yrvind bei der Abfahrt in Porto Santo

Mitte August war der schwedische Extremsegler gestartet. Die erste Etappe führte ihn von Kinsale/Irland nach Porto Santo, der kleinen Schwesterinsel Madeiras. Knapp einen Monat benötigte er für die rund 1200 Seemeilen lange Strecke. Von Porto Santo dann brach er am 12. Oktober auf. Am vergangenen Wochenende, nach 44 Tagen auf See, erreichte er schließlich die Bucht von Le Marin auf Martinique.

Yrvind ist keiner, der viel Aufhebens um seine Reisen macht. Niemand macht PR für ihn. Während seiner Zeit auf See hält er keinerlei Kontakt zur Außenwelt. Lediglich auf einem einfachen Tracker war sein Kurs via Internet zu verfolgen.

Yrvind

Yrvinds Ankunft auf Martinique im Tracker

Und selbst im Nachhinein gibt sich der Mann bescheiden. Mit wenigen Worten beschreibt er seine Leistung, die doch kaum zu überbieten ist. Am Tag nach seiner Ankunft notiert er:

"26. November 2011. Schließlich und endlich bin ich nun auf Martinique. Meine Ozeanüberquerung war ein fantastisches Experiment. Nach ein paar Wochen lässt dich die Zivilisation aus ihrem Griff, und du bist zurück in der Natur, wie es deine Bestimmung ist. Ich habe keinerlei Informationen von der Welt da draußen empfangen. Kein Funk oder irgendetwas anderes.

Ich bin sehr müde, und es ist nicht so einfach wie hier in Porto Santo, einen Internetzugang zu bekommen. Eine spezielle Antenne ist dafür erforderlich.

Ich hoffe, dass ich es mir leisten kann, mein Boot zurück nach Schweden zu schicken.

Meine zwei Hauptbeschäftigungen unterwegs waren lesen und ein neues Boot zu entwerfen. Ich bin sehr zufrieden mit meinen Zeichnungen.

Nun, ich wollte euch nur mitteilen, dass ich wieder einmal sicher angelandet bin mit fantastischen Erinnerungen an den wundervollen Ozean.

Grüße, Yrvind"

Sein auffallend knallgelbes Boot hat Yrvind mithillfe des bekannten Miniboot-Konstrukteurs Matt Layden konstruiert. Es ist 4,80 Meter lang, 1,30 Meter breit und hat einen Tiefgang von 0,22 Meter.

Yrvind beim Test seines Bootes

Eine Selbststeueranlage oder ein elektrischer Autopilot ist nicht an Bord. Yrvind kommt ohne aus. Er fixiert das Ruder und trimmt die Segel so, dass sie das Boot von allein auf Kurs halten. Er wisse nicht, warum das so gut funktioniere. Er habe lediglich viel Gewicht möglichst weit nach achtern verlagert. Fakt sei, dass das Boot auf diese Weise fast sieben Wochen lang wie auf Schienen gefahren sei, die gesamte Strecke über den Atlantik bis nach Martinique.

Schließlich lässt sich Yrvind, der sich seines Alters von fast 73 Jahren sehr wohl bewusst ist, noch über seine körperliche Verfassung aus. Der Mensch sei ja eigentlich fürs Landleben bestimmt, aber auch erstaunlich anpassungsfähig.Gespannt sei er gewesen, wie sein Immunsystem mit den Strapazen der Reise zurechtkommen würde, ob er mangels der Möglichkeit, sich mit Süßwasser und Seife zu waschen, leiden würde. Etwa weil Wunden im Salzwasser nicht heilen würden. Er kommt zu dem Schluss: "Zu meiner Zufriedenheit sind alle meine Knochen und Muskeln nach der Reise noch so funktionsfähig, wie sie es sein sollten."

Man darf schon jetzt gespannt sein, was Yrvind als Nächstes plant. Seine letzte Fahrt wird die Atlantiküberquerung sicher nicht gewesen sein, Andeutungen hat er früher schon gemacht. Dazu und weitere Hintergründe mehr im unten aufgeführten Artikel.

Pascal Schürmann am 29.11.2011

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