Havarien
Mehr Arbeit für Hollands Seenotretter

Skippern fehlt es zunehmend an Erfahrung. Jahresbilanz der KNRM für die zurückliegende Saison

  • YACHT Online
 • Publiziert am 22.01.2010

2009 ist in den Niederlanden die Zahl der Seenotrettungseinsätze deutlich gestiegen: 2029 Mal sind die Männer und Frauen der Koninklijke Nederlandse Redding Maatschappij [KNRM], dem niederländischen Gegenstück zur Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffsbrüchiger (DGzRS), ausgerückt. Dabei wurde 3365 Menschen geholfen.

Im Vorjahr waren es noch 1922 Einsätze, 2007 sogar nur 1795. Laut Aussage der niederländischen Retter ist die Erklärung für die steigenden Einsatzzahlen recht simpel: „Wo zunehmend mehr Wassersport betrieben wird, steigt auch die Zahl der Unfälle“, heißt es.

Mehr als 70 Prozent der Einsätze gehen auf das Konto der Wassersportler. Mit 748 Aktionen führen Crews von Kajütsegelbooten die Liste der Rettungseinsätze an.

Janneke Stokroos, Sprecherin der KNRM, appelliert an die Skipper, ihre Touren besser vorzubereiten: „Skipper sollten zwingend vorher den Wetterbericht hören, besser darüber nachdenken, was man schaffen kann und was nicht. Wer noch nie gesegelt ist, der gehört einfach nicht auf ein Gezeitengewässer.“

KNRM Segelyacht mit gebrochenem Mast in niederländischen Gewässern – nur einer von vielen Einsätzen für die KNRM

Ebenso fordert die KNRM, dass die Freizeitskipper sich mehr mit den Problemen der Binnenschiffer beschäftigen. Aufgrund der Enge vieler Fahrwasser kommen sich Sportboote und Berufsschiffe oftmals gefährlich nah. Auf den 6000 Kilometern Wasserstraßen in den Niederlanden sind Kollisionen keine Seltenheit.

Wichtige Gründe für Hilferufe waren außerdem unzureichende Kenntnis von Fahrgebiet und Boot. Janneke Stokroos erklärt, dass es insbesondere immer wieder zu Problemen auf dem IJsselmeer kommt: „Was regelmäßig passiert ist, dass die Leute in Lemmer ein Boot chartern, quer übers IJsselmeer nach Enkhuizen wollen und plötzlich nicht mehr wissen, wo sie sind.“

Am auffälligsten ist aber die gestiegene Anzahl von Schiffen mit Motorproblemen: 501 Hilferufe wegen technischer Probleme am Antrieb, das ist fast ein Viertel aller KNRM-Einsätze 2009.

In den 185 Jahren, die die KNRM nun besteht, haben mehr als 38.000 Einsätze der freiwilligen Helfer stattgefunden. Mehr als 81.000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Heute hat die KNRM über 1.000 freiwillige Helfer. Während ihrer Bereitschaft sind sie innerhalb von 10 Minuten am Rettungsboot. Vor kurzem hat die KNRM an der Westerschelde in Hansweert ihre 42. Station eröffnet. Sabine Kowalczyk


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Themen: 2009BilanzKNRM

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