Blauwasser
Mastbruch auf dem Pazifik!

Mit einem Notrigg in die Südsee: Niederländische Weltumsegler kämpfen sich fast 2.000 Meilen nach Französisch-Polynesien durch

  • Ursula Meer
 • Publiziert am 16.05.2022
Der Albtraum eines jeden Seglers: Reste des Riggs liegen an Deck, der Mast ist auf Tiefe gegangen Der Albtraum eines jeden Seglers: Reste des Riggs liegen an Deck, der Mast ist auf Tiefe gegangen Der Albtraum eines jeden Seglers: Reste des Riggs liegen an Deck, der Mast ist auf Tiefe gegangen

Rob Droog Der Albtraum eines jeden Seglers: Reste des Riggs liegen an Deck, der Mast ist auf Tiefe gegangen

22. April 2022, mitten auf dem Pazifik. Bei 17 Knoten Wind, Groß, Kutterfock und Yankee gerefft, geht morgens um sechs nach einem lauten Knall eine Erschütterung durch das Boot. Die Weltumsegler Yvette und Sander Droog springen an Deck: Mastbruch! Halb hängt der Mast ihrer Koopmans 44 über Bord, der Baum weist in die Tiefe, das Großsegel treibt in der rollenden See. In den zweieinhalb Meter hohen Wellen gelingt es den beiden bei aller Kraftanstrengung nicht, den Mast an Deck zurückzuhieven. Sie müssen die Wanten kappen und ihm beim Untergehen zusehen.

Rob Droog Mit Spibaum, Schot und Sturmfock schiebt sich die 12-Meter-Yacht über den Pazifik

Vor ihnen liegen knapp 1.700 Meilen bis zu den Marquesas. Gegen den Wind die kürzere Strecke zurück nach Galapagaos zu fahren ist keine Option. Aus Spinakkerbaum und Sturmfock bauen sie ein Notrigg für ihre "Blue Beryl". Drei, vier Knoten Geschwindigkeit, mehr ist nicht drin mit dem spärlichen Tuch im bewegten Pazifik. 24 Tage unkommodes Fortkommen liegen vor ihnen. "Die See ist brutal, wir rollen von links nach rechts. Das Leben an Bord ist äußerst unkomfortabel, aber wir packen das", schreibt Sander in ihrem Blog auf Facebook. Der Notmast verrichtet ausgezeichnete Arbeit, aber das stetige Rollen der See zerrt an Muskeln und Nerven. Yvette ist ängstlich und bekommt zunächst kaum Schlaf.

Doch selbst in der scheinbar endlosen Weite des großen Ozeans sind sie nicht allein. Über Satellit haben sie Kontakt zu Sanders Vater Rob Droog, über Funk zu anderen Seglern. Gleich mehrere Boote kommen vorbei und bringen ihnen Diesel, Schlafmittel, frisches Brot und Brownies. Die kanadische Segelyacht "Afrikii" ist eines von ihnen. Ihre Crewmitglieder filmen das Treffen auf See – in diesem Video ab Minute 12 . "Wir haben darüber nachgedacht, Yvette mit zu uns an Bord zu nehmen. Aber das war zu gefährlich bei dem Seegang", erzählen sie im Video. Sie können nicht einmal nahe an die "Blue Beryl" heranfahren.

Mit der Zeit stellt sich ein Bordrhythmus ein, aber Wind und See geben keine Ruhe. Alles kostet entsetzlich viel Energie, "dennoch sind wir in der Lage zu kochen und zu leben. Sofern man das so nennen kann. Es ist eher überleben." Gegen Ende der Reise wird das Meer noch einmal zur Achterbahn. Sander beschreibt in einem Blog: "Schrecklich! Die Wellen schlagen über das Deck. Was normalerweise ein einigermaßen intensiver Segeltag ist, wird nun zu einem Kampf. Es fühlt sich an, als würde man auf der Nordsee bei Windstärke acht hart am Wind segeln. Die Wellen scheinen immer wütender auf uns zu werden, weil sie uns nicht unterkriegen können." Erst am letzten Tag, das Land lässt sich schon beinahe riechen, schläft der Wind ein. Unter Motor erreichen die beiden die kleine Insel Hiva Oa. Ihr Fazit nach dem wohl größten Abenteuer ihres Lebens: "Es war nicht alles Drama. Aber schön ist anders!"

Rob Droog Die Niederländer Yvette und Sander Droog sind seit 2020 auf Weltumsegelung

Nicht zum ersten Mal haben die beiden großes Pech: 2017 ist ihre "Blue Beryl" im Hafen von Amsterdam gesunken. Damals half ihnen eine Crowdfunding-Kampagne, das Boot zu sanieren. Wie es nun mit dem Boot und den beiden weitergeht, ist noch nicht klar. Sanders Vater Rob sagt dazu einem Interview im niederländischen Segelmagazin "Zeilen": "Sander sucht schon nach Lösungen, einen neuen Mast nach Französisch-Polynesien zu transportieren. Das Boot ist ihr ganzer Besitz." Mit der Versicherung sei man im Gespräch. Vorerst aber wollen beide nichts anderes, als in einem Haus mit vier Wänden auf festem Boden schlafen – "nach 30 Tagen in einem Raum, der weniger Luxusboot als vielmehr Überlebensbunker ist".


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