Havarie

Lotsenschoner "No 5 Elbe" nach Zusammenstoß gesunken

An Pfingsten ist das erst jüngst aufwändig restaurierte Schiff mit einem Containerschiff auf der Elbe kollidiert. 43 Menschen an Bord konnten gerettet werden

Pascal Schürmann am 11.06.2019
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Daniel Beneke

Dramatische Szene: Die "No 5 Elbe" gerät vor den Bug des Containerschiffs

"Das ist ein Tiefschlag für uns, unfassbar!" In einer ersten Reaktion brachte Joachim Kaiser, Vorstand der Stiftung Hamburg Maritim, auf den Punkt, was wohl viele dachten, als sie am Wochenende von der tragischen Havarie des Lotsenschoners "No 5 Elbe" hörten. In Höhe von Stade war das 1883 in der Hamburger Stülcken-Werft auf Kiel gelegte Schiff am Pfingstsamstag mit dem unter zypriotischer Flagge fahrenden Containerschiff "Astrosprinter" zusammengestoßen und später in einem unweit entfernten Hafen gesunken.

Zum Zeitpunkt der Havarie befanden sich glücklicherweise DLRG- und Feuerwehrboote ganz in der Nähe auf der Elbe, die dort einem auf Grund gelaufenen Segler zur Hilfe kommen sollten. Sie eilten sofort zur Unglücksstelle, als sie die Kollision zwischen der "No 5 Elbe" und der "Astrosprinter" beobachteten, bargen die an Bord befindlichen Personen ab, setzten Pumpen über und nahmen den Schoner in Schlepp.

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Die "No 5 Elbe" unmittelbar nach der Kollision mit der "Astrosprinter". DLRG und Feuerwehr eilen zur Hilfe

Insgesamt befanden sich 43 Menschen an Bord des Seglers, acht von ihnen wurden bei dem Unglück laut ersten Meldungen verletzt, einer davon schwer. Das Containerschiff konnte seine Fahrt fortsetzen. Es fuhr nach einer ersten Mitteilung der Polizei zum Unglückszeitpunkt korrekt auf der rechten Fahrwasserseite Richtung Cuxhaven und war mit einem Lotsen besetzt. Die "No 5 Elbe" hatte das Hauptfahrwasser, auf dem die Seeschifffahrtsstraßenordnung gilt, gekreuzt, als es vor den Bug des Berufsschiffs geriet.

Pumpen kamen nicht gegen das eindringende Wasser an

Augenzeugen berichten, dass sich der Lotsenschoner wider Erwarten nach dem Zusammenprall erneut aufrichtete; zunächst hatte es offenbar so ausgesehen, als ob er von dem vielfach größeren Containerschiff komplett unter Wasser gedrückt würde. Das Boot trug aber wohl so gravierende Lecks davon, dass weder die eigenen, noch die von den Helfern übergebenen Pumpen ausreichten, des eindringenden Wassers Herr zu werden. Zwar gelang noch der Schlepp nach Stadersand in der Schwingemündung. Dort aber ging "No 5 Elbe" dann auf Tiefe. 

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Die im Hafen von Stadersand gesunkene "No 5 Elbe"

Was nun weiter mit dem Boot geschieht, wird sich erst nach dessen Bergung entscheiden, damit ist wohl nicht vor morgen zu rechnen. Am Wochenende äußerten sich indes viele, die teils auch direkt mit dem Schiff zu tun haben, zuversichtlich, es retten zu können. Wolfgang Benz vom Verein "Freunde des Lotsenschoners" sagte etwa gegenüber dem NDR Hamburg Journal: "Entscheiden tun jetzt natürlich andere. Wir als Decksleute können nur sagen, wir machen weiter. Wir haben immer weitergemacht."

Der Lotsenschoner, der eine bewegte Geschichte im Kielwasser hat, war erst in diesem Frühjahr nach einer umfassenden Sanierung in einer dänischen Werft wieder in Fahrt gegangen. 2002 war er auf Betreiben des Stiftungsvorstands Joachim Kaiser aus den USA, wohin er vor über einem halben Jahrhundert verkauft worden war, nach Hamburg zurückgeholt worden. Seither fuhr er mit zahlenden Gästen als schwimmendes Museum auf der Elbe.

Mehr Informationen und Hintergründe in der kommenden YACHT.

Pascal Schürmann am 11.06.2019

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