Blauwasser-Blog

Logbuch vom Atlantik

Der große Sprung ist geschafft! Die junge Crew der "Andiamo" hat den Atlantik überquert und die Karibik erreicht. Ihr begeisterter Bericht von 18 Tagen auf See

Kristina Müller am 13.02.2019
SY Andiamo, Lennart Burke u. Valentin Ahlhaus
Burke/Ahlhaus

Passatsegeln. In knapp 18 Tagen haben Lennart Burke und Valentin Ahlhaus mit einer betagten IW-31 den Atlantik überquert

Im August 2018 sind Lennart Burke und Valentin "Vale" Ahlhaus, Freunde und Melges-24-Segler aus Stralsund, zu einer Atlantikrunde mit einer alten IW-31 aufgebrochen. Nach abenteuerlichen ersten Etappen bis Frankreich, einer Biskaya-Überquerung gegen die ZeitBuchtenbummeln auf den Kanaren und Kapverden haben sie ihr Schiff für den großen Sprung vorbereitet. Nach der Atlantikrunde im Fahrtenseglermodus will Lennart Burke am Mini-Transat 2021 teilnehmen. Auf YACHT online berichtet er vom Weg dahin.

Lennart Burke

Freunde, Teil einer Melges-24-Crew und nun Langfahrer: Lennart Burke (l.) und Valentin Ahlhaus

Mit der Atlantiküberquerung erfülle ich meinen ersten, großen Segeltraum.

Ja, lange war es nur ein Traum. Einmal einen Ozean überqueren. Nicht unbedingt allein, aber mit eigenem Boot und möglichst selbstständig. Mit Valentin und "Andiamo" habe ich die besten Partner gefunden, was einen großen Teil zum Gelingen beigetragen hat.

Über die Reise möchte ich möglichst viel aus dem Logbuch berichten. Wir hatten in diesem Abschnitt unserer Atlantikrunde mehr auf Log- und Tagebucheintragungen geachtet und es regelmäßiger geführt, was das Berichten danach nach unserem Empfinden noch realitätsnäher macht:

Tag 1 – 19. Dezember 2018: Abfahrt auf São Vicente

Nach dem Ablegen ist die Laune bestens, dazu labert Vale unnötig viel Stuss. In Lee von Santo Antão stoßen wir auf eine sehr unruhige See. Ungemütlich. Scheint so, als läuft sie an beiden Seiten der Insel vorbei und knallt am Ende wieder zusammen. Dazu noch die Windabdeckung.

SY Andiamo, Lennart Burke u. Valentin Ahlhaus

Immer Kurs West. Größtenteils unter Genua und Groß segelt die "Andiamo" in Richtung Karibik

Als ich in der Koje war und Vale uns weiter an Santo Antão vorbeischob, hält er fest: "Alle paar Minuten dreht der Wind. Ich weiß manchmal nicht einmal, wo er herkommt. Die Windfahne auch nicht. Scheußlich, schweißtreibend, wackelig und vor allem nicht zufriedenstellend. Freude lässt merklich nach. Morgen wird alles besser!"

Gegen Mitternacht musste dann leider der Motor ran, um uns aus der Abdeckung zu schieben.

Tag 2 – 20. Dezember 2018

Als meine Wache um 0200 UTC beginnt, übernehme ich die Pinne und steuere weitere vier Stunden, bis wir endlich im kräftigen Passatwind landen. Gegen Abend halte ich fest: "Um 1745 UTC haben wir eine Dose Erbseneintopf und den Rest Nudeln vom Mittag gegessen. Das Wetter ist klasse und die See angenehm. Grund der einfachen Nahrung: mangelnder Appetit. Die letzte Nacht war nahezu schlaflos, was den Tag sehr träge bis bewegungslos ablaufen ließ." Vale vermerkt später: "Boot läuft, Nase auch."

Leider. Ich hatte mir auf den Kapverden etwas eingefangen und musste mich mit Halsschmerzen, schweren Gliedern, Husten und am Ende noch Schnupfen, den ich an Valentin weitergab, rumärgern. Das hielt uns aber noch lange nicht von der Abfahrt ab.

Tag 3 – 21. Dezember 2018, Etmal: 130 sm.

Um 0900 UTC schreibe ich ins Logbuch: "Vollmond. Die Nacht wurde fast zum Tag. Habe sehr beim Ausreffen der Segel geschwitzt. Ich denke, heute könnte ein Waschtag werden, doch erst einmal hole ich Schlaf nach und wecke Vale. Noch immer sind keine Meereslebewesen zu sehen. Wohl gemerkt, seit den Kanaren nicht.
Valentin wird immer kränker, aber mir geht es mittlerweile besser. Habe zu viel Spekulatius genascht und keinen Hunger auf das Abendbrot."

Tag 4 – 22. Dezember 2018, Etmal: 100 sm

SY Andiamo, Lennart Burke u. Valentin Ahlhaus

Eintrag ins Logbuch, in das beide nicht nur Positions- und Wetterdaten eintragen, sondern auch Gedanken zum Törn und Leben an Bord

Nachts bin ich im Cockpit gewesen, um Ausschau zu halten. Konnte dabei der See lauschen und den klar zu erkennenden Mond bewundern. Gewöhne mich langsam wieder an den Schlafrhythmus und werde in meiner nächtlichen Wache immer aktiver.

Über Tag reffen wir vollständig aus. Dabei beobachtet uns ein einzelner, fliegender Fisch. Bestes Wetter und wenig Wind. Sehr warm. Wir backen mal wieder ein Brot. Dazu gibt es Diverses und kaltes Bier. Bananen sind immer noch grün und sehr hart. Unser Wasser aus immer neu befüllten Flaschen schmeckt muffig. Werden ab jetzt neue nehmen, aber das Wasser muss getrunken werden. Versetzen es mit Saft, Zitrone, Teebeuteln und Ingwer. Das macht es besser.

Tag 5 – 23. Dezember 2018, Etmal: 115 sm

Ich lese "Sturmstärke 10" und segel aktiver. Wind ist stetig unstetig. Mal O, dann NO, dann ONO und jetzt sogar N. Macht mir aber gar nichts, denn dann gibt es immer Arbeit an Deck. Beim Lesen des Buches denke ich viel zu viel über die Sicherheit von "Andiamo" nach. Dabei kann ich doch eh nichts ändern. Zumindest nicht hier, mitten auf dem Atlantik.

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Kristina Müller am 13.02.2019

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