Nachruf

Langfahrtskipper Michael Wnuk gestorben

Der Segler, Buchautor, Blogger und Yachtfunkexperte war mit seiner "Marlin" zuletzt in der Karibik unterwegs. Auf Curaçao erlag er kürzlich einem Krebsleiden

Pascal Schürmann am 15.10.2020
Skipper Michael Wnuk
N. Müller/M. Wnuk/SY Marlin

Michael Wnuk (29.11.1963–12.10.2020)

"As Falls Wichita, so Falls Wichita Falls?" Mit diesen Worten beginnt der letzte Blog-Eintrag von Michael Wnuk, den er am 2. Oktober auf seiner Homepage sy-marlin.de veröffentlichte. Darin nahm er angesichts eines erneuten Ausbruchs einer langjährigen Krebserkrankung, gegen die er sich nicht noch einmal zur Wehr setzen mochte, Abschied von Freunden und Weggefährten. Zehn Tage später, am vergangenen Montag, starb er. Seine aus Deutschland angereiste Familie sowie befreundete Segler vor Ort begleiteten ihn während seiner letzten Tage und Stunden. 

Michael Wnuk ist, gemeinsam mit seiner Frau Nathalie Müller, vielen Tausenden nicht nur deutscher Segler ein Begriff. Mit ihrer "Iron Lady", einem Zwölf-Tonnen-Stahlschiff, gehen die beiden ab dem Jahr 2000 sieben Jahre lang auf eine ausgedehnte Segelreise entlang der Barfußroute um die Welt. In dieser Zeit werden auch ihre beiden Töchter geboren. Das Buch über ihre Segelabenteuer "Meer als ein Traum" wird zum Bestseller. 

Nach ihrer Rückkehr hält es die Familie zunächst vier Jahre an Land, dann geht es 2011 wieder auf Törn – zu viert und in deutlich anspruchsvollere Reviere. Entlang der Ostküste Südamerikas nimmt die "Iron Lady" Kurs Süd. Mehrere Monate kreuzt die Crew durch die Kanäle und Fjorde Patagoniens und Feuerlands. Über diese Reise mit ihren oft spektakulären Erlebnissen und eindrücklichen Begegnungen berichten Wnuk und Müller seinerzeit regelmäßig in einem eigenen Blog auf YACHT online.

Als die Westküste Chiles erreicht ist, folgt eine Zäsur. Weil sich unerwartet eine gute Gelegenheit bietet, trennt sich die Familie Anfang 2013 von ihrem alten Schiff, um kurz darauf ein anderes, größeres zu kaufen: die "Marlin". Die liegt damals am anderen Ende Südamerikas, in Suriname. Dort übernehmen die vier ihr neues Heim und brechen zu weiteren Törns auf, diesmal in die Karibik und schließlich zurück über den Nordatlantik nach Flensburg, ihre neue Wahlheimat.

Über diesen Törn erscheint schon bald darauf ihr zweites, erneut spannendes Buch "Unter Segeln zu Hause".

Marlin at Anchor on türkis ground

Segelyacht "Marlin"

Während Frau und Töchter sich rasch ins Leben an Land einfinden, bleibt bei Michael Wnuk die Sehnsucht nach dem Meer immer präsent. Auch beruflich widmet sich der aus Moers im Rheinland stammende gelernte Werbefachmann seinem Traum vom Segeln: Mit seiner Firma Lunatronic avanciert er zum insbesondere in der Langfahrerszene anerkannten Experten für Kommunikationselektronik an Bord von Blauwasseryachten.

Um wieder regelmäßig in See gehen zu können, rüstet er in den Folgejahren zudem die "Marlin" um und bietet Kojenchartertörns an. Die führen ihn und seine Segelgäste unter anderem rund um die Nordsee und später dann erneut gen Süden und über den Atlantik zurück in die Karibik. Insbesondere in den Revieren vor den Küsten Kubas fühlt sich Wnuk angekommen am Ziel seiner Seglerträume.

Dann aber erhält er im Juli 2016 die Diagnose: akute Leukämie. Doch ans Aufgeben denkt er da nicht. Wnuk kämpft mit ungeheurer Anstrengung gegen die Krankheit an und schafft es tatsächlich, Monate später wieder zurück an Bord seiner "Marlin" zu sein. 2017 glaubt er sich gesund, doch der Krebs ist nicht besiegt; Ende 2019 bricht er erneut aus. Es folgen Stammzellentransplantation und Chemotherapie, und tatsächlich schafft es Michael Wnuk auch dieses Mal; er kommt wieder auf die Beine. 

Doch dann bricht die Corona-Pandemie aus, und alle Versuche des Skippers, zurück auf sein Schiff zu gelangen, scheitern zunächst. Die "Marlin" ist in den Monaten zuvor mit angeheuerten Schiffsführern auf weiteren Kojenchartertörns in der Karibik unterwegs gewesen und wartet nun auf ihren Eigner. Der muss sich bis August gedulden, dann endlich bekommt er einen Flug. 

Ein Jahr war Michael Wnuk nicht an Bord. Seine letzten Monate verbringt er segelnd und kitend vor der Küste Curaçaos. Ende September erhält er erneut die Diagnose, dass der Krebs zurück ist. Diesmal lässt ihm die Krankheit keine Chance.

Seine Blog-Leser nimmt Michael Wnuk bis fast ganz zuletzt mit auf seine Reise. Und zwar so, wie er es immer gehalten hat: offen, schnörkellos, direkt. Das war seine Art. Das hatte Charakter. 

Er verabschiedet sich mit den Worten:  

"Nun ist es vorbei. (...) Geliebt seien die, die mich nicht vergessen. Denn tot bin ich erst, wenn keiner mehr an mich denkt. Der schönste letzte Augenblick wird sein, wenn ich meine Augen schließe und sich ein Lächeln in meinem Gesicht breitmachen wird."

Pascal Schürmann am 15.10.2020

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