Blauwasser

Lange Nächte im Süden

Über 70 Tage ist Soloskipper Georg Schimmelpfennig inzwischen unterwegs. Seine "Hekla" ist ihm längst ein neues Zuhause geworden. Der aktuelle Bericht von Bord

Georg Schimmelpfennig am 13.11.2018
BesBoot Hekla Cumulant38 Schimmelpfennig Bremerhaven 2018 SSc_STS_20180520_Hekla541
YACHT/Stefan Schorr

Georg Schimmelpfennig auf seiner "Hekla"

Der Mond ist nur eine schmale Sichel, und ganz nahe bei ihm im Westen steht ein Stern. Es wird wieder mal Nacht, gerade vor zwei Stunden ist die Sonne blutrot untergegangen. Keine Wolke zu sehen hier auf 31° Süd und 6° West – also ziemlich mittig auf dem Südatlantik.

Die Nächte reihen sich inzwischen mit einiger Routine aneinander – 71 sind es jetzt. Immerhin!

Wenn der Abend so ist wie heute, schwachwindig und mit wenig Welle, hat es etwas Heimeliges. Sanft gleitet "Hekla" mit gerade mal drei Knoten durch die Dunkelheit. Der Kräutertee zieht gerade, und es gab als Sundowner einen Schnaps und einen Keks.

Nach dem frischen Wind um 5 Beaufort in den letzten Tagen haben wir genug Strom in den Batterien. Die Kajüte ist in behagliches Licht getaucht. Ich erlebe mein Schiff jetzt als ein gemütliches Haus. Die Plicht ist mein Balkon, die See bis zum Horizont rundum "mein Gebiet".

Nur manchmal wird mir bewusst, wie weit ich von allem weg bin.

Zum Beispiel auf der Kartendarstellung in der Navi-App. Wenn ich die Welt "aufzoome" und sehe, wo ich zwischen Südamerika und Südafrika segele, wird’s mir etwas blümerant.

BesBoot Hekla Cumulant38 Schimmelpfennig Bremerhaven 2018 SSc_STS_20180520_Hekla085

Das war es mir auch manchmal in den letzten zwei Tagen und Nächten, in denen es ganz schön – am Wind, mit einem Schrick in den Schoten – bis 25 Knoten blies und dabei durchweg regnete. Bin bei solchen Bedingungen immer noch nicht wirklich entspannt, wenn Wind und Wellen auf mich und mein Schiff mit seinen enormen Bewegungen einstürmen. Dazu haben wohl auch die sehr vielen schwachwindigen Tage auf dem Atlantik beigetragen. Ich bin an Wind gar nicht mehr gewöhnt. Muss wohl erst noch wieder lernen, mit den Geräuschen und den Bewegungen in der hohen See klarzukommen. 

Es war so viel Wasser an Deck! Aber alle Luken und Lüfter haben dichtgehalten.

Leider habe ich in den Regenschauern nur wenig Trinkwasser aufgefangen, weil das Großsegel schlecht gerefft war. Muss die Buchten das nächste Mal besser legen, sodass das Wasser kontrollierter ablaufen kann. 

Jetzt aber soll erstmal wieder richtiger Segelwind aufkommen – und bleiben. In zwei Wochen will ich Kapstadt an backbord querab liegen und den Atlantik achteraus wissen.

Position Hekla 13_11_2018

Position der "Hekla" am 13. November 2018

Georg Schimmelpfennig am 13.11.2018

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