Umweltschutz

Lärmangriff bedroht Robben

In griechischen Gewässern wollen US-Konzerne nach Bodenschätzen mit Schallkanonen suchen, die Mönchsrobben und Wale gefährden.

Andreas Fritsch am 02.10.2015
Robbe

Seit ein paar Jahren drängen große Ölkonzerne ins Mittelmeer: Vor der kroatischen Küste, nahe der Balearen und auch in der griechischen Ägäis rund um Santorin sollen Gas- und Erdölfelder erschlossen werden. Seit kurzem erteilen etwa die kroatischen Behörden recht großzügig – nach höchst umstrittenen, weil nachlässigen Umweltverträglichkeitsprüfungen – Lizenzen für Erkundungen der möglichen Bohr-Standorte und sogar Bohr-Lizenzen. 

Die Erkundung findet mit Schallkanonen statt, die Schallwellen tief ins Erdreich senden, um die Lagerstätten zu erkunden. Dabei werden Delphine, Robben und Wale stark durch die Lärmbelastung gestört, teils sogar verletzt und getötet. Es sind in den letzten Jahren immer wieder vermehrte Strandungen von den Säugern nach solchen Erkundungen dokumentiert. Im Video bringen die Naturschützer ihre Message trotz des ernsten Themas humorvoll und eindrücklich auf den Punkt:

Mittlerweile formen sich in vielen Ländern Proteste gegen solche Erkundungen und Pläne der Ölförderung in touristisch extrem sensiblen Gebieten. Die renommierte Schweizer Umweltorganisation Ocean Care hat in den letzten Jahren viele Proteste organisiert und gebündelt und so manchen Test mit verhindert. Nahe Mallorca wurden die Tests zuletzt zum Beispiel wegen des Widerstandes in der Bevölkerung vorerst abgesagt.

Nun warnen die Schweizer vor einem weiteren Anlauf, diesmal vor Santorin in der Ägäis: "Im November und Dezember 2015 soll während 30 Tagen und insgesamt 384 Stunden alle zehn bis 15 Sekunden Explosionsschall von mehr als 240 Dezibel in den Meeresgrund um die Insel Santorin ausgesandt werden." 

Robbe

An diesen Stellen wurden nach dem Einsatz von Schallkanonen in der Vergangenheit tote Wale und Delphine angespült

Besonders die stark bedrohte Mönchsrobbe, von der es nur noch etwa 500 Exemplare im Mittelmeer gibt, ist von den Versuchen betroffen, so die Schweizer. Sie lebt vorrangig in der Ägäis, dort sind Schutzgebiete für sie eingerichtet worden, etwa auf den Sporaden, und in den Kykladen wird gerade an zwei weiteren gearbeitet. Das Fazit der Schweizer: "Jahrelang gab es intensive Bemühungen, die Mönchsrobben in der Ägäis vor dem Aussterben zu bewahren. Zum Schutz der wenigen verbleibenden Tiere wurde eigens ein Schutzgebiet etabliert. Und nun sollen die Tiere über mehrere Wochen zugedröhnt werden? Das Risiko ist hier einfach zu groß, besonders wenn man bedenkt, dass die vom Lärm verschreckten Mönchsrobben Jungtiere zurücklassen müssten, die ohne ihre Mütter wohl nicht überleben können", warnt Lüber und fordert eine klare Absage an das Projekt durch die US-amerikanischen Behörden.

Robbe

Bedrohte Mönchsrobbe in der Ägäis

In der Rechtsprechung der USA meinen die Umweltschützer nun einen Hebel gefunden zu haben: Nach US-Gesetz dürfen Firmen auch im Ausland mit ihren Aktivitäten keine bedrohten Tierarten gefährden. Die Schweizer wollen nun per Eingabe versuchen zu erreichen, dass US-Behörden die Tests untersagen. Dafür sammeln sie noch Unterschriften von Unterstützern. Zum Aufruf geht es hier.

 

Andreas Fritsch am 02.10.2015

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