Darßer Ort

Konkrete Pläne für neuen Nothafen

In Prerow soll am Ende einer 690 Meter langen Seebrücke ein Sportboothafen mit rund 40 Liegeplätzen sowie einem Platz für den Seenotrettungskreuzer entstehen

Pascal Schürmann am 09.01.2018
geplanter Sportboothafen Prerow
Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt MV/Tinus Medien Schwerin/L. Tiepolt

Der geplante Sportboothafen mit Platz für DGzRS-Boot, Fischer und Fahrgastschiff am Ende der Seebrücke 

Neben herkömmlichen Yachten sollen im neuen Hafen ferner Plätze für Fischerboote wie auch für größere Schiffe geschaffen werden. Selbst ein "größerer" Havarist soll im Ersatzhafen für Darßer Ort dann neben dem Seenotrettungskreuzer der DGzRS kurzfristig Unterschlupf finden können. Das und weitere Details stellte Mecklenburg-Vorpommerns Minister für Landwirtschaft und Umwelt Dr. Till Backhaus am vergangenen Freitag über 200 interessierten Bürgern in Prerow vor.

Dabei handelte es sich, wie das Ministerium mitteilt, um die Ergebnisse der Variantenuntersuchung sowie die bevorzugte Nutzungsvariante für das Vorhaben "Inselhafen Prerow – Ersatzhafen für den Nothafen Darßer Ort". Backhaus betonte in diesem Zusammenhang, "dass sich Koalition, Landtag, Kabinett und die Prerower Bürger gemeinsam für den Neubau und den Betrieb des Hafens ausgesprochen haben". 

Fünf Varianten geprüft

Im Rahmen der Vorplanung seien fünf Nutzungsvarianten untersucht worden. Alle enthielten Liegeplätze für ein DGzRS-Boot und einen Havaristen sowie Liegeplätze für die örtlichen Fischer. Unterschiede bestünden hingegen hinsichtlich der Anzahl Liegeplätze für Sportboote, den Möglichkeiten für einen Fahrgastschiffsanleger sowie der generellen Ausstattung des Hafens.

geplanter Sportboothafen Prerow

Die in Prerow nun geplante, 690 Meter lange Seebrücke samt Hafen 

Daraus resultieren dann auch Unterschiede bezüglich der Kosten für die einzelnen Varianten. Sie werden mit 20 bis knapp 29 Millionen Euro veranschlagt. Dazu kommen Folgekosten für den Betrieb und die Instandhaltung des neuen Hafens.

Die an der Finanzierung beteiligten Ministerien haben sich in diesem Zusammenhang auf eine der teuersten Varianten verständigt. Ob sie realisiert werden kann, hängt vom Landeskabinett ab. Das, so hofft Backhaus, erteilt spätestens im Februar seine Zustimmung.

Längste Seebrücke im Ostseeraum

Sollte dies so kommen, würde in den kommenden Jahren in Prerow nicht nur ein neuer Sportboothafen gebaut, sondern auch die längste Seebrücke im gesamten Ostseeraum. Die alte und inzwischen nach Angaben von Prerows Bürgermeister René Roloff dringend sanierungsbedürftige Seebrücke würde auf eine Gesamtlänge von 690 Meter erweitert werden. An ihrem Kopf läge dann der Hafen.

In dem soll neben Rettungskreuzer, Fischern und Yachten auch ein Fahrgastschiff Platz finden. Ein vom Ministerium in Auftrag gegebenes Gutachten habe ergeben, dass ein Fahrgastschiffsbetrieb an bis zu 75 Tagen im Jahr wirtschaftlich erfolgreich sein könne, so Backhaus. So würden aus dem Hafen regionalwirtschaftliche Effekte von insgesamt bis zu 380.000 Euro im Jahr resultieren, die zu 45 Prozent aus den Sportbootliegeplätzen erwirtschaftet werden könnten.

Reguläre Marina statt Nothafen

Anders als der bisherige Nothafen in Darßer Ort würde der Hafen in Prerow auch die für einen regulären Marinabetrieb erforderliche Infrastruktur erhalten. Geplant sind ein technisches Betriebsgebäude, sanitäre Einrichtungen sowie Landstrom- und Wasseranschlüsse und auch eine Abwasserentsorgungsmöglichkeit. Selbst von einer Erholungszone mit Sonnenliegen für Spaziergänger sowie von einem Wasserspielplatz für Kinder ist die Rede.

"Wir haben uns für diese interessante und wirkungsvolle Alternative ausgesprochen, da weitere Liegeplätze die Etappenfunktion des Hafens stärken. Außerdem ist bei Umsetzung der Kombination aus Fahrgastschiffsanleger an der Seebrücke und multifunktional nutzbarem Notliegeplatz die Etablierung eines wirtschaftlichen Fahrgastschiffbetriebs möglich. Und der Bau mit der längsten Brücke im Ostseeraum steigert zudem die touristische Attraktivität", rechtfertigt Minister Backhaus die geplante Variante.

Fertigstellung bis 2021

Die Gemeinde hat am Planungsprozess mit einer Hafengruppe mitgewirkt, die sich mit konkreten Hinweisen zur Planung beschäftigt hat. "Mir ist diese Zusammenarbeit wichtig, weshalb die Gemeinde weiterhin in die Planungen einbezogen werden soll. Ich erwarte beispielsweise eine Stellungnahme der Gemeinde und des Amtes zum Variantenvorschlag. Zudem werden die Bürger, die Gemeinde und Träger öffentlicher Belange im Planfeststellungsverfahren, das in diesem Jahr beginnt, die Möglichkeit haben, sich einzubringen", sagte Backhaus.

Die Vorplanung und die Variantenuntersuchungen hingegen seien nun abgeschlossen. Backhaus: "Nach der Kabinettsentscheidung wird danach die Entwurfs- und Genehmigungsplanung abgeschlossen. Ich gehe davon aus, dass der Inselhafen 2021 in Betrieb gehen kann." Damit käme man nach 30 Jahren Diskussion über eine Alternative zum Nothafen am Darßer Ort, der immer wieder versandet, endlich zu einer sinnvollen Lösung, so der Minister.

Pascal Schürmann am 09.01.2018

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