Niederlande

KNRM rückt nur noch im echten Notfall automatisch aus

Auch in den Niederlanden wird es fortan eine Unterscheidung zwischen Retten und Bergen geben. Die Alarmierung im Seenotfall bleibt aber wie bisher

Alexander Worms am 13.08.2020
NH1816
KNRM

Auch das neue Flaggschiff der KNRM, die NH 1816, rückt fortan nicht mehr automatisch und immer aus

Ab dem 17. August, so lassen es die Retter der Koninklijke Nederlandse Redding Maatschapij (KNRM), dem Pendant zur DGzRS, wissen, fahren sie automatisch und direkt nach Alarmierung durch Den Helder Rescue nur noch bei Gefahr für Leib und Leben raus. Befinden sich Schiffe oder Yachten allerdings in einer misslichen, jedoch nicht gefährlichen Situation, so muss der Skipper selbst für Hilfe sorgen. Den Helder Rescue, das MRCC der Niederlande, ist dann nicht für die Organisation und Abwicklung zuständig.

Der Skipper muss dann selbst einen Berger beauftragen. Der ist kostenpflichtig. Das kann auch die KNRM sein, die dann nach Absprache zu einem geeigneten Zeitpunkt und gegen einen vereinbarten Bergelohn ausrückt, oder eben ein freier Unternehmer, der die Yacht freischleppt, Starthilfe leistet, Kraftstoff bringt und auch den Havaristen in den Hafen schleppt.

WICHTIG: Im Seenotfall, wenn also Gefahr für Leib und Leben besteht oder auch nur bestehen könnte, erfolgt die Alarmierung in den Niederlanden wie bislang über die Kanäle 10 oder 16, die KNRM-HELPT-APP (roter Knopf), über die 112 oder die Telefonnummer 0900-0111 (nur von niederländischen Telefonen möglich). Die KNRM rückt dann wie gewohnt aus.

Es wird also unterschieden zwischen Retten und Bergen. Wer sich also bei ruhigem Wetter auf dem Vrouwezand festfährt und ohne fremde Hilfe nicht mehr loskommt, der muss selbst für Hilfe sorgen. Wenn jedoch der Seegang dort hoch ist und das Schiff zu sinken droht, ist wieder die KNRM zuständig. Wer vor Enkhuizen bei leichtem Wind mit verstopftem Dieselfilter liegenbleibt, kann in den Hafen segeln. Passiert das jedoch im Texelstrom ohne Wind, und droht man in die Fährlinie nach Texel zu treiben, so ist die Situation durchaus gefährlich. Diese Abwägung sollte der Skipper vornehmen können.

Erforderlich wurde die Maßnahme offenbar, weil die KNRM in der Vergangenheit immer wieder für vergleichsweise lapidare Einsätze gerufen wurde. Dabei müssen die freiwilligen Besatzungsmitglieder ihren Arbeitsplatz oder ihre Familie verlassen, um leicht vermeidbare Einsätze zu fahren. Man denke an verstopfte Kraftstofffilter wegen nachlässiger Wartung oder das Festlaufen auf bestens betonnten Untiefen. Diese Situation war nicht länger tragbar.

Die KNRM hilft in solchen Fällen auch weiterhin, jedoch nicht unbedingt sofort, sondern nach Absprache, etwa nach Feierabend der Besatzung. Wer die KNRM für eine Bergung beauftragen will, der kann dies ebenfalls über die KNRM-HELPT-APP tun (grüner Knopf) oder unter der Telefonnummer 0031/592 390 451. Das ist das Gleiche wie auf der Straße: Wer mit einem platten Reifen liegen bleibt, ruft auch nicht die Feuerwehr, sondern den ADAC. Irgendwie logisch. 

Alexander Worms am 13.08.2020

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