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„Khersones“ weiterhin am Haken

Betreiber befürchten das Aus für den Traditionssegler

  • Mathias Müller
 • Publiziert am 28.04.2006

grand-voilier Verottet die "Khersones" bald am Haken?

Das Ministerium für Agrarpolitik der Ukraine hat einen Auslaufstopp über das ukrainische Segelschulschiff „Khersones“ verhängt. Das Schiff liegt seitdem im Heimathafen Kerch fest. Direkt betroffen von dem Auslaufstopp ist der Schiffseigner, das Kerch Maritime Technological Institute (KMTI), sowie der Reiseveranstalter und Bareboatcharterer Inmaris aus Hamburg.

Die neueste Entwicklung in dem Vorgang ist die Entlassung des Rektors des KMTI Vitaliy Kolodyazhniy. Er wurde mit sofortiger Wirkung vom Agrarminister der Ukraine seines Amtes enthoben. Als Begründung nannte der Minister die Nicht-Verhinderung der Demonstration der rund 1000 Kadetten in Kerch sowie die nicht effiziente Nutzung des Schulschiffs „Khersones“. Kolodyazhniy war seit Dezember 2005 Rektor des KMTI.

Die „Khersones“ bzw. das KMTI ist dem Agrarministerium behördlich zugeordnet. Bis zum heutigen Tag sind bereits zwei „Khersones"-Reisen ausgefallen: Die Libyenreise der „Sachsen-Sail Club Leipzig e.V." (geplant ab/an Malta 23.4.–30.4.) sowie die zweite Libyenreise (geplant ab/an Malta 30.4.–7.5.). „Allein der Ausfall der beiden Libyen-Reisen beläuft sich bis heute auf einen finanziellen Schaden von über 600.000 Euro", so das Charterunternehmen Inmaris.

Die „Khersones“ sollte planmäßig am 7. April 06 aus dem Hafen von Kerch auslaufen, um seine alljährliche Segelsaison anzutreten. Der Kapitän, 42 Besatzungsmitglieder und 72 Kadetten waren bereits an Bord und das Schiff umfangreich ausgestattet mit Verpflegung, Technik, Treibstoff, Frischwasser, allen gültigen Schiffsdokumenten und Ausrüstung, als plötzlich und ohne vorherige Mitteilung an den Schiffseigner KMTI bzw. Inmaris vom ukrainischen Agrarministerium ein Auslaufstopp verhängt wurde. Gründe, die diese Anweisung rechtfertigen, sind dem Schiffseigner KMTI sowie Inmaris bis heute nicht bekannt und nicht offiziell mitgeteilt worden.
Laut Inmaris wurde das Charter-Unternehmen am 7. April von Kapitän Mikhail Sukhina über diese Anweisung informiert.

Laut Inmaris sind folgende Schritte der Betroffenen bisher eingeleitet:

• Wie das KMTI berichtete, haben Kadetten der „Khersones“ am vergangenen Freitag, den 21. April, vor dem Präsidentenhaus in Kiew für ihr Recht auf Ausbildung demonstriert.
• Die ukrainische Presse in Kiew und Kerch hat die Problematik aufgegriffen.

• Inmaris steht im engen Kontakt mit dem ukrainischen Außenministerium, dem ukrainischen Botschafter in Berlin, dem deutschen Botschafter in der Ukraine sowie dem ukrainischen Generalkonsulat in Hamburg. Der ukrainische Präsident, Herr Juschtschenko, ist inzwischen persönlich informiert.

Zur Info:
Der Schiffseigner der „Khersones“, das KMTI, ist ein international angesehenes Ausbildungsinstitut in Kerch. Es ist dafür bekannt, ukrainische Kadetten für die nationale Handels- und Fischereimarine professionell und erfolgreich auszubilden. Auf dem Traditionssegler absolvieren die jungen Kadetten jeweils rund drei Monate im Jahr den praktischen Teil ihrer Ausbildung. Inmaris fungiert dabei seit über 15 Jahren als Reiseveranstalter, internationales Schiffsmanagement und Bareboatcharterer der „Khersones“ und ist somit auch mitverantwortlich dafür, dass die schwimmende Seefahrtsschule durch touristische Teilnutzung finanziell unterstützt wird. So werden ca. 80 bis 95 Prozent der jährlichen Schiffskosten durch diesen Bereich gedeckt. Das Ziel des Projektes, so Inmaris, sei nicht die private Gewinnerzielung für den Schiffseigner KMTI, sondern die Erzielung eines Kostendeckungsbeitrags. Die Erhaltung und die Pflege des Kap-Hoorn-Traditionssegelschiffes „Khersones" sowie die Vermittlung vom Wissen um Windjammersegeln nehme dabei ebenfalls einen hohen Stellenwert ein.

Nach Auskunft der Hamburger Firma Inmaris haben bis heute rund 4500 ukrainische Kadetten den praktischen Teil ihrer Ausbildung auf der „Khersones“ erfolgreich absolviert. Als regelmäßiger Star-Gast hat das Schiff auf den großen maritimen Hafenfesten wie z. B. der Kieler Woche, Travemünder Woche und dem Hamburger Hafengeburtstag bereits ein Millionen-Publikum begeistert. Das ukrainisch-deutsche Projekt sichert in der Ukraine und Deutschland insgesamt rund 75 Arbeitsplätze. Zahlreiche ehrenamtliche Initiativen und Personen haben bis heute in vielen unentgeltlichen Arbeitseinsätzen zum Erfolg dieses Projekts, der Ausstattung des Schiffs sowie der persönlichen Unterstützung der ukrainischen Bordbesatzung beigetragen.


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Themen: FestsetzungKhersonesUkraine

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