Weltumsegler

Kein Rekord trotz Erstleistung?

Kurz vor dem erfolgreichen Abschluss ihrer Reise gerät die 16-jährige Jessica Watson in die Kritik: An ihrer Weltumsegelung würden rund 2000 Seemeilen fehlen, damit sie offiziell als solche gewertet werden könne

Martin-Sebastian Kreplin am 06.05.2010

Noch 10 Tage auf See: Jessica Watson

Es hat ein Geschmäckle. In zehn Tagen wird Jessica Watson in Sydney zurückerwartet, nach 211 Tagen auf See. Unerwartet brandet nun eine Diskussion auf, ob sie sich denn anschließend überhaupt mit einem Rekord wird schmücken dürfen. Mit dem klaren Ergebnis: Sie darf, offiziell, nicht.

"Das World Speed Sailing Record Council (WSSRC) registriert mittlerweile keine Erstleistungen von Minderjährigen mehr", stellt selbst das Team der 16-jährigen Australierin klar. Von offizieller Seite gäbe es daher ohnehin nur eine Auszeichnung für ihre Reise, so wie sie ihr Landsmann Jesse Martin nach seinem Törn um die Welt erhielt.

Um diese zu erhalten, ist es nötig, sich an den Regularien für die anerkannten Rekordstrecken zu orientieren. Doch offenbar hat Jessica Watson eine zu kurze Strecke über die Ozeane gewählt, obwohl sie, wie für einen offiziellen Rekord gefordert, den Äquator und alle Längengrade mindestens einmal überquert hat. Nach Angaben des WSSRC muss sich solch eine Route auf mindestens 21.600 Seemeilen summieren. Luftlinie, nicht gesegelte Strecke.

Und da hat Watson mit ihrer "Pink Lady" wohl eine Abkürzung gefunden. Ihre Strecke wird am Ende knappe 2.000 Seemeilen kürzer ausfallen und damit nicht den offiziellen Regularien entsprechen, die für "Erwachsenen-Rekorde" gelten.

Man könnte das für Erbsenzählerei halten. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass sich im vergangenen Jahr kaum eine Segelgröße zu schade war, das Vorhaben der minderjährigen Watson zu kritisieren. Nun hat sie ihre Reise beinahe überstanden, anscheinend wohlbehalten an Körper und Geist. Statt an der erbrachten Leistung beinahe grundlos zu zweifeln, sollte man es so halten wie Mike Perham und Jesse Martin. Die beiden nur unwesentlich älteren Weltumsegler werden Jessica Watson am übernächsten Wochenende in Sydney in Empfang nehmen und sie für eine Leistung feiern, auf die sie stolz sein kann. Offiziell oder ohne Auszeichnung.

Seit gestern im Hafen: Abby Sunderland

Bereits im Hafen angekommen ist die 16-jährige US-Amerikanerin Abby Sunderland. Ein Defekt an einem ihrer zwei Autopiloten zwang sie frühzeitig zur Aufgabe ihrer Nonstop-Weltumsegelung. Mittlerweile liegt sie in Kapstadt, repariert die Anlage und will anschließend mit ihrem Open 40 "Wild Eyes" wieder aufbrechen. Eine offizielle Rekordfahrt ist es ja nicht mehr. Aber an der Faszination hat das Unterfangen dadurch sicher nicht verloren

Martin-Sebastian Kreplin am 06.05.2010

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