Abenteuer

Kap Hoorn im Kielwasser

Nach 9.800 Seemeilen und 88 Tagen auf See passierte die 16-jährige Jessica Watson ihre schwierigste Wegmarke

Johannes Erdmann am 13.01.2010

Diego Ramirez am Horizont

In 40 Knoten Wind (8 Bft), Nebel, Nieselregen und vier Meter hoher See konnte sie das vorgelagerte Diego Ramirez ausmachen, erreichte dann gegen 10.40 Uhr unserer Zeit das Kap und nimmt nun Kurs auf die Falklandinseln.

In einer letzten Meldung im Internet-Logbuch schrieb sie gestern Abend: "Ella's Pink Lady surft die letzten 80 Meilen bis Kap Hoorn hinunter. Es sieht so aus, als wäre die Rundung das erste, was wir morgen früh machen werden. Super Spannend! Ich drücke die Daumen, dass die Wolken noch ein wenig höher steigen, damit ich auch einen anständigen Blick auf das Kap werfen kann, während wir vorübersegeln."

Besonders aufgeregt war Watson auf ein Treffen mit ihren Eltern, die in Punta Arenas (Chile) ein Flugzeug gechartert hatten. "Ich freue mich darauf, sie aus der Entfernung zu sehen und ein paar Worte per UKW-Funk zu wechseln." Aber nicht nur ihre Eltern, auch je ein Boot der argentinischen und chilenischen Marine hatten angekündigt, sie am Kap Hoorn willkommen zu heißen.

"Es ist über einen Monat her, dass ich ein anderes Boot und fast drei Monate, dass ich einen anderen Menschen gesehen habe. Deshalb freue ich mich riesig darauf und fühle mich schon fast verwöhnt, nun gleich so viele Gäste auf einmal zu bekommen. Heute Morgen habe ich mir die Haare extra sorgfältig gekämmt, was bei dem Wind natürlich ziemlich sinnlos war", vermeldete sie im Internet.

Bisher hält sich die junge Seglerin ausgesprochen gut und macht in ihren täglichen Meldungen einen ausgeglichenen, ja fast schon entspannten Eindruck. Statt sich über das Wetter zu ärgern, machte sie sich im Südpolarmeer daran, ein paar Muffins als Stimmungsmacher zu backen. Ein Kommentar ihres Landteams: "Sie scheint dort unten die Zeit ihres Lebens zu haben".

Nach der Rundung des Kaps wird sie nun wahrscheinlich ein wenig nördlicher segeln, aber weiterhin direkten Kurs Ost auf Australien halten. Die Bedingungen für eine Einhand-Nonstop-Weltumsegelung geben vor, dass sowohl alle Längengerade, als auch der Äquator während der Reise überquert werden müssen. Ihr Landsmann Jesse Martin, der 1999 mit 17 Jahren den Rekord des jüngsten Nonstop-Weltumsegler aufstellte, segelte seinerzeit von Kap Hoorn in den Nordatlantik und rundete die Azoren. Mit ihrem Schlenker von Australien nach Norden um die Kiribati Inseln hat Watson die Bedingungen jedoch bereits vor dem Kap Hoorn erfüllt und kann nun Kurs Heimat setzen.

Während Watson bald Bergfest feiern darf, ist der Italiener Alessandro di Benedetto, der am 26. Oktober von Les Sables d'Olonne aus auf einem umgebauten und voll eingedeckten Mini zur Nonstop-Einhand-Weltumsegelung aufgebrochen ist, weit in den indischen Ozean vorgedrungen und kommt gut voran. Sollte ihm die Reise gelingen, wäre dies eine sehr beachtliche Leistung, die kaum noch unterboten werden könnte.

Johannes Erdmann am 13.01.2010

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