Refit-Blog, Woche 120

Kajütfenster verkleben: Jetzt ist unsere Dehlya wieder dicht

Nach der Deckslackierung bei Wrede konnten wir endlich die neuen, viel größeren und der Form nach moderneren Aufbaufenster einkleben. So geht's!

Jochen Rieker am 11.03.2019
Sitzt und passt: Fenster-Verklebung an unserer Dehlya 25
YACHT/N. Günter

Was wir in den mittlerweile gut zweieinhalb Jahren unseres Refits gelernt haben, ist neben vielen fachlichen Dingen die leider mitunter schmerzliche Einsicht, dass es mehrere Stufen von "fertig" gibt.

Unser Pod-Antrieb von Torqeedo zum Beispiel, von der Marina Vulkan Werft schon anno 2017 meisterlich eingebaut und eigentlich längst "fertig" und auch lauffähig, brauchte bis Anfang März drei weitere Anläufe, um wirklich komplett zu sein. Erst hatten wir die beiden Schnelllader der Lithium-Akkus auf der verkehrten Seite und nicht ausreichend belüftet montiert, dann musste das Display nochmal neu, weil Torqeedo die Serie geändert hat. Nun aber passt – endlich – alles.

Decksbeschläge waren auch so ein Thema mit Wiederholungsschleife. Sie saßen schon auf der boot Düsseldorf an Ort und Stelle, mussten aber alle nochmal runter wegen der Deckslackierung und danach bei Jade Yachting gleich wieder drauf – diesmal mit Dichtmasse und für hoffentlich immer.

Fotostrecke: So kleben Profis Kajütfenster ein

Und dann erst die Fenster..! Die alten waren so angegriffen von Abnutzung und UV-Licht, dass sie in jedem Fall ersetzt werden mussten. Weil wir also eh schon mal dabei waren, haben wir sehr früh beschlossen, gleich auch die Form zu ändern. Marc-Oliver von Ahlen, unser begleitender Konstrukteur, zeichnete mehrere Varianten, darunter die jetzt gewählte, die von der Linienführung her jener der aktuellen Dehler-Modelle ähnelt: länger und dynamischer als zuvor, strecken sie jetzt den Aufbau und lassen obendrein mehr Licht ins Boot.

Das setzte einige Extraschichten voraus, die Bootsbaumeister Sven Walther von M.u.H. von der Linden samt Kollege schulterten. Sie sägten nach einer CAD-Schablone die neuen Ausschnitte ins Laminat und setzten von innen einen Klebeflansch dagegen, der so formschön integriert wirkt, als ob das immer schon so aussehen sollte, denn er nimmt die Rundungen der Innenschale gekonnt auf.

Anno Rodenkirchen von unserem Partner MarinAcryl schnitt dann die Scheiben passgenau zu, samt leichter Wölbung; auch er ein Meister seines Fachs. Gut anderthalb Jahre saßen sie schon in ihrem angestammten Rezess. Wieder hätte man denken können: "Fertig!" Allerdings: Sie waren nur mit doppelseitigem Klebeband fixiert, nicht fest verklebt und verfugt. Denn das sollte erst nach der Deckslackierung erfolgen – so wie bei einem Neubau eben auch.

Weshalb nun die Dehlya am Donnerstagabend in Wesel bei von der Linden in die Halle rollte und am Freitag mit chirurgischer Präzision ihre finale Fenster-OP erlebte. Nein, das ist nicht übertrieben (jedenfalls nicht sehr)! Da ging es wirklich zu wie im Reinst-Raum. Die Plexiglas-Scheiben und die innenliegenden Klebeflansche, die eine bündige Montage ermöglichen, mussten zunächst von allen Fetten, Kleberesten der Tapes und Stäubchen gereinigt werden, dann angeschliffen, danach gleich nochmal gereinigt und anschließend geprimert werden.

Erst dann kam Sabateck 760 zum Einsatz. Das ist ein hochfester Spezialklebe- und Dichtstoff auf Polymer-Basis, der gleichwohl noch eine gewisse Elastizität behält, um Spannungen – etwa durch Torsion im Kajütaufbau – auszugleichen. Damit beim Einsetzen der Scheiben die Masse nicht zu weit herausgedrückt wird, hatte Anno Rodenkirchen vorher Abstandshalter aus ausgehärteter Klebemasse gefertigt – und natürlich alles um die Flansche herum penibelst abgeklebt.

Freitagnachmittag saßen die Scheiben dann, wie sie sollten – erstmals ohne Schutzfolie, ohne Spaltmaße, mit diesem tiefschwarzen Kleberand am frischen, weißen Deckslack. Ganz ehrlich: Es war wieder so ein Moment zum Niederknien! Alle Überlegungen, Diskussion, Zweifel, all das Warten: vergessen!!! Es sieht einfach nur großartig aus. Übers Wochenende muss es bloß noch aushärten.

Und wir machen in unserer Projektliste jetzt wieder einen dicken, fetten Haken. Kajütfenster? So was von fix und fertig!!!!

Kommende  Woche geht es dann an den Bodensee. In Radolfzell warten Daniel Hadamovsky und sein Team vom Bootskontor schon mit den PermaTeek-Leisten, um die Laufdecks und die Plicht zu belegen. Auch das wird wieder ein optisches Fest. Und dann geht's nach Singen zu NautiSattler, wo die Dehlya eine maßgefertigte Sprayhood samt Kuchenbude bekommt. Bleiben Sie also dran!

Jochen Rieker am 11.03.2019

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online