Rekordfahrt

Jessica Watson ist unterwegs

Die 16-jährige Australieren will als jüngster Mensch nonstop die Welt umsegeln. Gestern legte sie in Sydney ab

Johannes Erdmann am 19.10.2009

Jessica am Steuer ihrer "Ella's Pink Lady"

Nachdem Watson am 10. September bei der Überführung nach Sydney bereits in der ersten Nacht mit einem Frachter kollidiert war, wurden Kritikerstimmen laut, die die Reise eines Teenagers um die Welt verhindern wollten.

Vor einer Woche hatte der erfahrene Segler Andrew Cape, der bereits sieben Mal um das Kap Hoorn gesegelt war, Jessica Watson in einem Brief ans Herz gelegt, die Reiseplanung abzubrechen. Er schätzte ihre Erfolgschancen auf etwa 33 Prozent ein. Weitere 33 Prozent gab er jeweils den Gefahren, dass sie unterwegs Havarien erleidet oder samt dem Schiff untergeht. Weiter führte er in seinem Brief den Vergleich an, dass man doch nicht gleich, wenn man mit dem Bergsteigen beginnt, den Mount Everest erwägen sollte.

Als Boten für den Brief wählte Cape seinen alten Freund Andrew Short, der nur wenige Tage nach der Übergabe des Briefes selbst in einem tragischen Unfall auf See ums Leben kam. Sie und ihr Team sprachen ihr Beileid für Shorts Tod aus, aber wollten von den Warnungen nichts wissen. "In dem Brief stand nichts, dessen sich Jessica nicht bereits bewusst war. Wir schätzen die Ratschläge, die wir bekommen. (...) Aber genug ist genug", sagte Andrew Fraser, Jessicas Pressesprecher.

Trotz dem Rückschlag durch die Kollision gelang es Watson durch die Hilfe einer Werft die Reparaturarbeiten am schwer beschädigten Boot rechtzeitig zu beenden und gestern früh um 9.49 (Ortszeit) von Sydney aus in See zu stechen.

Der Wind blieb flau und ließ sie zunächst nur mit magerer 3 Knoten Fahrt aus dem Hafen hinaus segeln, wobei sie von einer Armada kleiner Boote und Pressehelicoptern begleitet wurde.

"Ich kann es kaum glauben, dass es endlich soweit ist. Ich werde jetzt um die Welt segeln", sagte Jessica noch kurz vor der Abfahrt in einem Interview.

In ihrem ersten Blogeintrag von Bord berichtet Watson:

"Mein erster Tag hat mich viel Arbeit gekostet, um Ella's Pink Lady in den flauen Winden von der Küste weg zu bekommen, mich um einige kleine Probleme zu kümmern und auf den Schiffsverkehr zu achten. Ich gebe zu, ich war ein wenig emotional für eine Weile nach all den guten Wünschen und Verabschiedungen, aber auf der positiven SEite fühle ich mich bereits, als hätte ich mich in mein Bordleben eingefunden, bei dem schwachen Wind und der ruhigen See. Ich hatte noch nicht einmal Ansätze von Seekrankheit, obwohl ich sonst meist die ersten Tage ein leichtes flauen Gefühl im Magen habe.
Nach all der Aufregung der Abfahrt war mein Fortschritt bisher sehr spätlich. Wir sind erst knapp 65 Meilen von der Küste entfernt, segeln nicht sehr preisverdächtige 2,5 Knoten. Es ist ein bisschen frustrierend. Aber ich werde es jetzt langsam angehen lassen und mir Zeit geben, mich hier einzufinden. Irgendwann wird es schon Wind geben."

Jessicas täglichen Blogeintrag lesen Sie HIER.

Johannes Erdmann am 19.10.2009

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