Bavaria Yachtbau

Innenansichten einer Insolvenz: Bei Bavaria läuft's wieder

Mit kaum verringertem Tempo laufen in Giebelstadt die Yachten vom Band. Trotz einzelner Verzögerungen und Unklarheiten in der Auslieferung brummt der Betrieb

Jochen Rieker am 21.05.2018
Trotz Insolvenzantrag – Bavaria-Produktion läuft wieder
YACHT/J. Rieker

Wer nicht wüsste, dass Deutschlands einst größte Sportbootwerft vor vier Wochen Insolvenzantrag gestellt hat, würde kaum auf den Gedanken an einen Betrieb in Notlage kommen. Der Mitarbeiter-Parkplatz: bis auf wenige Lücken proppenvoll. Das Gelände vor den Werkstoren, hinter denen Endmontage und Abnahme erfolgen: gut gefüllt mit Segel- und Motorbooten. Und im Verwaltungsgebäude an der Bavariastraße: emsiges Treiben. 

So sieht es auch an den Bändern aus. Insbesondere die beiden Fertigungsstraßen, auf denen kleine bis mittlere bzw. große Segelyachten produziert werden, sind gut belegt. Darunter finden sich einige der neuesten und größten Modelle. Allein drei Bavaria C 57 werden aktuell fertig gestellt, ferner mehrere C 45 und C 50. Nur eine Handvoll Plätze sind leer. Lediglich bei den Motorbooten gibt es größere Lücken.

Beim Besuch der YACHT in Giebelstadt präsentiert sich Bavaria Yachtbau wie eine Werft im Nahezu-Normalbetrieb. Selbst die Auslieferung ist Anfang Mai wieder angelaufen. Zwischenzeitlich haben 30 Boote das Gelände verlassen, darunter auch das von Norbert Poljsak und seiner Frau, die ihre 33-Fuß-Yacht just an dem Tag voll bezahlt hatten, als der Betrieb Insolvenz angemeldet hatte (s. YACHT 10/2018).

Trotz Insolvenzantrag – Bavaria-Produktion läuft wieder

Ready to go. Zwei Schwertransporte warten vor dem Werkstor auf die Abfahrt

Zwei Wochen bangten die beiden Eigner aus der Nähe von Dortmund – dann meldete sich Insolvenzverwalter Tobias Brinkmann persönlich und ließ sie wissen, dass sie als Erste ihr Schiff ausgeliefert bekämen.

Seither vergeht kaum ein Tag, an dem nicht Schwerlaster vorfahren und weitere Yachten aufladen. Am Donnerstag vergangener Woche parkten zwei mit Bavaria Cruisern beladene Lkw vor der Zufahrt, die nur auf ein Zeitfenster für den Schwertransport warteten. Auf dem Gelände sattelte ein weiterer Tieflader gerade auf.

Die Normalität, die der Betrieb vermittelt, ist alles andere als selbstverständlich. Sie zeigt, wie engagiert Insolvenzverwalter, Geschäftsführer und Belegschaft versuchen, Bavaria auf Kurs zu halten. Denn nur so – bei intakten Strukturen – lässt sich kurzfristig ein Investor finden. Dass das bis zum Ende der Werksferien im August gelingen kann, daran glaubt Tobias Brinkmann nach wie vor.

Lesen Sie im zweiten Teil des Berichts das Interview mit ihm.

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Jochen Rieker am 21.05.2018

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