Weltumsegelung

Im Winter durchs Südpolarmeer

Nach seiner Kap-Hoorn-Umrundung am vergangenen Donnerstag nimmt Bernt Lüchtenborg nun Kurs auf Neuseeland

Johannes Erdmann am 07.06.2010

Bild der auf dem Geräteträger montierten Kamera

Nur 131 Tage nach seinem letzten Besuch passierte der Skipper der "Horizons" nun erneut die südliche Landmarke. Diesmal jedoch auf Westkurs. Mitten im Südpolarwinter will er gegen den Wind um die Welt segeln.

Noch immer aufgerührt vom Adrenalin der hinter ihm liegenden und glimpflich verlaufenen Rundung des Kaps fasst er seine Gefühle auf der Website in Worte: "Kap Hoorn hat Spiritualität. Die Atmosphäre packt dich. Man wird runtergerissen in Gedanken an die Tragödien und Schicksale, die sich an dieser Stelle abgespielt haben. Man denkt an Schiffe, die hier zermalmt wurden, und an Menschen, die in letzter Verzweiflung dem Tod ins Antlitz sahen."

Der nächste Wegepunkt seiner zweiten Weltumsegelung — geplant als Nonstop-Reise gegen den Wind — ist Steward Island, südlich von Neuseeland in 4200 Seemeilen Entfernung. Bis dahin liegen zwei harte Monate vor ihm. Das Südpolarmeer empfängt ihn bereits jetzt mit jahrenzeittypischem Schwerwetter, schickt Gegenwinde, die ihn hoch am Wind und mit sechs Meilen Abstand parallel zur riffgespickten Küste Feuerlands entlang segeln lassen. "Ich muss das Risiko eingehen", erklärt er im letzten Eintrag, "Es ist meine einzige Chance, nach Nordwesten zu segeln. Würde ich südwestlich ablaufen, steigt die Eisberggefahr zu dieser Jahreszeit enorm. Bei 4 Grad ist die Luft gefüllt mit Gischt und Schneeschauern."

Trackerpositionen der "Horizons", vom 5. bis 7. Juni

Bei seinen letzten Positionsmeldungen auf dem Tracker kann man erkennen, wie die "Horizons" offenbar im Windschatten der kleinen, chilenischen Noir Island Schutz sucht, die Fahrt auf einen Knoten reduziert. Derzeit bewegt sich das Schiff mit sechs Knoten in südöstlicher Richtung. Dem Bild nach zu urteilen, könnte Lüchtenborg beigedreht haben.

Der Wetterbericht sagt für das von Lüchtenborg befahrene Seegebiet Wind zwischen 20 und 40 Knoten aus West voraus. Im Laufe der nächsten zwei Tage soll er dann auf Nordnordwest drehen und bis Mittwoch auf 50 Knoten zunehmen. Das entspräche Windstärke 10 — ein schwerer Sturm. Nicht ungewöhnlich für die Saison.

Johannes Erdmann am 07.06.2010

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