Rekordfahrt

Im Microboot nach New York

Trotz Herbststürmen hat Norbert Sedlacek heute die Leinen losgeworfen, um mit seinem 16-Fuß-Vulkanfaserboot den Atlantik zu überqueren

Johannes Erdmann am 10.11.2013
"Fipofix" segelt hinaus auf den Atlantik

"Fipofix" segelt hinaus auf den Atlantik

Das Wetter spielt schon seit vielen Wochen verrückt. Der Start des Transat Jacques Vabre musste wegen starken Windes über der Biskaya fünf Tage nach hinten verlegt werden, die Minis haben sogar 16 Tage in Douarnenez verharrt, bevor der Start zur ersten Etappe erfolgen konnte – die dann gleich wieder abgebrochen wurde. 

Auch an diesem Wochenende weht es vor Les Sables d'Olonne mit 20 Knoten (5 Beaufort) aus Nordnordwest in die Bucht hinein. Vor der Hafeneinfahrt steht eine drei Meter hohe Welle. Und dennoch hat Norbert Sedlacek mit seiner knallgelben "Fipofix" abgelegt. Wie geplant. Mit einem nur 16 Fuß (4,90 Meter) langen Hochsee-Winzling, den er zudem noch aus dem relativ wenig bekannten Material Vulkanfaser selbstgebaut hat.

Letzte Interviews auf dem Vendée-Globe-Steg

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Sein Plan ist es nun, innerhalb von sechs Wochen vor der Freiheitsstatue aufzukreuzen. Warum sich der Österreicher nach so vielen erfolgreichen Großprojekten (unter anderem zwei Teilnahmen an der Vendée Globe 2004 und 2008) nun mit einem so derart kleinen Untersatz auf eine kräftezehrende Fahrt begibt, hat er YACHT online wenige Tage vor der Abfahrt erklärt:

"Bei dem Schiff, unserer 'Fipofix', handelt es sich um eine Schrumpfung eines Imoca Open 60. Mit allen kniffligen Details – zum Beispiel einem Canting-Kiel, einem Kohlefaser-Rigg mit vier Vorstagen und vielem mehr." In der Tat besitzt das Schiff, das Sedlacek zusammen mit seinem Team entwickelt und gebaut hat, erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Open 60 "Akena Verandas", der nur wenige Boxen nebenan liegt. "Wir möchten mit der Reise einfach beweisen, dass es möglich ist, Hochseeschiffe aus Vulkanfasern zu bauen – und dann später nach erfolgreicher Testfahrt möglichst einen Open 60 daraus bauen."

Das Team Fipofix: Harald Sedlacek, Heidemarie Strommer, Marion Koch, Norbert Sedlacek (v.l.)

Das Team Fipofix: Harald Sedlacek, Heidemarie Strommer, Marion Koch, Norbert Sedlacek (v. l.)

Vor Sedlacek liegen nun 4.500 Atlantikseemeilen. Auf die ihm bevorstehende Zeit an Bord des Hochsee-Winzlings blickt der Österreicher relativ gelassen: "Die Umstellung auf das Leben an Bord der 'Fipofix' wird mit Sicherheit das Schwierigste werden", sagt er. Kein Wunder, denn der Hauptanteil der Kajüte wird durch den gewaltigen Kielkasten eingenommen, vor dem sich der Schwertkasten für ein zusätzliches Steckschwert befindet. Zum Liegen und Schlafen bleibt nur der etwa 50 Zentimeter breite Raum zwischen Luke und Kielkasten. Bei der Abfahrt sind zudem Unmengen von Proviant an Bord. "So kurz vor dem Start auch leichte Nervosität und Angespanntheit", sagt der Skipper. Bei der Probefahrt lief der gelbe Renner immerhin auf Anhieb 13 Knoten. "Das Schiff ist jetzt mit Langfahrtzuladung aber doch ein wenig schwerer geworden als erwartet."

Die Route wird den 51-Jährigen nun zunächst hoch am Wind in Richtung Kap Finisterre führen, von dort über den Atlantik und entlang der Bahamas in den Norden, wo Sedlacek um Weihnachten herum anzukommen plant. 

Die Reise kann im Internet auf www.norbertsedlacek.com verfolgt werden, außerdem auf Twitter oder auf Facebook.

Johannes Erdmann am 10.11.2013

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