Abenteuer
Im Kufen-Kat zum Nordpol segeln

Über 1000 Seemeilen durch die Eiswüste: Drei Franzosen sind mit einem kleinen Kat auf dem Weg zum Nordpol. Wo kein Wasser ist, wollen sie auf dem Eis segeln

  • Kristina Müller
 • Publiziert am 03.07.2018
Kein leichter Weg: Weite Teile der Strecke muss das Boot über Eisfelder gewuchtet werden Kein leichter Weg: Weite Teile der Strecke muss das Boot über Eisfelder gewuchtet werden Kein leichter Weg: Weite Teile der Strecke muss das Boot über Eisfelder gewuchtet werden

Arnaud Mansat/La Voie du Pôl Kein leichter Weg: Weite Teile der Strecke muss das Boot über Eisfelder gewuchtet werden

Zu einem unmöglich anmutenden Törn haben sich drei französische Abenteurer Ende Juni aufgemacht: Von Alaska zum Nordpol und weiter nach Spitzbergen wollen sie segeln – und dort, wo das aufgrund der Eisdecke nicht möglich ist, ihren segelbaren Untersatz schieben oder ziehen.

Die Crew – je härter, desto besser

Mit Sébastien Roubinet, Eric André und Vincent Colliard hat das Unterfangen jedoch eine erfahrene Crew: Roubinet hat 2003 das Mini-Transat bestritten, im Hobie-Kat Skandinavien besegelt, auf dem Expeditionsschiff "Tara" Grönland erkundet und 2007 bereits die Nordwestpassage auf einem innovativen kleinen Kat durchsegelt. Colliard hat den Nordpol schon auf Skiern erreicht und ebenfalls die Nordwestpassage durchquert. André ist mit dem Fahrrad durch Alaska gefahren und hat Roubinet auf der Nordwestpassage begleitet.

Die Route – 1750 Meilen durchs Eis

Ohne Motor und weitestgehend ohne Hilfe von außerhalb wollen die drei Abenteurer unter Segeln den Nordpol erreichen – und wieder hinter sich lassen. Ihre Route führt von Barrow in Alaska über das Nordpolarmeer und weiter nach Spitzbergen. Am 19. Juni ist das Team aufgebrochen.

Arnaut Mansat/La Voie du Pôl Die ungefähre Route 

Das Boot – Segeln auf flüssigem und festem Wasser

Der Katamaran ist ein Prototyp, den Roubinet in jahrelanger Arbeit selbst gebaut hat. Zum Einsatz kamen nur leichte und feste Materialien wie Carbon und Innegra-Fasern, unter die beiden Schwimmer konstruierte der erfahrene Segler Kufen. Mit ihnen soll der Kat auch auf den dichten Eisdecken rund um den Nordpol segeln können – oder zumindest gezogen und geschoben werden können. Sieben Meter ist der Katamaran lang, trägt immerhin 75 Quadratmeter Segelfläche und hat eine kleine Kajüte mit gut drei Kubikmetern Volumen.

Die ersten Tage – Weihnachtsgeschenke fallen vom Himmel

Schon am ersten Tag der Expedition erlitt der Backbordrumpf einen Schaden an einem Eisblock, den die Crew jedoch reparieren konnte. Dennoch meldet Roubinet kurz darauf von Bord: "Wir sind superglücklich, hier zu sein. Wir werden jetzt etwas Gutes essen – dank Solarenergie können wir kochen. Schön ist das Leben auf dem Eis!"

Gut 200 Kilogramm und Ausrüstung befinden sich auf der "Babouch’ty" – und doch wurde die Crew bereits mit 32 Säcken Verpflegung aus der Luft versorgt, aus Sorge, die Vorräte könnten nicht reichen. "Das war, als hätte der Weihnachtsmann Geschenke vom Himmel geworfen", so Roubinet. An anderer Stelle klingt sein Bericht weniger enthusiastisch: "Heute haben wir sechs Meilen nach Norden gutgemacht, immer nur schiebend mangels Wind und mangels Wasser."

Roubinet, André und Colliard kennen die extrem hohen Breiten, in die sie allmählich vordringen, und doch: Der Ausgang ihres neuen Projektes, das gerade erst begonnen hat, ist noch völlig offen.


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der Delius Klasing Kiosk App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: AbenteuerAlaskaBabouch’tyEric AndréExpeditionNordpolarmeerSebastien RoubinetVincent Colliard

Anzeige