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Im Kino: Master and Commander

Die YACHT-Redaktion testete den neuesten Film von Peter Weir

  • Mathias Müller
 • Publiziert am 27.11.2003

20th Century Fox

Wenn Filme mit seglerischem Hintergrund im Kino gezeigt werden, rennen alle Wassersportler wie auf Kommando in das nächste Lichtspielhaus. So auch die Mitglieder der YACHT-Redaktion beim Film "Master and Commander". Das Urteil: so lala.

Mit großen Erwartungen hatten Gestern Abend sowohl Redakteure als auch Grafiker und IT-Mitarbeiter der YACHT-Redaktion das Cinemaxx in Hamburg besucht. Schließlich sollten in dem neuen Film von Regisseur Peter Weir ("Truman Show", "Club der toten Dichter") tolle Segelszenen zu sehen sein.

Nun ja, es waren Segelszenen zu sehen. Die meisten davon am Computer generiert, was zumindest verhinderte, dass bei schneller Fahrt der Schiffe die Segel back standen. Segelenthusiasten, die auf derlei Feinheiten bei einem Hollywood-Film achten, werden dahingehend keine großen Fehler in dem Film finden. Höchstens in einer Szene, als die englische Fregatte, mit der Kapitän Aubrey (wie immer sehr gut Oscarpreisträger Russell Crowe, "Gladiator", "A beautiful mind") ein französisches Kriegsschiff verfolgt, vor Kap Hoorn in einen Sturm gerät. Da zappeln die Segel nur aufgeregt, wo sie eher wie verrückt schlagen sollten. Ansonsten ist aus fachlicher Sicht nichts zu beanstanden.

Im Gegenteil: Als Aubreys Schiff, die "H.M.S. Surprise", ein Stück des Großmastes verliert und dieser, durch die Takelage mit dem Schiff noch verbunden, es bremst, sodass es sich gefährlich weit auf die Seite neigt, sieht das äußerst realistisch aus (all diese Szenen sind am Computer entstanden!). Noch beeindruckender ist, als sich die Männer des Schiffes von dem Stück Mast befreien und sich die "H.M.S. Surprise" danach aufrichtet und davonprescht wie ein gefangenes Tier, dem es gelungen ist, sich aus einer Falle zu befreien. Tolle Bilder!

Dennoch, unsere Redaktion war sich bis auf eine Gegenstimme einig, dass man sich diesen Film auch hätte sparen können. Nie hat er uns richtig gepackt. Und die paar Einstellungen, die dazu in der Lage gewesen wären, endeten schneller, als man gucken konnte. Hinzu kamen Szenen, auf welche der Regisseur gut hätte verzichten können. Wozu ein bedeutungsschwangerer Blick Aubreys zu einer brasilianischen Strandschönheit, wenn diese eh nie wieder auftaucht? Hätte Weir auf solche Nebensächlichkeiten verzichtet, hätte auch unser Kollege aus Buxtehude noch das Ende des Films erlebt. So musste er leider eine Viertelstunde vor Schluss zur letzten S-Bahn hetzen.

Fazit: Handwerklich sicher unanfechtbar, hat uns der Film dennoch in keiner Weise gefangen genommen. Wer tatsächlich ins Kino will, sollte sich lieber "Das Wunder von Bern" oder "Findet Nemo" anschauen. Hier gibt's zwar keine Segel, aber jede Menge Spaß und Gefühle.


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Themen: KinoMaster and CommanderPeter WeirRussell Crowe

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