Greta Thunberg transatlantik

"Ich werde den Frieden und die Ruhe des Ozeans vermissen"

Selbst Segelprofis wird das nur selten zugemutet: Direkt im Anschluss an zwei Wochen auf See stellte sich Greta Thunberg in New York der internationalen Presse

Tatjana Pokorny am 29.08.2019
Greta Thunberg transatlantik
Screenshot/Welt Nachrichtensender

Wie "Welt Live" zeigte: Greta Thunberg beendet ihre Transatlantik-Passage auf "Malizia" am Mittwochabend deutscher Zeit, begrüßt hier die Freiheitsstatue

Ihre ersten Schritte waren noch etwas wackelig, doch Minuten später schien Greta Thunberg bei der Pressekonferenz in Folge ihrer Ankunft in New York wieder ganz sie selbst zu sein. Flankiert von "Malizia"-Skipper Boris Herrmann und zwei jungen Klimaaktivistinnen aus New York, stellte sich die 16-jährige Schwedin kurz nach ihrer zweiwöchigen Transatlantik-Passage den Fragen der Journalisten vor Ort. Da hatte sie gerade eben den ersten Segeltörn ihres Lebens über den Atlantik hinter sich. Nicht an Bord eines gemütlichen Fahrtenbootes und schon gar nicht auf einem luxuriösen Kreuzfahrtschiff: Greta Thunberg, ihr Vater Svante und der Filmemacher Nathan Grossman haben den großen Teich im Wunsch nach emissionsloser Überfahrt auf der radikalen Rennyacht "Malizia" überquert, sich in die Hände der erfahrenen Co-Skipper Boris Herrmann und Pierre Casiraghi begeben. Deren Mission, die junge Schwedin und ihre Begleiter sicher von Plymouth nach New York zu bringen, ist nun vollbracht.

Greta Thunberg

Angekommen: Greta Thunberg in New York

Greta Thunberg transatlantik

Auf Kurs Zielhafen North Cove Marina: "Malizia" mit Greta Thunberg an Bord. Diese Bilder zeigte "Welt Live" am Mittwochabend in der Direktübertragung

Nahe der Freiheitsstatue erreichte Greta Thunberg an Bord der unter deutscher Flagge segelnden "Malizia" am späten Mittwochabend deutscher Zeit ihren Zielhafen, die North Cove Marina in Manhattan, jener berühmten Insel an der Mündung des Hudson Rivers. Von den TV-Sendern ntv und N24 live übertragen, zog sich "Malizias" Eintreffen im Zielhafen in den flauen Winden am Ende etwas länger hin als erhofft. Doch dann war es am späteren Mittwochabend deutscher Zeit so weit: die zierliche junge Frau stieg von "Malizia" hinab aufs Dock, schwankte kurz ein wenig, wie es bei fast allen Menschen üblich ist, die nach zweiwöchiger Seereise wieder festen Boden unter den Füßen haben, und stapfte dann beherzt mit ihrem berühmten "Skolstrejk"-Schild unter dem Arm direkt zur Pressekonferenz mit den wartenden Journalisten aus aller Welt. Eine solche Spontanleistung wird in der Regel auch mit allen Wassern gewaschenen Segelprofis nur selten zugemutet. Greta Thunberg aber stellte sich den Fragen mit atlantikfrischer Gesichtsfarbe und aufmerksam wie üblich.

Greta Thunberg

Bereit für ihre amerikanische Mission: Greta Thunberg kurz vor Einlaufen in den Zielhafen

Wie der Welt-Nachrichtensender über die Ankunft der schwedischen Klimaaktivistin in Amerika berichtete

Greta Thunbergs Transatlantik-Passage

Hatte Spaß am Segeln und denkt sogar schon über weitere Törns auf ihrer Amerika-Reise nach: Segel-Novizin Greta Thunberg

Während sich die wenig segelerfahrenen übertragenden Sender ohne co-kommentierende Experten den einen oder anderen inhaltlichen und mitunter auch heiteren Schnitzer leisteten, blieb die junge Schwedin souverän. Auf die Frage nach ihren intensivsten Erfahrungen und Erinnerungen an diesen Törn sagte sie: "Am meisten werde ich den Frieden und die Ruhe des Ozeans vermissen." Dass sie nun wieder im Rampenlicht der Öffentlichkeit steht und in ihrer Mission für das Weltklima fortsetzen will, machte Thunberg deutlich. Symbolträchtig begrüßte sie die Freiheitsstatue mit brennender Fackel in der Hand. So ist es unter Seglern üblich, wenn sie eine wichtige Ziellinie erreichen. Was ihre Kritiker umgehend dazu veranlasste, hier einen minimalen Feinstaubausstoß zu konstatieren. Thunberg tat es trotzdem.

Der Zeitung "Dagens Nyheter" sagte die Segel-Novizin, die ihre außergewöhnliche Feuertaufe bravourös und glücklich ohne Seekrankheit absolviert hat, schon vor der Ankunft: "Vor dieser Reise wollte ich mir gar nichts vorstellen. Es hätte ja eine anstrengende Reise werden können. Aber es ist eine positive Überraschung geworden. Ich bin nicht ein einziges Mal seekrank geworden. Es war einfach schön, hinaus aufs Meer zu kommen und man selbst zu sein, abgekoppelt von allem und allen. Einfach nur das Meer. Ich konnte stundenlang dasitzen und schauen." Genossen hat sie insbesondere den Anblick von begleitenden Delphinen.

Greta Thunberg

Die zwei Wochen auf See sieht man ihnen ebenso an wie die Freude über die Ankunft: "Malizia"-Skipper Boris Herrmann, Co-Skipper Pierre Casiraghi, Svante Thunberg, Greta Thunberg und Filmemacher Nathan Grossman (v.l.)

Greta Thunberg transatlantik

Die Verantwortung war groß, doch Boris Herrmann (Bild) und sein Co-Skipper Pierre Casiraghi meisterten sie mit Bravour

Für Boris Herrmann und Pierre Casiraghi fand mit dem Ende des Törns im Fokus der Weltöffentlichkeit eine hochverantwortungsvolle Aufgabe ein glückliches Ende. Boris Herrmann sagte zum Abschluss: "Wir waren eine hervorragende Mannschaft. Wir haben alle elektrische Energie als Sonnen- und Windenergie produziert. Wir mussten dafür keinen Sprit verbrennen. Ich darf Greta beglückwünschen. Nur wenige Menschen hätten geschafft, was sie geschafft hat. Greta, wir sind stolz auf dich und wünschen dir alles Gute für deine Reise durch Nord- und Südamerika." Für Herrmann selbst steht schon in der zweiten Septemberwoche das nächste Training in Frankreich auf dem Programm. Denn seine große Mission ist die Teilnahme an der Vendée Globe.

Greta Thunberg transatlantik

Glücklich nach der gemeisterten Transatlantik-Passsage: Greta Thunbergs Vater Svante

Thunberg wird sich bis Freitag dieser Woche an einem nicht bekannt gegebenen Ort von den Strapazen der Seereise erholen und dann ihre Wegbegleiter beim Schulstreik vor dem Gebäude der Vereinten Nationen in New York unterstützen – es ist das Vorspiel für ihren Auftritt beim UN-Klimagipfel am 23. September und der Auftakt zu einer amerikanischen Mission, die mit einem denkwürdigen Segeltörn von der alten in die neue Welt begonnen hat, den alle Beteiligten so schnell nicht vergessen werden.

Tatjana Pokorny am 29.08.2019

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