Wetter
„Ich muss Sie leider enttäuschen"

Segler leiden extrem unter sibirischer Kälte. Sie verhindert auch über Ostern die üblichen Arbeiten. Das Schlimmste: Es wird nicht besser

  • Uwe Janßen
 • Publiziert am 28.03.2013

Sea Help Gefrorene Gischt verwandelte dieses Tor am Hafen in ein beinahe märchenhaft anmutendes Eiskunstwerk

Es ist zu kalt. Rekordkalt sogar – vielerorts lagen die Temperaturen im März noch nie so niedrig, seit es solche Statistiken gibt. Viel zu kalt ist es auch für die üblichen Arbeiten am Schiff. Manches Material ist bei den Bedingungen nicht zu verarbeiten, Kran- und Sliptermine wurden häufig schon verlegt. Auch Ostern fällt für die üblichen Arbeiten weitgehend aus. Claudia Wersing, regelmäßigen Besuchern von YACHT-TV bekannt als Seewetter-Expertin, ist Diplom-Meteorologin in Diensten des Kieler Spezialdienstleisters Wetterwelt. Sie hat auch für die nähere Zukunft keine guten Nachrichten.

privat Seewetter-Expertin Claudia Wersing

YACHT: Frau Wersing, Ostern ist für viele die Gelegenheit, ihr Schiff saisonklar zu machen. Aber es ist zu kalt zum Malen, Laminieren und Lackieren, und andere Arbeiten am Schiff sind zumindest extrem unangenehm. Bitte: Geben Sie uns Hoffnung!

Wersing: Da muss ich Sie leider enttäuschen. In den nächsten Tagen wird es einen ganz, ganz leichten Aufwärtstrend bei den Temperaturen geben, auf 4, 5, vielleicht 6 Grad. Aber eine durchgreifende Milderung ist nicht in Sicht. Von frühlingshaften Verhältnissen ganz zu schweigen.

Wenn schon Faserpelz erforderlich ist – können wir wenigstens auf Ölzeug verzichten?

Es wird Niederschläge geben, aber als Schnee. Wir erwarten am Freitag und Samstag leichtere Schneefälle im Norden, am Sonntag und Montag stärkere im Osten und der Mitte Deutschlands.

Und nach Ostern? Geht es wenigstens dann bergauf?

Unsere Modelle, die 10 bis 14 Tage in die Zukunft reichen, geben wenig Anlass zur Hoffnung. Nach ihren Berechnungen wird sich im Lauf der nächsten Woche wieder die gleiche Wetterlage einstellen, wie wir sie mit dem Hoch über Skandinavien und Osteuropa in den letzten Tagen und Wochen erlebt haben: kaum Schnee zwar, aber eiskalter Ostwind. Es ist erstaunlich, wie lange sich diese Lage schon hält, und auch ungewöhnlich, dass sie sich nach Ostern nun schon zum vierten Mal wiederholen wird.

Heißt: Malen, Maststellen oder Kranen ist auch am Wochenende darauf kein Vergnügen, wenn nicht unmöglich?

Ich fürchte, so wird es kommen. In ganz Deutschland erwarten wir auch in der Woche und am nächsten Wochenende keine Temperaturen über 10° Celsius, dazu gibt es nachts immer noch Frost.

"Fürchte nicht den Schnee im März, darunter wohnt ein warmes Herz", lautet eine Bauernregel. Werden die Segler also wenigstens mit einem tollen Frühjahr und einem herrlichen Sommer für die anhaltende Eiszeit entschädigt?

Für Bauernregeln gibt es nur eine Regel: Mal stimmen sie, mal nicht. Mehr kann ich als Meteorologin dazu nicht sagen. Wie die nächsten Monate werden, lässt sich aus dem Wettergeschehen dieser Wochen überhaupt nicht ableiten.


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Themen: WersingWetterWinter

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