Jan Hamester

"Ich habe geheult wie ein Schlosshund"

Die Weltumsegelung des Hamburgers ist endgültig gescheitert. Nach seiner Genesung soll das Boot rücküberführt werden

Lars Bolle am 13.01.2017
Jan Hamester
Jan Hamester

Die Weltumsegelung ist gescheitert

Die Weltumsegelung des Hamburgers Jan Hamester ist endgültig zu Ende. Mit dem Anlaufen eines Hafens an der brasilianischen Küste war es schon kein Nonstop-Versuch mehr. Doch auch das Weitersegeln ohne dieses Prädikat ist nicht mehr möglich.

"Ich komme frühestens Ende Februar, Anfang März hier los", sagte Hamester heute gegenüber YACHT online. "Dann würde ich auf dem Rückweg in die Hurrikan-Saison geraten und wäre sowieso zu spät dran. Denn ab 1. Mai beginnt wieder die Saison auf der Elbe und damit die Arbeit."

Wegen einer Entzündung im Bein hatte er über zwei Wochen vor der Inselgruppe Fernando de Noronha gelegen, war dann am 5. Januar wieder aufgebrochen mit direktem Kurs auf den brasilianischen Hafen João Pessoa. Zunächst hatte Hamester noch von einer Fortsetzung seiner Weltumsegelung berichtet, zwei Tage später änderte er seine Pläne. Ein gelockertes Zwischenwant habe ihn zur Aufgabe gezwungen.

Der Moment der Entscheidung sei hart gewesen: "Ich habe dauernd an meine Freundin Mirjam gemailt, dass es ein Gesichtsverlust sei, dass ich mir die Kugel gebe, dass ich so ja nicht mehr nach Deutschland zurückkönne." Letztlich habe ihm aber das Zwischenwant keine Wahl gelassen. "Der Mast war schon gefährlich durchgebogen."
Offenbar hatte Hamester er damit sogar Glück. "Das Antibiotikum und Ibuprofen, das ich die ganze Zeit vor Fernando de Noronha einnahm, hatten dazu geführt, dass die Schwellung zwar zurückging und sich Schorf über der Wunde bildete. Darunter fraß sich die Entzündung aber bis auf den Knochen durch."

Er habe gar nicht realisiert, wie schlimm sein Gesundheitszustand sei. "Erst als ich merkte, dass ich nicht in den Mast komme, um das Zwischenwant zu reparieren und dass mir nichts anderes übrig bleibt, als Brasilien anzulaufen, um das zu reparieren, kamen auch die Schmerzen durch. Sonst wäre ich weitergesegelt und hätte wohl mein Bein verloren."

Hamester wurde vor zwei Tagen am entzündeten Bein operiert. "Der Arzt hat mir hinterher gesagt, dass er vorher nicht sicher war, ob das Bein zu retten sei." Ob durch die dabei verabreichten Medikamente verursacht oder weil ihm erst jetzt die ganze Situation bewusst wurde, erlitt er einen Zusammenbruch. "Ich habe geheult wie ein Schlosshund. Alles, vom hektischen Aufbruch bis zum Aus, kam noch einmal hoch." Letztlich sei die Aufgabe aber eine Erleichterung gewesen. "Es war nur noch ein Kampf gegen die Schmerzen."

Den Vorwurf, durch fehlende Antibiotika an Bord die Entzündung erst ermöglicht und damit die Aufgabe selbst verschuldet zu haben, will Hamester nicht gelten lassen. "Laut Packliste sollte das Breitbandantibiotikum Amoxicillin im Medizinkasten sein, ich habe es aber bis zuletzt nicht gefunden." Kurz vor Fernando de Noronha hatte er dieses Antibiotikum von einem türkischen Frachter übernommen. "Wie sich zeigte, hatte es auf diesen aggressiven Keim aber nicht wirklich angeschlagen, ich werde jetzt mit einem speziellen Antibiotikum behandelt. Wenn ich es also an Bord gefunden und auch gleich eingenommen hätte, hätte es wahrscheinlich auch nichts genützt."

Oberstes Ziel sei nun die Genesung. Danach will er das Boot an die Elbe rücküberführen, die genaue Route stehe noch nicht fest, richte sich nach dem Wetter.

Nach dem Tiefschlag blickt Hamester aber schon wieder nach vorn. Einen erneuten Rekordversuch kann er sich durchaus vorstellen. "Aber nie mehr würde ich ohne Sponsor lossegeln, das war auch finanziell alles zu knapp." Seinen Class 40 hält er nach wie vor für ein geeignetes Boot, würde aber Veränderungen vornehmen. "Nie mehr  ohne Watermaker, es war schon extrem nervig, trotz Hitze das Wasser rationieren zu müssen. Auch würde ich das Kabinendach nach achtern verlängern, um mehr Schutz vor Wasser und der Sonne zu haben."

Der Respekt vor dem Unternehmen Weltumsegelung ist nach diesem Versuch bei Hamester offenbar deutlich gewachsen. "Die Welt ist zu groß, die Zeit zu lang. Und einhand ist es viel anstrengender, als ich dachte. Unglaublich, dass Erdmann das über 300 Tage lang ausgehalten hat." Ein schnelleres Boot sei deshalb sein Wunsch, ein Open 60, Katamaran oder Tri, sodass er mit Geschwindigkeiten "wie Cammas oder 'Idec'" um die Welt segeln könne. Aber mit seinem Class 40 ginge es auch – ein Widerspruch, wie so oft bei Jan Hamester.

Lesetipp: Die Journalistin und Seglerin Nicole Buchmann, vorgestellt in YACHT 14/2015, berichtet in ihrem Blog von einem Treffen mit Jan Hamester in Brasilien.

Lars Bolle am 13.01.2017

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