Longue Route 2018

Huber-Curphey in Moitessiers Kielwasser

Voriges Jahr hat sie die Nordwestpassage als erste Frau solo bezwungen. Nun hat sie erneut Großes vor: Susanne Huber-Curphey hat zur Longue Route 2018 gemeldet

Pascal Schürmann am 02.05.2018
Susanne Huber-Curphey
Foto: Dr. Guido Marxx; © Susanne Huber-Curphey

Susanne Huber-Curphey auf ihrer "Nehaj"

In den vergangenen Jahren hat sie Zigtausende Seemeilen einhand zurückgelegt. Vergangenen Sommer durchquerte sie gar mit der von ihr selbst ausgebauten Aluyacht "Nehaj" die Nordwestpassage. Für diese Leistung wurde Susanne Huber-Curphey unter anderem mit dem Trans-Ocean-Preis geehrt, der höchsten Auszeichnung, die die deutsche Langfahrtsegler-Vereinigung Trans-Ocean zu vergeben hat. Vom Ocean Cruising Club, der Vereinigung britischer Langfahrtsegler, erhielt sie den Barton Cup.

Jetzt wurde bekannt: Huber-Curphey will erneut um die Welt segeln. Wieder einhand, dieses Mal allerdings nonstop. Und das im Kielwasser von Bernard Moitessier. Dem französischen Segelheld, der vor 50 Jahren an der legendären Golden Globe Challenge teilnahm, dann aber auf den fast sicheren Sieg verzichtete und stattdessen Kurs auf die Südsee nahm, ist in diesem Jahr die "Longue Route" gewidmet.

Gegenveranstaltung zum kommerziell ausgerichteten Golden Globe

Diese Gegenveranstaltung zum parallel stattfindenden, aber deutlich kommerzieller ausgerichteten Golden Globe Race 2018 war vom Franzosen Guy Bernardin initiiert worden. Der mehrfache Weltumsegler hatte Segler dazu aufgerufen, im Geiste Moitessiers dessen Kielwasser von einst zu folgen. Bernardin selbst wollte ebenfalls mitmachen, er kam jedoch vergangenen Sommer bei der Überführung seines Bootes auf dem Atlantik ums Leben.

Bei der Longue Route, die ausdrücklich kein Rennen ist, bleibt also jedem Teilnehmer selbst überlassen, wie er die Reise angeht. Den Seglern steht beispielsweise frei, ob sie auf moderne Kommunikations- und Navigationselektronik verzichten, ob sie sich ihre Reise sponsern lassen oder auch, mit was für einem Boot sie segeln.

Einzige Bedingungen der Longue Route: Die Boote dürfen nicht länger als 52 Fuß sein, und der Törn muss irgendwann zwischen dem 18. Juni und dem 30. September von einem Hafen auf der Nordhalbkugel aus erfolgen (in Europa mindestens nördlich von 45 Grad, in Amerika mindestens nördlich von 41 Grad).

Huber-Curphey hat den Veranstaltern zufolge angekündigt, von der Küste des US-Bundesstaates Maine aus zu starten. Sie hatte nach vollendeter Nordwestpassage ihre Yacht ins Winterlager nach Neuschottland/Kanada gebracht.

Mehrfach ausgezeichnete Törns

Die Mittfünfzigerin aus Ingolstadt ist bereits mehrmals um die Welt gesegelt. Als sie Anfang der neunziger Jahre auf ihrer damaligen neun Meter langen Ketsch über die Ozeane tingelte, lernte sie in Neuseeland den britischen Einhandsegler Tony Curphey kennen und lieben. Nach ihrer Hochzeit auf den Salomonen-Inseln beendeten sie ihre Einhandtörns und entschieden sich in der Karibik für die Rhodes 41 "So Long", um fortan gemeinsam segeln zu können.

Schnell fanden sie jedoch heraus, dass beiden das Einhandsegeln fehlen würde – und gingen kurzerhand mit zwei Schiffen auf parallelen Kurs. Die Route führte das Paar über Südamerika und Kapstadt ostwärts nach Australien. Auf dem Weg nach Neuseeland brach Tony auf seiner acht Meter langen "Galenaia" das Ruder.

Kurzerhand nahm die Ehefrau ihn in Schlepp zum nächsten Hafen, über 650 Seemeilen durch den Southern Ocean! 2008 wurde ihr für diese ausgezeichnete Seemannschaft die Rod Stephens Trophy verliehen. Die Reise führte die beiden weiter über Alaska und Nordwestamerika zum Panamakanal, dann nonstop nach Bermuda. Im Sommer 2011 erreichte Huber-Curphey nach einer weiteren Nonstop-Fahrt Griechenland.

In den vergangenen Jahren war Huber-Curphey nun mit ihrer "Nehaj" unterwegs und durchquerte im Sommer 2017, wie auch Heide und Erich Wilts, die Nordwestpassage von West nach Ost. Ihre Meldung zur Longue Route war zunächst auf ihren persönlichen Wunsch hin anonym erfolgt. Dies hatte unter den anderen derzeit zwei Dutzend Teilnehmern zeitweise für wilde Spekulationen gesorgt. Am Wochenende nun gab Organisationsleiter Olivier Merbau ihren Namen bekannt.

Zwei Deutsche bei der Longue Route dabei

Huber-Curphey ist die Zweite aus Deutschland, die die Longue Route 2018 segeln will. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Düsseldorfer Georg Schimmelpfennig seine Teilnahme bekannt gegeben. Er wird die Weltumsegelung mit seiner "Hekla", einer Aluyacht vom Typ Cumulant 38, Mitte August von Bremerhaven aus angehen (Porträt in YACHT 13/2017).

Pascal Schürmann am 02.05.2018

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