Nordwestpassage

Hochspannung an der Eisgrenze

Es geht in die kritische Phase: Die Wilts und Yvan Bourgnon warten im Norden Kanadas auf ihre Chance – nun entscheidet sich, ob ihr großes Abenteuer gelingt

Uwe Janßen am 16.08.2017
Freydis, Nordwestpassage
E. Wilts

„Fahren Slalom durchs Eis. Wahnsinnig spannend. Hoffen, dass wir im Laufe des Tages noch durch die Bellotstraße gelangen.“ Mit dieser Notiz hat sich Erich Wilts am heutigen Morgen aus der Nordwestpassage gemeldet. Der Skipper der „Freydis“ steht vor den entscheidenden Tagen des Projekts.

Freydis, Nordwestpassage

Die Nordwestpassage mit den Positionen von Wilts (Bellotstraße) und Bourgnon (Taloyoak)

Über 3300 Meilen in zweieinhalb Monaten hat allein die Reise vom Ausgangspunkt Nome im Westen nach Cambridge Bay gedauert. Und sie war doch nicht mehr als ein Vorgeplänkel vor den Tagen, die nun über das Gelingen des Törns entscheiden. „Wenn Nome das ,Basislager‘ war, von dem aus alle Yachten starten, die von West nach Ost durch die NWP wollen, so kann man Cambridge Bay als das ,letzte Lager unter dem Gipfel‘ bezeichnen“, berichtete Wilts von dort. Nach einem Crewwechsel steht also nun dieser Gipfel bevor.

Die Eislage war auf dem Weg zur Bellotstraße zuweilen kritisch, Versuche bestimmter Passagen mussten abgebrochen und Tage später wiederholt werden. Tatsächlich blieb manchmal nur ein sehr kleines Zeitfenster, in dem das Vorankommen unbedingt gelingen musste, sonst wäre die Reise in dieser Saison nicht mehr zu schaffen gewesen, und in den Berichten von Bord schwang da gelegentlich schon Zweifel mit: „Unter diesen Bedingungen haben wir nicht die Spur einer Chance, einen Weg durch das Eis zu finden.“  

Dabei stehen die schwierigsten Prüfungen, was die Eisverhältnisse angeht, noch bevor. Die Crew der „Freydis“ gibt sich nun aber zuversichtlich, zumal sie gerade die ersten zwei Yachten gesichtet hat, die in Gegenrichtung durch die Nordwestpassage unterwegs sind.

Freydis, Nordwestpassage

Mit dem offenen Sechs-Meter-Kat im Eis: Yvan Bourgnon, der unfassbare Schweizer 

Zu einem anderen allerdings ist der Kontakt verloren gegangen. Yvan Bourgnon, der unfassbare Schweizer, ist ebenfalls von Nome aus gestartet – mit dem offenen Sportkatamaran, mit dem er bereits um die Welt gesegelt war (YACHT 14/2015, ein Video von dieser unglaublichen Fahrt sehen Sie hier bei YACHT tv).

Auf dem Weg nach Cambridge Bay segelten die Freydis und Bourgnons Sechs-Meter-Winzling zeitweilig Seite an Seite, aber dann verloren sie sich aus den Augen. Bourgnon wartet nach YACHT-Informationen derzeit im nordkanadischen Taloyoak auf Eisverhältnisse, die ihm die Weiterfahrt ermöglichen.

Erich Wilts hat sich bereits weiter nach Norden gemogelt, und trotz mancher Widrigkeiten schreibt er: „Die Stimmung an Bord ist prächtig.“ Weitere Eindrücke von unterwegs schildert die „Freydis“-Crew auf ihrem Blog

Uwe Janßen am 16.08.2017

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