Regatta

Historisches Rennen wird nachgesegelt

Das Golden Globe Race 1968 ging in die Geschichte ein. Der Abenteurer Don McIntyre hat zum 50-Jahre-Jubiläum eine Wiederholung ausgerufen

Johannes Erdmann am 07.04.2015

"Suhaili", zu diesem Zeitpunkt bereits schwer beschädigt, auf den letzten Meilen ins Ziel

Es war eine goldene Ära. Der britische Einhandsegler Francis Chichester hatte gerade im Jahr zuvor die Welt mit nur einem Stopp umrundet, und es gab eigentlich nur noch eine größere Herausforderung: Die Welt nonstop zu umsegeln. Einmal um die Welt, ohne einen Hafen anzulaufen, vorbei an den drei großen Kaps. Eine Leistung, auf die die britische Zeitung "Sunday Times" im Jahr 1968 ein Preisgeld von 5000 Pfund ausschrieb. Damit hatte ein Rennen begonnen: das Golden Globe Race.

Insgesamt acht Männer fanden sich, die zwischen dem 1. Juni und dem 31. Oktober 1968 von England und Frankreich aus aufbrachen. Längst nicht alle von ihnen waren erfahrene Hochseesegler. Chay Blyth beispielsweise verfügte gar über keine Segelerfahrung. Auf dem Weg durch den Atlantik nach Süden geriet er in einen schweren Sturm und las sich die nächsten Maßnahmen in der Schiffsführung aus einem Segelbuch an, was er später als "Hölle mit Betriebsanleitung" beschrieb.

Ein anderer, Donald Crowhurst, versetzte Haus und Hof, um an dem Rennen teilzunehmen und segelte mit einem für damalige Verhältnisse radikalen Neubau los. Auf dem Weg in den Süden merkte er allerdings, dass sein Sperrholztrimaran den Wetterverhältnissen des Southern Ocean nicht standhalten würde. Also sendete er falsche Positionsmeldungen und fuhr Kreise im Südatlantik.

Der Franzose Bernard Moitessier lag das ganze Rennen über vorn, verzichtete jedoch nach der Rundung Kap Hoorns auf Ruhm und Rekord und segelte geradeaus weiter nach Tahiti, um "seine Seele zu retten". Der Brite Robin Knox-Johnston, dem keiner große Siegeschancen zugerechnet hätte, siegte schließlich mit "Suhaili", seinem zehn Meter langen Langkieler nach Colin-Archer-Art. 

Das Logo des Golden Globe Race 2018

Das Logo des Golden Globe Race 2018

Das legendäre Rennen jährt sich im Sommer 2018 zum 50. Mal. Der australische Abenteurer Don McIntyre hat sich für dieses Jubiläum etwas ganz besonderes ausgedacht: Er möchte eine zweite Auflage des Golden Globe Race veranstalten.

"Es werden nur 20 Teilnehmer zugelassen", sagt er, "und obwohl ich erst wenigen Leuten von dem Rennen erzählt habe, gibt es schon einige ernsthafte Interessenten." Vermutlich werden es noch mehr werden, wenn McIntyre am 22. April die Eckpunkte veröffentlicht. Schon jetzt sind aber einige Punkte bekannt:

Das Rennen startet am 14. Juni 2018 von Falmouth, also genau im Kielwasser von Robin Knox-Johnston, der dort am 14. Juni 1968 die Segel gesetzt hat und das Rennen darüber hinaus als Schirmherr unterstützt. Dementsprechend werden auch keine modernen Schiffe zugelassen. "Es soll ein Retro-Rennen werden", sagt McIntyre, "mit Technologie aus der Zeit des ersten Rennens im Jahr 1968. Die Teilnehmer sollen die Reise Knox-Johnstons um die Welt in den gleichen Booten mit dergleichen Technik nachempfinden." Erlaubt sind nur Serienboote mit denselben Abmessungen wie "Suhaili", einer Länge über alles von 32 bis 36 Fuß und einem Designjahr vor 1988, und Langkieler, deren Ruder am Rumpf befestigt ist, mit einem Mindestgewicht von 6,5 Tonnen. Darunter fallen Typen wie die Cape Dory 36, Rustler 36, Tradewind 35, Westsail 32, Biscay 36, Aries 32 und Bowman 36.

Die Riggs dürfen nicht verändert werden, die Segel müssen aus Dacron sein. "Retro" heißt vielmehr: Kein elektrischer Autopilot, keine Elektronik an Bord oder gar Satellitentelefone. Nur ein Sextant und ein Chronometer. Auch keine modernen Filmkameras, sondern nur Kameras aus den sechziger Jahren. 

Das Rennen wird also eine seglerische wie körperliche und psychische Herausforderung, genau wie das Original. "Diese Retro-Herausforderung ist pur, real und unvergleichlich, genau wie damals im goldenen Zeitalter des Einhandsegelns", sagt Don McIntyre. 

Die genauen Details werden am 22. April auf www.goldengloberace.com bekanntgegeben.

Johannes Erdmann am 07.04.2015

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