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Hinter den Kulissen

Wie Politik und Verbände Segler-Interessen verraten

  • Uwe Janßen
 • Publiziert am 16.04.2007

Die Pläne der Bundesregierung für weitere Verschärfungen und Regulierungsmaßnahmen im Wassersport stoßen auf massiven Widerstand.

In einer Großen Koalition der besonderen Art wehrt sich die Szene gemeinsam: Sowohl Segler und Clubs als auch die Wassersportwirtschaft lehnen die Vorschläge ab, die derzeit im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung zur Diskussion stehen. Auch der Deutsche Segler-Verband (DSV) erklärt: „Der Segelsport ist gegen neue Reglementierungen!”

So klar war die Position des DSV noch vor kurzem nicht. Wie die YACHT in ihrer am Mittwoch erscheinenden Ausgabe berichtet, haben DSV-Abgesandte auf den vorangegangenen Fachtagungen sehr wohl an den jetzigen Regulierungsplänen mitgewirkt. Im Gespräch sind unter anderem die Einführung von Kennzeichen für Yachten auf Seeschifffahrtsstraßen, verbunden mit einer einhergehenden Registrierung, außerdem eine weitreichende zusätzliche Ausrüstungspflicht sowie „die Begrenzung des Sportbootführerscheins See auf zu bestimmende Gewässer”. Durch jede dieser Maßnahmen flössen dem DSV Millionen Euro zu. Der Verband ist mit der Erteilung der erforderlichen Lizenzen und Führerscheine betraut, auch die diskutierte kostenpflichtige Registrierung von Schiffs- und Eignerdaten soll, wenn sie den kommt, angeblich unter Verbandshoheit fallen.

Der YACHT liegen Zeugenaussagen vor, die belegen, dass der DSV-Delegierte bei Beschlussfassung auf einer maßgeblichen Konferenz nicht gegen die Begrenzung der Führerschein-Gültigkeit gestimmt hat. Fachleute erwarten bei Umsetzung dieses Plans, dass für die übrigen Reviere ein zusätzlicher Führerschein erforderlich würde. Den dann wiederum der DSV zu erteilen hätte.

Karin Roth (SPD), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium, bestätigt in der YACHT, dass all diese Vorhaben derzeit „geprüft“ werden. Zur drohenden Kennzeichnungspflicht sagt sie, mehrere Organisationen, darunter der DSV, hätten das Ministerium um Prüfung dieses Vorhabens „gebeten”. Damit widerspricht sie der Darstellung der Verbandsführung. Vizepräsident Uwe Jahnke etwa sagt: „Wir sind gegen neue Ausrüstungs- und Registrierungspflichten und gegen Verschärfungen der Führerscheinbestimmungen.“ Hinter den Kulissen haben DSV-Repräsentanten offenbar anders agiert.

Der Widerstand der Segler, Vereine und Branchenfirmen zeigt Wirkung. Die Entscheidung über einen Antrag der FDP zu dem Thema ist in der Sitzungswoche in Berlin Ende März vertagt worden. Außerdem haben die CDU/CSU-Abgeordneten aus den Küstenländern einen eigenen Antrag zu diesem Thema noch für den April angekündigt. Für eine abschließende Entscheidung gibt es nach Aussage von Karin Roth „noch keinen Termin“. Deshalb scheint ein Erfolg der YACHT-Protestaktion durchaus nicht utopisch.


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Themen: agendabundesregierungDSVgrausamkeit

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