Langstrecken-Regatta

Heute Abend startet in Nykøbing das Vegvisir Race

Zwölf Yachten, so viele wie bei der Silverrudder-Premiere, machen sich auf den tückischen Kurs – wiederholt sich der sagenhafte Erfolg des Jedermann-Rennens?

Jochen Rieker am 22.06.2017
Vegvisir Archipelago Race 2017
YACHT/J. Rieker

Plakatiert wie ein Groß-Event: Die Region Guldborgsund steht voll hinter der Jedermann-Regatta

Wer in diesen Tagen mit dem Auto in die gemütliche Kleinstadt Nykøbing Falster am Guldburgsund kommt, wird an allen Ecken und Enden erinnert, dass heute Abend hier erstmals das Vegvisir Archipelago Race stattfindet. Auf elektronischen Billboards und mit Plakaten bewirbt die Region flächendeckend das Rennen, das Silverrudder-Erfinder Morten Brandt-Rasmussen ausgeheckt hat. Die mediale Begleitmusik wirkt, als ginge es um einen Klassiker wie das Rolex Fastnet.

Die meisten Teilnehmer, die auf eigenem Kiel angereist sind, werden von der Kampagne nichts mitbekommen. Zum einen, weil es im Stadthafen noch sehr ruhig zugeht. Zum anderen, weil sie genug mit letzten Vorbereitungen zu tun haben. Alexander Lohmann aus Cuxhaven, der mit einer Elan E1 an den Start geht, schmiert am späten Vormittag ein Dutzend Stullen für die lange Nacht, die ansteht. Am Morgen war er noch einkaufen. "Ich habe aus Gewichtsgründen extra nur dreilagiges Toilettenpapier genommen", scherzt er.

Vegvisir Archipelago Race 2017

Letzte, nicht ganz ernst gemeinte Vorbereitungen vor dem Start: Alexander Lohmann und seine gewichtsoptimierte Drei-Lagen-Rolle

Dabei wird es auf ein paar Gramm hier und ein paar Kilo da kaum ankommen. Der Wetterbericht verspricht nach einem handigen Start mit achterlichem Wind und dem Durchgang einer Gewitterfront eine frische westliche Brise. Freitag früh soll es stetig zulegen, mit bis zu 7 Beaufort in Böen bis in den Sonnabend hinein.

Die Erstauflage des Vegvisir (Dänisch für "Wegweiser") wird also absehbar eine sportliche Herausforderung. Die Kurse fordern den Zweihand-Teams aber auch navigatorisch einiges ab.

Grundsätzlich können die Teilnehmer zwischen zwei Varianten wählen: Die eine führt ostwärts durch das Smalands-Fahrwasser bis Møns Klint über 165 Seemeilen, die andere nach Nordwest ist 235 Seemeilen lang. Beide eint, dass sie zum überwiegenden Teil durch extreme Flachwasserbereiche führen – gespickt mit mehreren "Schikanen" in Form von Inselrundungen und Passagen mit starker Strömung, die durch den Westwind teils noch verstärkt wird. Eine eigentlich unmögliche Route, die kein Freizeitskipper je freiwillig wählen würde.

Dass die Crews die Kursrichtung selbst bestimmen können und auch zwischendurch eine taktische Option haben, macht die Navigation keinesfalls einfacher. Denn schon 30-Grad-Winddrehungen zur vorhergesagten Richtung können alle Vorab-Planung obsolet machen.
 
Von den ursprünglich 15 gemeldeten Zweihand-Teams waren am Morgen erst acht in Nykøbing. Wettfahrtleiter Jørgen Bojesen rechnet mit zwölf Booten an der Linie. Um 19 Uhr geht es los. Interessenten können das Rennen über Facebook und die Tracker-App TracTrac verfolgen. YACHT online berichtet am Montag ausführlich über die Vegvisir-Premiere.

Jochen Rieker am 22.06.2017

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