Vegvisir Archipelago Race

Herbstwetter zur Mittsommernacht fordert Vegvisir-Pioniere

Harte Prüfung bei der Premiere der Zweihand-Langstreckenregatta von Nykøbing: nach flauem Start viel Wind, viel Welle und reichlich Anspannung bei der Kurswahl

Jochen Rieker am 27.06.2017
Vegvisir 2017 – Start im Guldborgsund
Vegvisir Race /Jan Sommer

Die meisten Zweier-Crews, die zum Start des Vegvisir Archipelago Race an den Guldborgsund gekommen waren, hatten sich die Wettfahrt anders ausgemalt – helle Nächte, lange Sonnenuntergänge, laues Wetter, handige Winde. "So jedenfalls nicht", sagte Jens Ellermann, der gemeinsam mit seinem Co-Skipper Jens Tschenscher am Samstagmorgen als Erster die Ziellinie querte. "Wir hatten uns auf Segeln in Shorts eingestellt."

Stattdessen servierte ihnen der Süden Dänemarks, was Wettfahrtleiter Jørgen Bojesen bei der Preisverleihung mit einem Augenzwinkern als "Southern Ocean der Ostsee" beschrieb: Gewitter, heftige Regenschauer mit Starkwind und in den offenen Passagen des Kurses bis zu zweieinhalb Meter Seegang. 

Die kleinen Boote, die auf der kürzeren Route nach Møns Klint gestartet waren, mussten angesichts der rauen Bedingungen aufgeben. "Wir lagen unter kleiner Fock minutenlang komplett auf der Seite", berichtete der Cuxhavener Alexander Lohmann, Eigner einer 21 Fuß langen Elan E1. Auch Peter Golz und Stephan Krüger liefen ab, nachdem ihre J 24 reichlich Wasser gemacht hatte.

Dabei war der Auftakt am Donnerstagabend äußerst verhalten. Als das Vegvisir Race um 19 Uhr startete, trieb das Feld nur langsam über die Linie. Dunkle Wolken am Horizont und Gewitterwarnungen der Meteorologen ließen allerdings schon einen Tempowechsel erahnen.

Der kam mitten in der Nacht, als die Boote Vejrø rundeten. Nach einem kurzen Flautenloch erhellten Blitze die gesamte Region Lolland-Falster. Wer nicht rechtzeitig die Augen schloss, war danach für mehrere Minuten nahezu blind. Mit dem Gewitter drehte der Wind von Südost auf Westsüdwest und frischte beträchtlich auf. Hinzu kam sintflutartiger Regen. Spätestens da war klar, dass es nichts werden würde mit dem Mittsommernachtstraum, auf den sich so viele gefreut hatten.

Denn kalt, grau, nass und windig sollte es von da an über weite Strecken bleiben. Dass der Kurs gespickt war mit navigatorischen Fallstricken in Form extensiver Flachs und enger Fahrwasser, machte die Sache nicht einfacher. Peter Bolvik und Henrik Bartholin aus Dänemark, die auf einer X-35 ihre Klasse gewannen, saßen bereits ein paar hundert Meter nach dem Start fest. Auch einige andere Crews zogen Furchen durch die Sunde. Statt eines Wachsystems gab es bei den Crews daher eigentlich nur ein Motto: alle Mann an Deck! 

Dank des frischen Windes, der in Böen bis zu 28 Knoten erreichte, wurde es eine zügige Regatta. Die "Bukh Bremen" von Jens Ellermann, eine Varianta 44, absolvierte den rund 235 Seemeilen langen Kurs in 33 Stunden und 40 Minuten – ein Durchschnitt von fast sieben Knoten. Auf die Frage, was ihr schönster Moment während des Vegvisir gewesen sei, sagte Co-Skipper Thomas Tschenscher: "Ich weiß nicht. Wir waren ja immer im Stress, da hast du keine Zeit zum Innehalten."

First Ship Home und Sieger in der großen Klasse: Jens Ellermann und Thomas Tschenscher von der "Bukh Bremen"

First Ship Home und Sieger in der großen Klasse: Jens Ellermann und Thomas Tschenscher von der "Bukh Bremen" 

Die blieb der Crew dann anschließend. Während die meisten Teilnehmer noch mehrere Stunden vom Ziel entfernt lagen, konnten sich die siegreichen Deutschen auf den Kojen langmachen. Die Preisverleihung am Abend erlebten sie ausgeruht und entspannt –  anderen war die Anstrengung deutlicher anzusehen.   

Die Resonanz auf das Rennen fiel unisono positiv aus: Trotz des herbstlichen Wetters wollen die meisten im nächsten Jahr wieder an den Guldborgsund kommen. Das liegt nicht unwesentlich auch am Organisationsteam. Fünf Segelvereine aus der Region haben das Vegvisir Race gemeinsam ausgerichtet und dabei alle Erwartungen übertroffen.

Für 2018 sind kleine Veränderungen an der Kursführung geplant. So soll der kleine Kurs bei Starkwind verändert werden, um segelbar zu bleiben. Ansonsten aber passt das Konzept, das Silverrudder-Erfinder Morten Brandt-Rasmussen entwickelt hat. Vielleicht passt im kommenden Jahr dann ja auch das Wetter zur Jahreszeit. 

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Jochen Rieker am 27.06.2017

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