Atlantik-Überquerung
Henrik Masekowitz zieht Zwischenbilanz seines Transat-Solos

Der Einhandsegler hat gut die Hälfte des Nordatlantiks im Kielwasser – heute passiert er die Azoren – und verkneift sich einen Zwischenstopp

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 11.05.2017
Henrik Masekowitz einhand auf seiner Class 40 Henrik Masekowitz einhand auf seiner Class 40 Henrik Masekowitz einhand auf seiner Class 40

YACHT/N. Günter Henrik Masekowitz einhand auf seiner Class 40

Heute Nacht erreichte uns eine Schiffsmeldung des Norderstedters Henrik Masekowitz. Er war Ende April in Antigua aufgebrochen, um seine Class 40 zurück nach Europa zu segeln, nachdem er zuvor zweihand an der Atlantic Rally for Cruisers teilgenommen und mit seiner Frau und den beiden Kindern in der Karibik ein Sabbatical unter Segeln gemacht hatte. Hier sein Bericht:

Yellowbrick Tracking "Croix du Sud" auf Kurs Brest

"Es ist der 12. Tag auf See. Die "Croix du Sud" und ich passieren in Kürze die Azoren. Gestartet am 29. April auf der Karibikinsel Antigua bei bestem Segelwetter mit 28 Grad Sonne, ging es erst einmal Richtung Norden. Klar, den Gesetzen des Windes muss man sich fügen. Allerdings habe ich die Rechnung zunächst ohne die Dünung gemacht, die – extrem aufgewühlt und ohne klare Richtung – das Segeln zur Tortur machte.

Ständig hämmert der flache Rumpfes meiner Class 40 in die See, mit einhergehender Deckspülung. Bestimmt jede dritte Welle ergießt sich ins Cockpit und nimmt das ein oder andere Mal eine Leine mit achteraus. Wechselnde Winde um 20 Knoten erfordern ein Reff im Groß, dazu die kleine Fock und Wasserballast – voll, was eben so reingeht. Nachts geht dann auch gerne mal ein Squall durch mit über 30 Knoten wahrem Wind. Also zweites Reff einbinden.

Irgendwie braucht es seine Zeit, bis ich mich an die Bedingungen gewöhnen kann und alles an Bord soweit seefest gestaut habe, dass ich mich sicher fühle auch bei ständiger Lage.

Zusammen mit Christoph (von Reibnitz, die Red.) und seinem "Peter von Seestermühe" sind wir kurz vor der Antigua Race Week gestartet. Er, weil er die Antigua Classics gerade beendet hatte und mit seinen Gästen an Bord so schnell wie möglich Horta auf den Azoren erreichen wil. Ich, weil keine Gäste für die Race Week gebucht haben. Also bin ich nun wieder solo-nonstop unterwegs.

Ist vielleicht die beste Entscheidung. Es zeigt sich, dass für die meisten Mitsegler das Leben an Bord einer Class 40 doch eine Nummer zu rau und unkomfortabel wäre. Ein echtes Abenteuer eben. Nun beende ich meine Atlantikrunde so, wie ich sie gestartet habe – einhand.

Im November letzten Jahres war ich in Hamburg aufgebrochen, um mit einen Gast die ARC von den Kanarischen Inseln nach St. Lucia zu segeln. Wir erreichten das Ziel nach 14 Tagen – und das ohne Gennaker. Den hatte leider schon früh ein Squall auf dem Gewissen.

Daran anschließend zog dann meine Familie an Bord ein. Wir hatten Paul aus der Schule genommen, um vier Monate zusammen eine Elternzeit zu verbringen. Das war unglaublich toll. Zusammen mit einigen anderen Familiencrews der ARC sind wir durch die südliche Karibik getingelt und haben so einige Abenteuer erlebt. Das wäre jetzt eine längere Geschichte, die vielleicht an anderer Stelle noch erzählt wird.

Die Hoffnung, einen Teil dieser Reise durch die Teilnahme an den Klassikern Caribbean 600 und Antigua Race Week mit Gästen zu finanzieren, erfüllte sich leider nicht. Umso mehr Zeit blieb mit der Familie.

Nach einer kurzen Stippvisite in Hamburg bin ich nun auf dem Rückweg und seit Antigua ca. 2050 sm gesegelt. Seit vier Tagen kann ich direkten Kurs auf Brest anlegen. Es sind allerdings immer noch 1300 sm zu segeln.

Der "Peter von Seestermühe" liegt schon einige Tage achteraus, dessen Crew hat Spaß, wie mir Christoph per E-Mail mitteilte. Ich hingegen kämpfe mich ein wenig ab mit ständigem Segelwechsel, Trimm und schlaflosen Nächten. Das Wetter im Nordatlantik ist einfach deutlich anstrengender zu segeln als die Hinrunde. Aber auch das werde ich durchstehen. Schließlich will ich rechtzeitig zum YACHT-Einhandtraining Anfang Juni in Heiligenhafen sein.

Morgen Früh werden die Azoren hinter mir liegen. Kein StopP – kein Gin Tonic in Peter's Cafe. Das Wettersystem ist einfach zu gut. Damit sollte ich sicher über die Biskaya und nach Frankreich kommen. Vielleicht das nächste mal wieder mit Anhalten..."

Viele Grüße
Henrik
von Bord der "Croix du Sud"


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Themen: AzorenClass 40Croix du SudEinhandHenrik MasekowitzTransatlantik

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