DSV
Harmonie und große Gefühle

Auf dem Seglertag in Warnemünde ging es familiär zu. Mit Andi Lochbrunner ist nun ein Bayer Präsident. Der neue KA-Chef heißt Sven Herlyn

  • Lasse Johannsen
 • Publiziert am 02.12.2013

DSV / U. Schreiber Der Neue und der Alte. Andi Lochbrunner (Lindauer Segler-Club und Kieler Yacht-Club) und Rolf Bähr (Verein Seglerhaus am Wannsee) auf der Arbeitstagung des Deutschen Seglertages 2013 in Warnemünde

Alle zwei Jahre treffen sich die Vertreter der 1311 im DSV zusammengeschlossenen Vereine, um Präsidiumsmitglieder und Angehörige des Seglerrates zu wählen, den Haushalt zu beschließen und Ehrenamtler zu entlasten. Auch kann der Seglertag nach inhaltlicher Beratung über Themen des Segelsports Empfehlungen aussprechen, die den Funktionären dann bei ihrer Arbeit als Hinweis auf das Wohl und Wehe der Basis dienen sollen.

Zu Beginn des Treffens konnten die Teilnehmer sich in Foren austauschen, die die Themen Medialisierung des Wassersports, Steuern und Gemeinnützigkeit sowie die Zukunft des Segelns zum Inhalt hatten. Erster großer Höhepunkt war dann der Auftritt vom Präsidenten des Welt-Seglerverbandes Carlo Croce während der Begrüßungsfeierlichkeiten im Kongresszentrum des Tagungshotels am Yachthafen Hohe Düne.

ISAF-Präsident begrüßt die Teilnehmer

DSV / U. Schreiber Carlo Croce

Der Italiener gab charmant Einblicke in seine Arbeit und die Ziele, die ihm ganz persönlich am Herzen liegen. Ob es um die Wahl der olympischen Klassen, die Gleichstellung von Seglern mit Behinderung oder die Verschlankung des organisierten Segelsports ging, Croce konnte jede Kontroverse durch eine Anekdote entschärfen, die seine Zuhörer mit herzlichem Lachen quittierten. Außer vom Präsidenten Rolf Bähr und Ehrengast Carlo Croce wurden die Delegierten von Bundestagsmitglied Eckhardt Rehberg begrüßt, der in seiner Fraktion für die Belange der Sportschifffahrt zuständig ist. Der Vertreter des Mecklenburg-Vorpommerschen Innenministeriums Frank Niehörster zeichnete den Verband zum 125-jährigen Bestehen mit der Sportplakette des Bundespräsidenten aus. Und schließlich lud der Oberbürgermeister der Hansestadt Rostock zum landestypischen Abend ein.

Gute Beteiligung

4283 von insgesamt 7840 Stimmen der Mitgliedsvereine waren dann am Samstagmorgen vertreten, als Noch-Präsident Rolf Bähr um 9.00 Uhr das Glöckchen schlug, um die Delegierten zur alle zwei Jahre stattfindenden Arbeitstagung zu begrüßen. Nach den Berichten des Präsidenten und seiner Stellvertreter wurden diese ohne Diskussion einstimmig entlastet. Auch in Kassenangelegenheiten kam es zu keiner Wortmeldung aus dem Plenum und einstimmigen Ergebnissen.

Nach Abstimmung standen dann 16 neue Mitglieder des Seglerrates fest: Walter Mielke (LYC), Günther Nülle (KSCH), Claus Otto Hansen (FSC), Siegfried Merk (DSC), Katrin Adloff (HYC, SCSH), Reiner Quant (SCG), Petra Homeyer (TSVS), Karl Fricke (CYC), Gode Sevecke (ASV-HBG), Dr.-Ing. Rüdiger Schuchardt (WSB 1919), Hartmut Desiderato (SVS/WYC), Gabriele Kromer-Schaal (SMCÜ), Ulrike Schümann (VSaW), Gabriela Thiele (DSCU), Hans-Herbert Hoffmann (NRV), Günther Probst (WSV-BL).

Wenige Kontroversen

Auch der Tagesordnungspunkt 8, unter welchem über sieben Anträge von Mitgliedsvereinen abgestimmt wurde, führte nicht zu langen Diskussionen. Bemerkenswert ist das deshalb, weil zwei Anträge zu Kontroversen führten. Das betraf zum einen den inhaltsgleich von vier Vereinen gestellten Antrag, die RS:X-Klasse wieder in den Katalog der Nachwuchs-Leistungsförderung im Windsurfen aufzunehmen. Gegen die ausgesprochene Empfehlung des Seglerrates und des zuständigen Präsidiumsmitgliedes stimmten die Delegierten mit großer Mehrheit für den Antrag. Ebenso verhielt es sich mit einem Antrag des Segler-Verbandes Mecklenburg-Vorpommern, der sich programmatisch gegen die Kommerzialisierung von Segelsportveranstaltungen wendete. Hier hatten Seglerrat und Präsidium zwar die Annahme empfohlen, es wurde aber auch geäußert, der Antrag sei überflüssig und deshalb zurückzuziehen. Das war es aber auch schon an Auseinandersetzung.

Kritische Stimmen kamen an diesem Tag allein vom scheidenden KA-Vorsitzenden Uwe Jahnke. Jahnke war am Vorabend für sein Engagement während der zurückliegenden zwei Amtsperioden mit der höchsten Auszeichnung des Verbandes, einer goldenen Ehrennadel, geehrt worden. Jahnke beklagte unter anderem die verbesserungswürdige Darstellung des Breitensports in der Öffentlichkeit, bevor er sich mit den Worten "ich gehe jetzt segeln" in den Funktionärs-Ruhestand verabschiedete.

Abschied von Rolf Bähr

Der scheidende Präsident Rolf-Otto Bähr betonte in seiner Abschiedsrede hingegen, dass der DSV sich über konstante Mitgliederzahlen freuen dürfe, während die Wassersportbranche mit Umsatzeinbrüchen zu kämpfen habe. Auch werde der Segelsport weiblicher, und es fehle nicht an talentiertem Nachwuchs. Die Werte, für die das Segeln stehe, seien aktueller denn je. Das Motto "Idealismus statt Eigennutz" lasse sich im vereinsgebundenen Segelsport nach wie vor bestens erleben. Am Ende seiner letzten Ansprache als Präsident konnte Bähr zahlreiche Vereine mit der "Auszeichnung für Ausbildung" ehren.

In einer Laudatio ließ DSV-Ehrenpräsident Hans-Joachim Fritze die Entwicklung des scheidenden Präsidenten "vom segelnden Revoluzzer zum honorablen Präsidenten" Revue passieren und würdigte insbesondere dessen Verdienste um den Leistungssegelsport. Die deutsche AC-Kampagne, das Sailing Team Germany, die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung durch den Welt-Seglerverband trügen Bährs Handschrift ebenso wie der erfolgreiche Rechtsstreit um die Reduzierung geplanter Wasserpachterhöhungen. Besondere Erwähnung fand auch die Reiselust des Präsidenten, der den Verband auf bis zu einhundert Terminen im Jahr vertrat. "Die Mitgliedsvereine sind ihrem Verband wieder nähergekommen," sagte Fritze.

Andi Lochbrunner wird die neue Obrigkeit

DSV / U. Schreiber Andi Lochbrunner

Zum neuen Präsidenten wählten die Delegierten den Zahnarzt und Implantologen Dr. Andreas "Andi" Lochbrunner aus Bayern, Mitglied im Lindauer Segler-Club und im Kieler Yacht-Club. Lochbrunner wird unseren Lesern ausführlich in der YACHT, Ausgabe 1/2014, vorgestellt. Vorab ein Zitat von STG-Geschäftsführer Oliver Schwall, der Lochbrunner mit folgenden Worten beschreibt: "Er macht klare Ansagen, er fährt einen geraden Kurs, hält die Mannschaft zusammen, gibt bei Sturm das Ruder nicht aus der Hand und kennt sich in nördlichen wie in südlichen Gewässern bestens aus." Lochbrunner hat eine Karriere als Finn-Dinghy-Segler hinter sich, segelt eine klassische 8-mR-Yacht auf dem Bodensee und einen Cruiser/Racer auf der Ostsee.

Sven Herlyn übernimmt die Kreuzer-Abteilung

DSV / U. Schreiber Sven Herlyn

Die Nachfolge im Amt des Obmannes der Kreuzer-Abteilung tritt der Hamburger Sven Herlyn an. Herlyn ist Mitglied im Hamburger Segel-Club und im Norddeutschen Regatta Verein. Er stellte sich mit den Worten vor, er sei Verbänden gegenüber im Grunde kritisch eingestellt. Er wünsche sich einen modernen, effizient arbeitenden und schlanken DSV und wolle in diesem Sinne mitwirken.


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