Seglertag
Harmonie am Bodensee

DSV-Spitze bestätigt. Torsten Haverland, Udo Scheer und Dietmar Reeh neu im Amt. Ehrung für Peckold-Brüder

  • Pascal Schürmann
 • Publiziert am 12.10.2009

U.Schreiber/DSV Goldene DSV-Ehrennadel für Olympia-Segler Peckold aus den Händen von Präsident Bähr

Harmonie am Bodensee

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Harmonie am Bodensee

Trotz Neubesetzung des halben Präsidiums und erneutem Antrag auf mehr Mitbestimmungsrechte der Vereine führte der diesjährige Seglertag in Friedrichshafen nach sachlich-entspannten Debatten zu schnellen Ergebnissen. Heftige Auseinandersetzungen wie beim vorangegangenen Treffen blieben diesmal aus.

Ein Stimmungsbericht vom Wochenende von YACHT-Redakteur Lasse Johannsen:

Die Begrüßungsfeierlichkeiten im Graf-Zeppelin-Haus am Yachthafen bildeten einen stilvollen Auftakt mit Blick auf den Bodensee. In seiner Eröffnungsrede stimmte Präsident Rolf Bähr gekonnt auf das Thema Segeln ein, indem er Bilder von den olympischen Spielen ins Bewusstsein zurückholte und den Gebrüdern Peckold die goldene Ehrennadel des Deutschen Segler-Verbandes (DSV) als Ausdruck der Anerkennung auf ihren Protest-Verzicht verlieh. „Gold steht Euch einfach gut!“, sagte er unter dem Beifall der Teilnehmer und stellte fest: „Für uns seid ihr gefühlte Goldmedaillengewinner!“

Um Olympia ging es auch im Grußwort des Isaf-Vorsitzenden Göran Petterson, vorgetragen durch seine Stellvertreterin Nazli Imre, die eigens aus ihrem Heimatland Türkei angereist war. Höhepunkt ihrer Rede war die Verleihung der Isaf-Goldmedaille an den ehemaligen DSV-Präsidenten Dierk Thomsen für sein langjähriges Engagement im Welt-Seglerverband. Er habe das immer gern getan, kommentierte der Geehrte die Anerkennung.

Der Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages Dr. Peter Danckert sinnierte über Erreichtes und Nicht-Erreichtes während der zurückliegenden Zusammenarbeit mit dem DSV. Diese seit stets gut gewesen, oft aber an den fehlenden Mitteln im Staatshaushalt gescheitert. Umso glücklicher zeigte er sich über die Entwicklung im Bereich der Wasserpachten (YACHT 21/09). Die Ermäßigung sei vorbereitet; ob der neue Haushaltsgesetzgeber die Vorlage aber verabschiede, bleibe abzuwarten.

Rolf Bähr schloss den offiziellen Teil mit der Feststellung, dass der organisierte Segelsport sich immer stärker bei den einschlägigen Institutionen Gehör verschaffen müsse, um dem Sport angemessene Rahmenbedingungen zu sichern.

Bei Dixieland und baden-württembergischen Spezialitäten klang der erste Abend aus.

In ihren Berichten während der anderntags folgenden Arbeitstagung zogen alle Präsidiumsmitglieder eine durchweg positive Bilanz ihrer eigenen Tätigkeit. Die Sitzung stand vor allem aber im Zeichen personeller Veränderungen. Dabei hatte die Führungsriege des DSV bereits im Vorfeld eine schwierige Aufgabe zu erfüllen. Denn mit Christoph Hillebrand, Finanzen, Dr. Lorenz Walch, Umwelt und Recht, sowie Emil Steinke, Leistungs- und Wettsegeln, hatten die Delegierten gleich drei Vizepräsidenten neu zu wählen. Alle betonten, dass sie immer Spaß an der Zusammenarbeit gehabt hätten und nur schieden, weil das DSV-Grundgesetz eine längere Amtszeit nicht erlaube.

Dem Team um Rolf Bähr ist es dann auch gelungen, drei Kandidaten zu präsentieren, deren Kompetenz die Delegierten so überzeugte, dass absolute Einstimmigkeit über die Wahlen herrschte — weitere Vorschläge aus den Reihen der Mitgliedsvereine gab es nicht.

Diplombetriebswirt Udo Scheer, Vorsitzender des Segel Clubs Hattingen, löst den nach 13 Jahren scheidenden „Finanzminister“ ab. Die Messlatte hänge hoch, sagte Scheer anerkennend zu seinem Vorgänger, der als Wirtschaftsprüfer ein „gesundes Unternehmen“ übergeben habe.

Neuer Präsidiums-Syndikus ist der Starnberger Dietmar Reeh vom Deutschen Touring Yacht-Club aus Tutzing. Der Volljurist blickt auf langjährige Erfahrung als Schiedsrichter zurück und vertritt seinen Heimatverein ebenfalls in rechtlichen Belangen.

Das Ressort Leistungssegeln übernimmt ab sofort der Schweriner Betriebswirt und Sportwissenschaftler Torsten Haverland. Hauptberuflich als Geschäftsführer des Landessportbundes Mecklenburg-Vorpommern tätig, ist der 44-jährige Vater zweier bereits im Kader des Segler-Verbandes Mecklenburg-Vorpommern segelnder Kinder selber einst aktiver Leistungssegler im 49er gewesen. Heute ist er ehrenamtlich als 2. Vorsitzender und Wettfahrtleiter tätig. Torsten Haverland ist überdies Mitglied im Olympiaausschuss des DSV.

Da das Grundgesetz des Verbandes sein Präsidium mit weitreichenden Befugnissen ausstatte — die Exekutivgewalt liegt de facto ausschließlich bei diesem —, sei es extrem wichtig, so Bähr, die Ämter mit hochprofessionell arbeitenden Kräften zu besetzen.

Um eben diese Kompetenzverteilung ging es dann auch, wie bereits 2007, in einem durch die Vereine Düsseldorfer Yacht-Club, Yacht-Club Bayer Leverkusen, Segel- und Kanugemeinschaft Bruchtalsperre, Duisburger Yacht-Club und Duisburger Segel-Club eingebrachten Antrag. Er zielte auf eine Satzungsänderung ab, die es den Delegierten ermöglichen solle, „Empfehlungen und Beschlüsse direkt an das Präsidium des DSV zu richten, die Grundsatzentscheidungen“ zu dessen Tätigkeit behandelten.

Die emotional geführte Debatte von vor zwei Jahren wiederholte sich indes nicht. Der Antrag wurde ohne lange Diskussion abgelehnt, was wohl überwiegend als ein Vertrauensbeweis für das amtierende Präsidium gewertet werden muss.

Ein Signal im Rahmen dieser begrenzten Einflussmöglichkeiten setzten die Vereine dennoch. Der Antrag „Der Seglertag möge den Seglerrat beauftragen, ein gegenüber der derzeitigen Praxis geändertes Verfahren zur Deckung der NADA-Beiträge zu beschließen und diesen Beschluss an das Präsidium zu richten“ bekam die erforderliche Mehrheit. Ob das allerdings zu einer tatsächlichen Veränderung führt, bleibt ungewiss. Das Präsidium ist zu einer solchen Umsetzung nämlich nicht verpflichtet. Die vielsagende Stellungnahme des Seglerrates lautete denn auch: „Der Seglerrat hat das beantragte Verfahren bereits dem Präsidium empfohlen. Dieses ist der Empfehlung nicht gefolgt.“


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Themen: BahrDSVSeglertag 2009

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