Weltumsegelung nonstop

Happy End beim Golden Globe Race: Mark Slats wird Zweiter

Er wurde im Sturm über Bord geschleudert, hat in Flauten gerudert und hätte Sieger Jean-Luc Van Den Heede beinahe noch eingeholt. Nun ist Mark Slats im Ziel

Kristina Müller am 01.02.2019
Golden Globe Race
Christophe Favreau/GGR/PPL

Strahlt vor Freude: Mark Slats segelt am Donnerstagabend nach gut 27.000 Seemeilen ins Ziel – wenige Tage zuvor sah es noch so aus, als würde ein Sturm ihn zu einem Zwischenstopp in A Coruña zwingen und die Rückkehr verzögern

Was für ein Ritt um die Welt! Der Niederländer Mark Slats segelte am gestrigen Donnerstagabend mit seiner Rustler 36 "Ophen Maverick" als Zweiter über die Ziellinie des Golden Globe Race 2018 und wurde trotz der späten Stunde von niederländischen, französischen und britischen Fans mit Begeisterung begrüßt – und von Sieger Jean-Luc Van Den Heede. Slats hatte den 73-jährigen Franzosen, der zwei Tage zuvor als erfahrenster Teilnehmer im Regattafeld um die Welt als Erster heimkehrte, konsequent um die Welt gejagt und war ihm im Nordatlantik noch einmal gefährlich nahe gekommen.

Golden Globe Race

Champagnerdusche. 214 Tage hat sich der Einhandsegler auf diesen Moment gefreut

Beharrlicher Jäger

Slats ist Extremsportler und Abenteurer, hat die Welt schon einmal solo umrundet und war nur wenige Monate vor dem Golden Globe Race allein über den Atlantik gerudert. Für die Favoriten des Einhand-Rennens um die Welt war er von Anfang an ein ernst zu nehmender Herausforderer, doch seine taktische Entscheidung, auf dem Weg nach Süden im Atlantik einen weiten Bogen nach Westen einzuschlagen, brachte ihm bald einen Rückstand von gut 900 Seemeilen auf den französischen Rivalen ein, als dieser das Kap der Guten Hoffnung erreichte.

Van Den Heede baute seine Führung im Southern Ocean auf 2.000 Meilen aus, bevor sein Schiff, die Rustler 36 "Matmut", rund 1.900 Meilen westlich von Kap Hoorn kenterte und die Befestigung der Unterwanten am Mast schwer beschädigt wurde, was ihn zu weitaus konservativerem Segeln auf dem Weg zurück nach Frankreich zwang.

Das war Slats' Chance: Als er Kap Hoorn rundete, hatte er schon 500 Meilen auf Van Den Heede gutgemacht. Als beide Yachten die Azoren erreichten, betrug der Abstand zwischen ihnen in Bezug auf die Entfernung bis zum Ziel sogar weniger als 50 Meilen.

Festgefahren in der Flaute

Doch dann verließ das Glück Mark Slats. Da sich zu diesem Zeitpunkt herausstellte, dass seine Amateurfunklizenz nicht gültig war und er offiziell nicht mehr durch Amateurfunker kontaktiert werden durfte, bekam er in diesem kritischen Zeitraum keine regelmäßigen Wetterberichte. "Ich habe sieben Tage lang keine Vorhersagen erhalten und bin prompt in die Flaute gefahren", erzählte er unmittelbar nach der Ankunft in Les Sables d’Olonne.

Golden Globe Race

Fragen über Fragen an den Solo-Segler. Trotz der späten Stunde kamen Freunde, die Familie, Fans und Journalisten zum Empfang in Les Sables. Golden-Globe-Sieger Jean-Luc Van Den Heede war Slats sogar im Motorboot entgegengefahren, um ihn zu begrüßen

Auch die Gültigkeit von Van Den Heedes Amateurfunklizenz warf Fragen, doch im Gespräch mit Slats am Donnerstagabend gestand er lachend, dass ein paar französische Freunde weiterhin den Kontakt über Funk zu ihm hielten. Bald hatte der Franzose somit wieder einen Vorsprung von 400 Seemeilen auf Slats und konnte diesen Vorsprung bis ins Ziel behalten.

Über Bord im Sturm

Seinen schlimmsten Moment erlebte Skipper Slats im Indischen Ozean, als er in demselben Sturm mit bis zu 70 Knoten Wind war, in dem seine Mitstreiter Gregor McGuckin und Abhilash Tomy durchkenterten und ihre Riggs verloren. "Wir hatten uns darauf geeinigt, alle drei Stunden in Funkverbindung zu bleiben", erinnert sich Slats. "Bei den ersten beiden Terminen haben wir miteinander gesprochen. Beim Dritten war niemand mehr da. Ich habe später von der Wettfahrtleitung erfahren, dass sie beide gekentert sind und ihre Riggs verloren haben."

Die volle Wucht dieses Sturms trifft die "Ohpen Maverick" kurz darauf, zweimal wird sie seitlich aufs Wasser gedrückt. Beim ersten Mal wird der Skipper, der zu dem Zeitpunkt im Cockpit von Hand steuern muss, sogar außenbords geschleudert und schafft es nur durch Glück und dank seiner Lifeline zurück ins Cockpit.

"Ich habe gebetet"

Bei einem weiteren Knockdown von etwa 120 Grad steigt eine Welle ins Boot ein, Wasser steht bis zum Kartentisch in der Kajüte. "Da fing ich an zu beten – und das wurde offensichtlich erhört. Denn nachdem ich eine Stunde lang mit der Hand gepumpt hatte und zwei elektrische Pumpen in Betrieb waren, gelang es mir, das Boot trocken zu bekommen." 

Sir Robin Knox-Johnston, Gewinner des ersten Golden Globe Race vor 50 Jahren, sandte Mark Slats eine Glückwunschnachricht. "Du hast meinen Respekt für diese harte, gut gemeisterte Reise. Zweiter hinter Jean-Luc zu sein bedeutet Solosegeln auf höchstem Niveau. Eine fantastische Leistung!" 

Golden Globe Race

Eine unruhige Atlantik-Dünung steht vor der französischen Küste, als Mark Slats am Donnerstagabend den Hafen erreicht. Es herrscht kaum Wind, das Großsegel flappt hin und her. Der Skipper hat noch ausreichend Benzin, um nach der Ziellinie aus eigener Kraft in den Hafen von Les Sables d'Olonne einzulaufen – bei Van Den Heede war kein Tropfen Sprit mehr an Bord

Zeitstrafe wegen Regelbruch

Mark Slats benötigte eine Zeit von 214 Tagen, 12 Stunden, 18 Minuten und 43 Sekunden für seine Nonstop-Weltumsegelung, er erhält jedoch noch eine 36-Stunden-Zeitstrafe für unerlaubten Kontakt über das Satelliten-Telefon mit seinem Team in den Niederlanden.

Seine Freude über die Ankunft und das Wissen, einen der härtesten Törns der Welt erfolgreich im Kielwasser zu haben, dürfte ihm das aber nicht mehr nehmen.

Noch mehr Golden Globe:

Hier geht es zum Live-Tracker des Golden Globe Race: Aktuell segeln nur noch drei von einst 17 Startern in der Solo-Nonstop-Regatta um die Welt, die meisten sind bereits ausgeschieden.

Eine großen Bericht über die Premiere des Golden Globe Race inklusive eines Interviews mit Sir Robin Knox-Johnston über die Wiederauflage des historischen Rennens lesen Sie in YACHT 5/2019, die am 20. Februar erscheint.

 

Kristina Müller am 01.02.2019

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