Bootsbau
Hanseyachts plant Kauf von Dehler

Die Greifswalder Werft ist an der Marke und am Standort Freienohl interessiert – Gläubigerausschuss stimmt Angebot zu

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 30.04.2009

YACHT/B. Kolthof Dehler 44: segelt vielleicht schon bald im Markenverbund der Hanseyachts AG

Dehler, Ende vergangenen Jahres in die Insolvenz geschlittert, könnte schon bald die Markenfamilie von Hanseyachts komplettieren, zu der neben Moody auch die Motorboot-Modellreihe Fjord gehört. Das gab das Unternehmen Donnerstagabend nach Börsenschluss bekannt.

Der vorläufige Gläubigerausschuss der insolventen Dehler Deutschland GmbH hat dem Angebot der Hanseyachts AG über den Erwerb der Marke Dehler sowie notwendiger Vermögensgegenstände zugestimmt. Die erforderlichen Vertragsverhandlungen werden umgehend aufgenommen.

Das Interesse der Greifswalder Werft an einer Übernahme des Freienohler Unternehmens kommt überraschend.

Noch im Januar 2008 hatte Vorstandschef Michael Schmidt eine Akquisition abgelehnt. Gespräche über eine mögliche Übernahme oder Beteiligung mit dem ehemaligen Dehler-Chef Wilan van den Berg und der Investmentfirma Buchanan Capital Partners waren zuvor schon im Herbst vergangenen Jahres ergebnislos geblieben. Ob es an zu hohen Preisvorstellungen lag oder ob Hanses Strategie sich geändert hat, ist derzeit nicht bekannt.

Überschneidungen in den Produktlinien gab und gibt es jedenfalls kaum. Dehlers Modelle sind sportlicher orientiert als die von Hanse oder Moody. Sie bieten weniger Innenraum-Volumen und liegen vom Preis wie von der Positionierung näher an X-Yachts als an der Großserie.

Genau das hatte Michael Schmidt lange moniert. Die Boote, so sagte er gegenüber der YACHT noch im Dezember 2008, seien am Markt vorbeigebaut: zu schmal, zu teuer. Und bei großen Regatten hätten die neueren Modelle — die Dehler 44 und 34 — zudem bisher kaum nennenswerte Erfolge vorzuweisen.

Der Kauf der Markenrechte könnte, sofern die Verhandlungen zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden, gleichwohl sinnvoll sein. Damit komplettiert Hanseyachts die Markenfamilie und schafft sich im gehobenen Segment neben Moody ein zweites Standbein.

In einer Pressemitteilung heißt es, die mittelgroßen Typen sollten weiterhin am Dehler-Standort in Freienohl produziert werden. Die großen Yachten dagegen würden künftig in Greifswald montiert, wo wegen der Auftragsrückgänge im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise derzeit Fertigungskapazitäten brachliegen.

Ob Hanse alle Modelle im Programm behält, das von der Dehler 34 über 36, 39, 44 und 47 bis zur erst ein Mal verkauften Dehler 60 reicht, bleibt einstweilen offen. Auch ist nicht bekannt, ob die schon etwas in die Jahre gekommenen Typen 36, 39 und 47 vor der Ablösung stehen.

Hanseyachts plant am Standort Freienohl aber in jedem Fall Neues. So soll die Werft zu einem Wassersportzentrum um- bzw. ausgebaut werden. Darin werden neben einer Art großem Verkaufsraum mit permanenter „Bootsausstellung“ auch Versicherer, Finanzierer, Ausrüster und Segelmacher angesiedelt sein. Ein Konzept, das Bavaria-Händler Yachten-Meltl nahe des Chiemsees bereits erfolgreich umgesetzt hat. Damit verbunden, so kündigt Hanseyachts an, sei auch die Schaffung „mehrerer neuer Arbeitsplätze“ in Freienohl.


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der YACHT-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: BootsbauDehlerGreifswaldHanseHanseyachtsSchmidtWerft

Anzeige