Bootsbau
Hanse Group und Bénéteau zuversichtlich

Bilanzen der beiden börsennotierten Werften liegen vor – starke Umsatzeinbrüche, aber neuer Optimismus

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 01.10.2009

YACHT/G. Beauvais Kam noch recht gut durch die Krise: Bénéteau zündete mit Modellen wie der First 40 ein Innovationsfeuerwerk

Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat wie erwartet tiefe Spuren in den Büchern der Bootsbauer hinterlassen. Bei Marktführer Bénéteau brach das Geschäft um 42 Prozent ein, bei der Hanse Group sogar um 57 Prozent.

Auch andere Großserienhersteller sind ähnlich stark betroffen von der Flaute im Gesamtmarkt, wie Umfragen der YACHT ergaben.

Bei Bavaria sank der Umsatz um gut 55 Prozent; Dufour und Elan beklagen ebenfalls drastische Rückgänge. Doch diese Werften sind anders als Bénéteau und Hanse nicht an der Börse gelistet und unterliegen damit nicht den gleichen Offenlegungspflichten.

Bénéteau besser als erwartet
Der französische Weltmarktführer übertraf mit seinen Zahlen leicht die eigenen Prognosen. Ursprünglich war ein Umsatzminus von 45 Prozent erwartet worden. Der Rückgang im Bootsverkauf sei "weniger ausgeprägt als zunächst vorhergesagt", hieß es dazu in einer Erklärung des Unternehmens.

Und weiter: "Die Wiederstandsfähigkeit der Gruppe bestätigt das breite Produktangebot sowie das Interesse und Vertrauen unserer Kunden."

Tatsächlich scheint Bénéteau am besten mit den Auswirkungen der Wirtschaftskrise zurechtzukommen. Deshalb bleibt der Konzern auch für das kommende Geschäftsjahr zuversichtlich. Allein 29 Neuvorstellungen sollen 2009/2010 wieder für spürbares Wachstum sorgen. Zuletzt hatte das Unternehmen 658,9 Mio. Euro umgesetzt, ein Jahr davor waren es noch 1,094 Mrd. Euro.

YACHT-Archiv Hanse hofft unter anderem auf den Erfolg preiswerter Sondermodelle wie der 320 "smart line"

Verlustreiches Jahr in Greifswald
Bei der Hanse Group (Hanseyachts, Moody, Dehler, Fjord) lag das Ergebnis unter den Erwartungen. "Nach über zehnjährigem erfolgreichem Wachstum waren wir mit einem Absatzrückgang konfrontiert, der in seinem Ausmaß und seiner Geschwindigkeit nicht vorherzusehen war", teilte das Greifswalder Unternehmen gestern mit.

Die Gruppe hat das zum 31. Juli abgelaufene Geschäftsjahr mit einem deutlichen Verlust abgeschlossen. Die Umsatzerlöse liegen nach den vorläufigen Zahlen mit 58,2 Mio. Euro um 57 Prozent unter den Vorjahresumsätzen von 135,3 Mio. Euro. Vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen verlor die Werft 12,9 Mio. Euro, zurückzuführen vor allem auf die Unterauslastung der Produktion und die damit verbundenen überproportional hohen Personalaufwendungen sowie die Kosten der Kapazitätsanpassung im Laufe des Geschäftsjahres.

Hanse steht trotz des negativen Ergebnisses gut da. Aufgrund des stabilen Cashflows verfügte das Unternehmen zum Bilanzstichtag über liquide Mittel von 11,0 Mio. Euro. Bei Bankverbindlichkeiten von 11,8 Mio. Euro ist die Gruppe damit wirtschaftlich nahezu schuldenfrei. Das Eigenkapital beträgt mit 52,2 Mio. Euro 70 Prozent der Bilanzsumme.

Jetzt hofft die Werft auf ihre neuen Modelle (Hanse 375, Hanse 545, Moody 62 DS) und den Erfolg attraktiver Sonderausgaben wie etwa der bis Ende September limitierten Hanse 320 "smart line".

"Aktuell erfreuen wir uns guter Aufragseingänge auf den laufenden internationalen Herbstmessen", berichtet das Unternehmen. "Die Nachfrage nach den Sondermodellen und den Neueinführungen ermöglichen eine Produktionsauslastung für mehrere Monate."

Das wird in Greifswald als "positives Signal" bewertet. Aufgrund der vollzogenen Kapazitäts- und Kostenanpassungen erwartet die Hanse Group 2010 "eine signifikante Ergebnisverbesserung". Eine belastbare Prognose lasse sich aber noch nicht abgeben.


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Themen: BeneteauBeneteauBilanzHanseWirtschaftskrise

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