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Halbzeit-Bilanz boot 2004

Zufriedenheit und neue Trends am Rhein

  • Uwe Janßen
 • Publiziert am 22.01.2004

Zur Halbzeit ist der Chef ist zufrieden. Die boot habe gezeigt, so der Düsseldorfer Projektleiter Abdul-Rahman Adib, dass es darauf ankomme, "auch im schwierigen konjunkturellen Fahrwasser für positive Stimmung zu sorgen und der Branche wichtige Impulse zu geben". Allem Anschein nach steht mehr hinter dieser Zwischenbilanz als das gezwungen erfreuliche Urteil eines Herrn, der von Amts wegen gar nichts anderes sagen darf. Nein, so ist es wohl wirklich.

161.000 Besucher kamen zur ersten Hälfte der weltgrößten Wassersportmesse, das liegt ziemlich genau auf dem Niveau der vergangenen Jahre. Die Zahl indes sagt wenig. "Wesentlich wichtiger ist", so Adib, "dass sich das Publikum durch Kompetenz und durch Internationalität auszeichnet." Und auch diese Einschätzung wird in Fachkreisen bestätigt. "Auffallend viele internationale Kontakte" hat Michael Schmidt, Chef des Yachtzentrums Greifswald, in Düsseldorf verzeichnet. Heißt: Das Geschäft läuft ausgezeichnet - schließlich gehen nach Angaben des Werftchefs "über 80 Prozent unserer Yachten in den Export". Schmidt resümiert: "Wir verkaufen mehr als wir produzieren können." Nachdem in Düsseldorf weitere fünf Einheiten der größten deutschen Serienyacht Hanse 531 an den Eigner gebracht werden konnten, stieg die Gesamtverkaufszahl des unlängst vorgestellten Schiffs auf 40. Und von der neuen 46er, die erst im Juni auf den Markt kommen wird, sind bis auf zehn alle Einheiten geordert. "Bis Sommer 2005 sind wir da ausgelastet", sagt Schmidt.

Mit ähnlichen Vorschusslorbeeren wird die 35 Match von Deutschlands größter Werft Bavaria bedacht: Anfang April soll das Schiff seine Premiere haben - unbesehen liegen 80 Bestellungen vor. Das bestätigt die Strategie der Giebelstädter, mit ihrer Match-Serie dem sportlichen Segler gerecht zu werden: Das Konzept geht auf. Zum einen werden von der Ur-Match, der 38er, 15 Einheiten pro Woche gebaut, zum anderen "strahlt die Sportlichkeit auf unsere anderen Modelle ab", so der stellvertretende Verkaufsleiter Harald Klingler. Er registriert auf der boot ein starkes Interesse über alle Bootsgrößen hinweg, wobei das wirkliche Geschäft erst mit Vertragsabschluss in den Wochen nach der Messe einsetze. Wie die Mitbewerber aus Greifswald können auch die Bavaria-Macher keinen Trend zu einer bestimmten Bootsgröße ausmachen.

Großer Aufmerksamkeit erfreut sich auch eines der tatsächlich interessantesten Schiffe der boot: die am YACHT-Stand in Halle 16 präsentierte Shipman 50. Das erste aus Carbon gefertigte Serienschiff, von der YACHT und ihren Partner-Zeitschriften als Europas innovativste Yacht des Jahres ausgezeichnet, wurde bereits vor der Messe viermal verkauft, acht ernsthafte Interessenten haben sich in Düsseldorf zum Probesegeln angemeldet. Direkte Abschlüsse vor Ort tätigt Werftchef Japec Jakopin nicht, und da somit für fast alle bis Ende 2005 produzierten Schiffe potenzielle Abnehmer bereitstehen, darf er bis dato überaus zufrieden sein. Auf dem "Understatement-Schiff", dem man nicht ansehe, was in ihm steckt, habe sich eine besondere Besucher-Klientel sehr häufig umgesehen, sagt der Werftchef: die Konkurrenz aus der Branche. "Die haben schon gestaunt", sagt Jakopin, "und auch ein wenig Angst bekommen. Aber ob wir uns mit der neuen Technologie auch am Markt durchsetzen können, also eine ökonomische Gefahr für die Etablierten darstellen, das kann man erst in einem Jahr sagen."

Düsseldorf ist immer auch ein Indikator für Entwicklungen im Chartermarkt. Dabei lassen sich zwei Tendenzen klar festmachen: Die Charterer sind derzeit im Mittel deutlich jünger als in der Vergangenheit, und es werden eher deutlich mehr Kojen auf einem Schiff gewünscht als nötig - Komfort ist Trumpf. Außerdem bemerkenswert: Das Ziel Karibik erholt sich nach langer Flaute wohl auch wegen des starken Euro. Die Nachfrage nach Karibiktörns jedenfalls steigt signifikant.


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Themen: BilanzBooteDüsseldorfMesse

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