Darßer Ort
Hafenneubau "Lachnummer des Jahres"

Ersatz für den Nothafen endlich in Sicht? Land will Millionen in einen Hafen vor Prerow investieren. Die Reaktionen darauf sind gespalten

  • Pascal Schürmann
 • Publiziert am 08.12.2014

YACHT/N. Theurer Die Seebrücke von Prerow. Sie soll verlängert und mit einem Hafen versehen werden

"Schluss mit Not am Darßer Ort: Land baut Seglerhafen in Prerow." Unter dieser Überschrift meldete die "Ostsee-Zeitung" (OZ) am Samstag, dass "nach jahrzehntelangem Ringen um einen geeigneten Standort" nun die Entscheidung zugunsten Prerows gefallen sei. Anlass war ein Besuch von Landesumweltminister Till Backhaus und Landeswirtschaftsminister Harry Glawe, die Kommunalpolitikern vor Ort das Vorhaben erläutert hatten. 

Wie auch in der YACHT schon mehrfach berichtet, will man offensichtlich an den vielfach kritisierten Plänen festhalten, die Seebrücke von Prerow zu verlängern, um an deren Ende dann ein von Steinwällen geschütztes Hafenbecken zu bauen. Dort soll dann insbesondere auch der bislang in Darßer Ort stationierte Seenotrettungskreuzer einen Liegeplatz erhalten.

Prerow günstiger als Zingst

Eine Studie hätte ergeben, so die OZ weiter, dass "für den Bau des Hafens in Prerow mit Kosten von 10 bis 11 Millionen Euro gerechnet werde. Für Zingst müssten 11 bis 14 Millionen Euro veranschlagt werden." Daher habe nun Prerow den Zuschlag für den Hafen erhalten.

- An der erst noch zu verlängernden Seebrücke soll der neue Hafen entstehen. Die Varianten östlich und westlich davon wurden vom Land verworfen

Kritik gegen das Seebrücken-Verlängerungsprojekt gibt es vor allem seitens der Zingster Bürgerinitiative "Boddendurchstich Zingst Jetzt e.V.", die sich für einen Hafen im Bodden samt einer Kanalverbindung zur Ostsee starkmacht. Sie bezeichnet den Prerow-Plan als "Minimallösung".

In einer Stellungnahme heißt es: "Die Vereinsführung des BDZJ e.V. ist über den übereilten Entschluss der Landesregierung erstaunt, mit einer wenig hilfreichen Minimallösung erneut eine Notlösung vorzuschlagen, die weder zum Wassersporttourismuskonzept von Mecklenburg-Vorpommern passt, noch eine dauerhafte Alternative zum Nothafen Darßer Ort oder soweit uns bekannt ist, einen sicheren Liegeplatz für den Seenotkreuzer 'Theo Fischer' oder Gastlieger, insbesondere bei Schwerwetter, bietet. Auch wird durch diese geplante Lösung weder der maritime Tourismus oder die Fischerei-/Seewirtschaft im Boddenrevier gefördert, noch die gesetzlich vorgeschriebene Wiederherstellung der Wasserqualität im Boddenrevier gemäß der Natura 2000 berücksichtigt."

Harsche Kritik

Ähnlich die Reaktion eines Prerower Bürgers, der den OZ-Artikel wie folgt kommentiert: "Hafenneubau in Prerow ist Lachnummer des Jahres. Ohne einen gültigen Gemeinderatsbeschluss und die Zustimmung der Prerower Bürger wird die Meldung Hafenneubau in Prerow bereits als endgültige Entscheidung durch die Medien gepeitscht! Erst wird mit einem enormen Aufwand unter Leitung von Landrat Drescher ein Zweckverband: "Maritimer Lückenschluss Warnemünde-Stralsund" gegründet und nun will die Landesregierung uns einen Steinwall als Ideallösung zum Schutz für den Seenotkreuzer, die Fischer und eine Handvoll Segler präsentieren. Wo bitte schön soll bei Extremwetterlagen der Seenotkreuzer Havaristen ablegen und wie sollen dort Verletzte geborgen werden? Wie sollen Fischer dort am Brückenkopf ihr Material und Fänge bearbeiten und transportieren?"

Auch die Seenotretter selbst hatten die von der Landesregierung bevorzugte Seebrücken-Lösung in der Vergangenheit kritisch gesehen. Ein Sprecher des Umweltministeriums betonte gegenüber der YACHT hingegen, dass man die bestehenden Kritikpunkte ausgeräumt habe. Unter anderem solle ein Hubschrauberlandeplatz in Hafennähe gebaut werden, um den schnellen Abtransport von Verunglückten zu gewährleisten. Und der Hafen solle so positioniert werden, dass er vor Versandung bewahrt bleibe.

Die Versandung ist das größte Problem des bestehenden Nothafens Darßer Ort. Gerade erst wieder musste der Seenotrettungskreuzer nach Barhöft ausweichen, weil die Zufahrtsrinne am Darß zu flach geworden ist. Sie soll im Frühjahr erneut ausgebaggert werden.

Hafeneröffnung nicht vor 2018

Selbst wenn die Pläne der Seebrückenerweiterung in Prerow nun tatsächlich umgesetzt werden – bis die ersten Boote in dem neuen Hafen festmachen können, wird noch viel Zeit vergehen. Im Landesumweltministerium rechnet man nicht vor 2018 mit einer Inbetriebnahme des Inselhafens. Erster Schritt sei jetzt erst einmal, das Projekt im Kabinett einzubringen. Das müsse die erforderlichen Finanzmittel freigeben. Dann erst könne die eigentliche Bauplanungsphase beginnen.


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Themen: Darßer OrtNothafenPrerowSeenotSeenotretterZingst

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