Cantiere del Pardo

Grand Soleil in neuen Händen

Die Bavaria-Investoren haben sich nach Dufour jetzt auch von Grand Soleil getrennt. Neuer Gesellschafter ist Sly-Eigentümer Davide Trevisani

Jochen Rieker am 03.01.2014
Grand Soleil

Wieder in italienischer Hand: Grand Soleil

Nach langen Verhandlungen und einem mühsamen Gang durch die Instanzen des italienischen Insolvenzrechts beginnt für Grand Soleil mit dem neuen Jahr auch ein neues Kapitel. Jetzt hält der Unternehmer Davide Trevisani mit seiner Firmengruppe die Mehrheit an der renommierten Marke, die vor zwei Jahren noch zu Dufour und damit indirekt zu Bavaria gehörte.

Trevisani ist kein Branchenfremder. Der Italiener stieg vor einem Jahr bereits bei Sly Yachts ein. Mit dem Zukauf erhält er jetzt moderne Produktionsanlagen in Forli. Dort hat Cantiere del Pardo, die Werft hinter Grand Soleil, ihren Sitz.

Sie soll künftig Boote beider Marken bauen. Dabei ist auch beabsichtigt, das Portfolio von Grand Soleil auszuweiten. Während unter dem 40 Jahre alten Namen bisher nur Performance-Cruiser entwickelt und vertrieben wurden, soll es künftig auch luxuriöse Fahrtenboote geben – ähnlich wie bei X-Yachts, wo neben den leistungsorientierten Schiffen der XP-Serie die komfortbetonte XC-Reihe entstand.    

Mit der Leitung des Unternehmens beauftragte Trevisani Michel Delagarde, der vor zehn Jahren bereits bei Cantiere del Pardo gearbeitet hatte, und Fabio Planamente. Der bisherige Chef Ruggero Gandolfi ist nicht mehr an Bord. Auch Entwicklungschef Gianguido Girotti musterte ab.

Die neuen Manager sollen dem Unternehmen in Abstimmung mit den Gewerkschaften einen strikten Sparkurs verordnet haben, da die Auslastung nach wie vor recht schwach ist. Dennoch sprechen Marktkenner von einer guten Entwicklung. Trevisani gilt als ausreichend finanzstark, um eine erfolgreiche Restrukturierung zu schaffen.  

Sein Einstieg zeichnete sich schon länger ab. Und er markiert das Ende der Expansionspläne von Deutschlands größtem Sportboot-Hersteller. Seit die Bavaria-Investoren Anchorage und Oaktree eine Konzentration auf das Kerngeschäft in Giebelstadt angeordnet hatten, standen Dufour und Cantiere del Pardo zum Verkauf (s. Bericht in YACHT 22/2013).

Zunächst gelang Dufour der Schritt in die Unabhängigkeit: eine regionale Bank und das Management um Geschäftsführer Salvatore Serio haben jetzt bei den Franzosen das Sagen. Mitte Dezember genehmigte ein Gericht dann auch die Übernahme von Grand Soleil. Um die Werft in Forli hatten dem Vernehmen nach auch Solaris und Azuree mitgeboten. Ihre Gebote und Übernahme-Konzepte fanden aber keine Zustimmung.

Jochen Rieker am 03.01.2014

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