Großsegler

"Gorch Fock"-Sanierung unter Korruptions-Vedacht

Die Reparaturkosten für das Segelschulschiff sind explosionsartig gestiegen: von 10 auf 135 Millionen Euro. Womöglich spielt Bestechlichkeit dabei eine Rolle

Uwe Janßen am 13.12.2018
Gorch Fock
Bundesmarine

Schulschiff „Gorch Fock“

Am kommenden Montag wird in der Marineschule Mürwik gefeiert: Um 13 Uhr erinnert ein Festakt an die Indienststellung der „Gorch Fock“ vor genau 60 Jahren. Allerdings dürfte die Partystimmung bei manchem seit dem gestrigen Nachmittag verflogen sein. Da nämlich erhielten die Obleute des Bundestags-Verteidigungsausschusses die Nachricht, dass es bei der derzeitigen Sanierung des Schulschiffs wohl nicht mit rechten Dingen zugeht. Ein Mitarbeiter des Marinearsenals Wilhelmshaven hatte sich selbst der Vorteilsnahme bezichtigt – der Mann war, wie es heißt, für die „technische Preisprüfung“ der Mammut-Reparatur zuständig.  

Die Kosten der Instandsetzung sind bislang explosionsartig gestiegen. Nach einer Generalüberholung 2010 kam die „Botschafterin in Weiß“ 2016 in Elsfleth an der Weser erneut in die Werft. Neben diversen Wartungsarbeiten sollten große Teile der Außenhaut erneuert werden, dazu Teakdeck, Masten, Rahen und das Kartenhaus. 10 Millionen Euro waren für die anstehenden Arbeiten veranschlagt, ein halbes Jahr Liegezeit eingeplant. Doch bereits Ende des Jahres  war von mehr als dreimal so hohen Kosten die Rede: 35 Millionen Euro. Später erhöhte sich die Summe alle paar Monate über 75 und 100 auf mittlerweile 135 Millionen.

Eine parlamentarische Anfrage zu den Gründen der Kostenexplosion beantwortete das Bundesverteidigungsministerium im vorigen Sommer mit der Auskunft: „Zum Ausschreibungsbeginn waren das Ausmaß der Schäden und damit der tatsächliche Zustand des Schiffes nicht bekannt.“ Diese Aussage klingt angesichts einer Steigerung auf das Dreizehneinhalbfache der ursprünglichen Summe entweder nach Totalversagen der beteiligten „Experten" oder nach Vorsatz. Beides jedenfalls auf Kosten der Steuerzahler.

Es geht um Zahlungen in sechsstelliger Höhe

Deshalb befasste sich im Juni der Bundesrechnungshof mit der aberwitzigen Kostenentwicklung. Aloys Altmann, Präsident des Bundes der Steuerzahler in Schleswig-Holstein, sprach von einem „Trauerspiel ohne Ende“. Und „Spiegel online“ mutmaßte sogleich, bei der Ausschreibung des Auftrags sei es eventuell nicht mit rechten Dingen zugegangen, die Werft habe sich womöglich „mit der Reparatur der maroden ,Gorch Fock‘ reich saniert“. 

Die aktuellen Erkenntnisse sprechen sehr dafür, dass an diesen Vermutungen etwas dran ist. Der beim Arsenal in Wilhelmshaven für den Auftrag zuständige Beamte jedenfalls soll Berichten zufolge "von mindestens einem Auftragnehmer" großzügige Kredite zu einem besonders günstigen Zinssatz erhalten haben. Ob es sich bei den Zahlungen in sechsstelliger Höhe aber wirklich „nur“ um ein Darlehen handelt, was bereits eine strafbare Vorteilsnahme wäre, oder um eine  vollumfängliche Schmiergeldzahlung, ist derzeit Gegenstand der Ermittlungen. Die finden sowohl Marine-intern statt als auch bei der Staatsanwaltschaft, der eine entsprechende Korruptionsanzeige vorliegt. Der Beschuldigte soll finanzielle Probleme eingeräumt haben. 

Wie lange der im Jahr 2016 für sechs Monate geplante Werftaufenthalt der „Gorch Fock“ noch dauern wird, ist derzeit unklar, auch weil die Auswirkungen des Verfahrens auf den Reparaturfortschritt noch nicht im Detail absehbar sind. Fachleute gehen davon aus, dass das Schulschiff frühestens 2020 wieder in See gehen kann. 

Uwe Janßen am 13.12.2018

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