Weltumsegelung nonstop

Golden Globe Race: Aufholjagd auf dem Atlantik

Mark Slats hat den Abstand auf Jean-Luc Van Den Heede stark verringert: Beide trennen weniger als 1500 Seemeilen vom Ziel. Doch Slats' Aufholjagd ist gefährdet

Kristina Müller am 18.01.2019
Mark Slats
Christophe Favreau/PPL/GGR

"Lasst uns das große Spiel anschauen", sagte Veranstalter Don McIntyre am Freitagmorgen in einer seiner regelmäßigen, öffentlichen Analysen des Rennverlaufs. Damit meinte er nichts anderes als das spannende Finale, das sich zwischen den beiden führenden Teilnehmern des Golden Globe Race auf dem Nordatlantik anbahnt.

Der Niederländer Mark Slats konnte seinen Rückstand auf den eigentlich konsequent führenden Jean-Luc Van Den Heede in den vergangenen Tagen so stark verringern, dass derzeit – nach über 200 Tagen auf See! – rechnerisch nur noch etwa 50 Seemeilen zwischen den beiden Konkurrenten liegen: Laut Race-Tracker trennen Van Den Heede noch 1415 Seemeilen vom Ziel in Les Sables d’Olonne, Slats noch 1415 (Stand Freitagmittag, 18. Januar). Beide segeln derzeit südlich der Azoren gen Norden, auf der Suche nach den besten Windbedingungen für die verbleibenden Meilen.

Slats' erfolgreiche Aufholjagd, die durch Van Den Heedes beschädigtes Rigg und eine Zeitstrafe für ihn begünstigt wurde, steht aktuell jedoch unter keinem guten Stern. Der 41-Jährige kämpft an Bord seiner Rustler 36 "Ohpen Maverick" gegen Wassermangel, starken und wiederkehrenden Bewuchs von Entenmuscheln am Unterwasserschiff und den Vorwurf, ohne gültiges Amateurfunk-Rufzeichen zu funken. Die Veranstalter gaben dazu bekannt:

"Nationale Telekommunikationsbehörden haben oft ignoriert, wenn Nutzer sich auf See Rufzeichen ausgedacht haben. Dies könnte jedoch nach einer Warnung einer nationalen Regulierungsbehörde an einen GGR-Skipper ein Ende haben. Sie warnen: 'Sie benutzen ein Amateur-Rufzeichen und stellen Verbindungen mit Amateurfunkbetreibern her. Das Rufzeichen ist nicht registriert und daher illegal. Wir fordern Sie auf, damit aufzuhören. Wenn Sie ein richtiges Amateur-Rufzeichen haben, fordern wir Sie auf, es vorzulegen.'"

Der Veranstalter des Einhand-Rennens um die Welt teilte weiter mit, dass jeder Skipper selbst dafür verantwortlich ist, nationale und internationale Regeln einzuhalten, dass aber das Ergebnis des Rennens davon unbeeinträchtigt bleibe; es sei denn, Funksprüche hätten Positionsmeldungen enthalten. Diese dürfen die Skipper, die ohne GPS unterwegs sind und wie beim Rennen vor 50 Jahren nur mittels Sextant und Seekarte navigieren, nicht empfangen. Wird ihnen die eigene Position, die man dem Race Tracker entnehmen kann, dennoch per Funk übermittelt, drohen Zeitstrafe und Disqualifizierung.

Mit der Ankunft von Van Den Heede und Slats wird am 1. Februar gerechnet. Wer dann jedoch als Erster die Ziellinie quert, erscheint derzeit völlig offen.

Zwei im Südatlantik, einer mit Kurs auf Kap Hoorn

Neben Van Den Heede und Slats segeln nur noch drei weitere Skipper im Rennen. Uku Randmaa (Position 3) und Istvan Kopar (Position 4) haben Kap Hoorn gerundet und bewegen sich im Südatlantik nordwärts. Tapio Lehtinen hat noch fast 9000 Seemeilen und Kap Hoorn vor dem Bug. Er hat den Pazifik bald aber achteraus und segelt derzeit an einer ähnlichen Position wie die "Suhaili" von Sir Robin Knox-Johnston vor 50 Jahren.

Der russische Skipper Igor Zaretskiy, der bis vor Kurzem der sechste verbliebene der einst 18 Skipper waren, hat einen Zwischenstopp in Australien eingelegt und mitgeteilt, aus gesundheitlichen Gründen erst im Herbst weitersegeln zu wollen – wenn die Sturmsaison im Southern Ocean vorbei ist. Er ist damit der einzige Segler, der aktuell noch in der nach Sir Francis Chichester benannten Wertung für diejenigen Teilnehmer ist, die einen Zwischenstopp eingelegt haben. Da jedoch bisher alle anderen Segler, die einen Stopp einlegen mussten, das Rennen letztlich völlig aufgegeben haben, ist auch bei Zaretskiy fraglich, ob er überhaupt noch weitermachen wird.

Weitere Weltumsegler unterwegs

Losgelöst vom Golden Globe Race versuchen sich derzeit zahlreich weitere Einhandsegler an einer Nonstop-Weltumrundung – einige im Rahmen der sogenannten Longue Route. Die deutsche Skipperin Susanne Huber-Curphey hat dabei das Kap der Guten Hoffnung schon zum zweiten Mal passiert. Sie hat die Welt umrundet und will, wie Bernard Moitessier vor 50 Jahren, einfach nonstop weitersegeln in die Südsee. Ihr Mann Tony Curphey, der aktuell ebenfalls nonstop rundum unterwegs ist, steht dagegen erst kurz vor Kap Hoorn.

Jeanne Socrates, die versucht, als ältester Mensch eine Weltumsegelung ohne Zwischenhalt zu schaffen, hat das berüchtigte Kap bereits achteraus. Und Randall Reeves segelt auf seinem Versuch, die Antarktis und Amerika nonstop zu umrunden, derzeit im Indischen Ozean. Die Polin Asia Paikowska auf der deutschen Yacht "Fanfan!", bekannt durch die Reisen des Berliners Uwe Röttgering, befindet sich auf ihrem Nonstop-Versuch inmitten des Pazifiks.

Hintergrund der Retro-Regatten

Zum 50. Jubiläum des Sunday Times Golden Globe Race von 1968/69, des ersten Einhand-Nonstop-Rennens um die Welt, starteten 2018 Skipper aus 13 Ländern um den Globus. Das Besondere: Sie tun dies auf Yachten, die vor 1988 konstruiert wurden, und mit Navigations- und Kommunikationsausrüstungen von einst, das heißt mit Sextant und Papierseekarte. Zur Standortübermittlung ist ein Satellitentelefon an Bord. Start war am 1. Juli 2018, nach neun bis zehn Monaten auf See wird die Flotte zurückerwartet. Parallel dazu segeln weitere Einhandskipper im Rahmen der "Longue Route" um die Welt – einer losen Flottille ohne Regattamodus, im Gedenken an die französische Segellegende Bernard Moitessier.

Hier geht es zum Live-Tracker des Golden Globe Race

 

Kristina Müller am 18.01.2019

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