Kappeln

Gericht kippt Pläne für Port Olpenitz

Naturschutzbund klagt – Vorgesehene Nutzung beeinträchtige das angrenzende Vogelschutzgebiet erheblich

Johannes Erdmann am 13.03.2009

Das geplante Ferienzentrum Port Olpenitz

In Port Olpenitz bei Kappeln herrscht vorerst Baustopp. Das Oberverwaltungsgericht Schleswig entschied, die Bebauungspläne des ehemaligen Marinestützpunktes seien nicht mit den Vorgaben des Natur- und Umweltschutzes vereinbar.

Auf dem Mitte 2006 von der Bundesmarine aufgegebenen Marinestützpunkt sollte bis 2013 das mit einer Grundfläche von 170 ha größte, europäische Ferien- und Freizeitzentrum entstehen. Geplant waren über 1.000 Ferienhäuser, zwei Hotels mit 700 Betten sowie ein Yachthafen mit 2.500 Bootsliegeplätzen — davon mehr als 1.000 nur für Gastlieger. Als Zentrum der Anlage sollte ein 35,50 m hoher Freizeithügel mit Sportanlagen, Schlittschuhlaufbahn, Langlaufloipe sowie Spaßbad, Wellnesslandschaft und rund 2.000 Winterlager-Bootsliegeplätze entstehen. Außerdem war ein Veranstaltungszentrum mit Open-Air-Bühne (3.000 Plätze), Veranstaltungssaal (2.000 Plätze) und Konferenzzentrum (1.000 Plätze) entstehen. Vorerst liegt dieses Projekt jedoch nun erst einmal auf Eis.

Die Klägergemeinschaft, bestehend aus den Umweltorganisationen NABU, LNV, IGU und BUND hatte gegen die Bebauungspläne des 500-Millionen-Eure teuren Ferien- und Freizeitzentrums geklagt und erklärt, dass durch die geplanten Baumaßnahmen die Erhaltungsziele des zum Teil direkt angrenzenden „europäischen Vogelschutzgebietes Schlei“ erheblich beeinträchtigt werden würden. Außerdem würde die intensive touristische Nutzung von Halbinsel und Mole „erhebliche Störwirkungen“ hervorrufen. Am gestrigen Nachmittag verkündeten die Richter nach achtstündiger Verhandlung, dass dem Antrag der NABU stattgegeben werde und der Bebauungsplan damit unwirksam ist.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Werner Marnette (CDU) zeigte sich enttäuscht über die Entscheidung des Gerichts: „Die Natur ist zweifellos ein hohes Gut. Aber ich sehe mit größter Besorgnis, dass der Naturschutz zunehmend als Blockadeinstrument für dringend benötigte Investitionen genutzt wird“ und appellierte an alle Beteiligten, möglichst bald alle Vorraussetzungen dafür zu schaffen, dass der Bebauungsplan wieder gerichtsfest aufgestellt wird, „um die damit verbundenen 1.000 neuen Arbeitsplätze zu sichern“.

Jaska Harm, Geschäftsführer der Port Olpenitz GmbH, zeigte sich über das Urteil zugleich überrascht und enttäuscht: „Dieser Tag hat gezeigt, dass es dem NABU nicht um die Umwelt ging, sondern nur um Verbandsinteressen. Und das auf dem Rücken potenzieller Arbeitnehmer“.

Aus Sicht von NABU-Geschäftsführer Ingo Ludwichowski tragen jedoch Innen- und Umweltministerium die Verantwortung für diese Entscheidung: „Die Landesplanung, die die Aufsicht über die Bebauungspläne führt, hat nicht auf die Auswirkungen der Bebauung im Schutzgebiet hingewiesen“.

Um zu erfahren, wie es mit dem Bauprojekt weiter geht, wird man jetzt zunächst die ausführliche Urteilsbegründung in fünf bis sechs Wochen abwarten müssen. „Wenn es sich um kleinere Punkte handelt, die wir verändern können, dann werden wir weitermachen.“ außerte sich Harm, „Ansonsten war es das. Eine Liquidierung der Port Olpenitz GmbH schließe ich nicht aus“.

Johannes Erdmann am 13.03.2009

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