Jubiläum

Geheimparty für Pantaenius-Chef

Vor 50 Jahren fing er als Versicherungsmakler an, ganz klein. Heute ist er Marktführer. Aber feiern wollte Harald Baum das eigentlich nicht

Jochen Rieker am 23.04.2013
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Da findet man ihn, wenn er nicht gerade arbeitet: Harald Baum an Bord seiner Yacht "Elan"

Überraschungsgeburtstage kennt man ja. Aber Überraschungsjubiläen? In jenem Bürohaus, in dem alles begonnen hatte?? Mit 350 Gästen??? 

Selbst wenn er etwas geahnt haben sollte: Als der langjährige Pantaenius-Chef Harald Baum gestern Mittag durch die Tür im dritten Stock des Hamburger Chilehaus trat, hinter der Familie, Freunde, Kunden und Kollegen mucksmäuschenstill warteten, verschlug es dem sonst so leut- und redseligen Mann dann doch die Sprache.

Außer einem "Oh, mein Gott!" kam ihm lange nichts über die Lippen. Mehrmals hörte man ihn tief atmen, als er sichtlich bewegt auf der kleinen improvisierten Bühne stand, wo seine Söhne ihn in Empfang und – ganz in der Tradition des Alten – liebevoll auf die Schippe nahmen.

"Auch wenn du das vielleicht nicht so gut findest: Jetzt wird erst mal gefeiert", sagte Daniel Baum. "Nachher kannst du ja wieder arbeiten gehen."

Die Geheimparty war seit Wochen von Harald Baums Frau Undine, den Kindern und Pantaenius-Kollegen vorbereitet worden – unter größter Verschwiegenheit. Um den Jubilar am Tag X abzulenken, hatte ihn seine Tochter Anna um einem "Vater-Tochter-Tag" gebeten – und ihn dann kurz nach 12 Uhr geschickt dorthin gelotst, wo er ein halbes Jahrhundert zuvor seine Stelle angetreten hatte.           

Pantaenius

Umtriebig. Baum in frühen Jahren

Ein Bild aus frühen Tagen zeigt ihn auf einer Vespa, gewandet in dunklen Anzug, weißes Hemd und Krawatte, ein Lächeln auf dem Gesicht. Es war ein bescheidener Anfang als Angestellter eines damals schon 60 Jahre bestehenden Assekuranzgeschäfts. 

Baum, damals 23 Jahre alt, hatte zuvor bei der Reederei Hamburg Süd Schiffsmakler gelernt und sich auf Schiffs- und Transportversicherungen spezialisiert. Von Beginn an zeigte er bei Pantaenius so viel Umtriebigkeit, dass ihn sein Chef ermahnte: "Lassen Sie es ruhig angehen, die Geschäfte kommen auf Sie zu!"

Doch daran hielt sich der Jungspund nicht. Nach drei Jahren wird er Junior-Partner und noch mal vier Jahre später übernimmt er im Alter von nur 30 Jahren die Firma. Jetzt hat er das Ruder allein in der Hand und steigt als Erstes in das Geschäft mit Yachtversicherungen ein. Damit beginnt eine Erfolgsgeschichte, mit der selbst er wohl kaum gerechnet hatte.

Abgesehen von seiner eignen Segelleidenschaft war ein Brand im Bootslager seines kleinen Heimathafens Teufelsbrück ausschlaggebend. Viele Freunde mussten hohe Zeit- und Restwertabzüge hinnehmen. Nachdem sie sich mühsam das Geld für ihre Elbsegler zusammengespart hatten, konnten sie sich nun kein neues Boot leisten.

Diese Erfahrung war Anlass für Baum, neue Yachtversicherungsbedingungen zu entwickeln. Die sogenannte "Feste Taxe" kam damals einer Revolution gleich und ersetzte die Zeitwertdeckung. Auch durch andere Vorzugsregelungen für Segler und günstige Prämien rüttelte Baum die Branche auf. So schaffte er die Voraussetzungen für die Marktführerschaft von Pantaenius. 

Pantaenius

Jubilar mit seinen Söhnen Daniel (l.) und Martin

In der Unternehmensgruppe mit Niederlassungen in neun Ländern arbeiten heute mehr als 200 Mitarbeiter. Nach wie vor ist Pantaenius in Familienhand. Mittlerweile haben Baums Söhne die Geschäftsführung übernommen. Während Daniel die Geschicke der Unternehmensversicherung leitet, verantwortet Martin Baum die Yachtversicherung. Der Alte aber kommt noch immer fast jeden Tag in die Firmenzentrale. 

YACHT-Herausgeber Menso Heyl beschrieb den 72-Jährigen in seiner Laudatio als Ausnahmeerscheinung, gleich ob als Segler oder Unternehmer. Er erzählte von einem gemeinsamen Törn vor drei Jahren. "Noch im Schlaf hört dieser Skipper ein Blubbern an Bord. Er springt aus der Koje, öffnet eine kleine Luke, macht den Grobfilter am Wassereinlauf für den Wärmetauscher des Kühlschranks auf, zieht ein Viertelpfund Seegras und eine halbe Qualle raus. Danach funktioniert alles wieder, und ich weiß, warum sein Schiff 'Elan' heißt. Der Name ist Programm."

"Wären mehr Unternehmer so wie Harald Baum", schloss Menso Heyl, "nah an der Natur, nah am Menschen, stetig und nicht nur am nächsten Quartal orientiert, dann hätten wir auf dem Globus weniger Probleme."

Jochen Rieker am 23.04.2013

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