US-Seglerwahl
Für Amerika bleibt Dennis der Held

Er verlor den Cup und holte ihn zurück. Das machte Dennis Conner zur Legende, weshalb er nun zum größten lebenden US-Segler gewählt wurde

  • Dieter Loibner
 • Publiziert am 17.07.2012

Rich Roberts Conner (l.) auf einer Etchells. Er war in dieser Klasse zweimal Weltmeister

Die Amerikaner haben gesprochen. In einem vom US-Segelverband veranstalteten Fantasy Game samt Preisausschreiben haben sie aus 64 lebenden US-Seglern Dennis Conner zum Größten gekürt. Conner setzte sich in diesem Turnier, das durch Online-Stimmabgabe entschieden wurde, im Finale gegen Buddy Melges durch. „Dieses Turnier zu gewinnen bedeutet mir sehr viel, angesichts der vielen großen Segler, die da mitmachten und meine Helden sind ... Besonders aber, weil Buddy dabei war, dem ich den höchsten Respekt und Verehrung entgegenbringe.”

Archiv Sogar das Titelblatt des "Time Magazin" zierte Conner

Conner kann man nur hassen oder lieben, denn keiner polarisiert wie er. Die, die ihn nicht mögen, halten ihn für arrogant und großmäulig. Korpulent ist er geworden und seine Ausfälligkeiten nach einem Gläschen zu viel sind Legende. Für seine Fans dagegen bleibt er „Mr. America’s Cup" und der Comeback-Boy schlechthin, der in einfachen Verhältnissen in San Diego aufgewachsen war und sich durch Talent, Fleiß und Cleverness ganz nach oben gearbeitet hat.

Archiv Conner (l.) bei Präsident Reagan im Weißen Haus

Kein Moment war allerdings wichtiger im Sportlerleben des Dennis Conner als der Tiefpunkt seiner Karriere: Zu einem Häufchen Elend geworden, saß er weinend und alleingelassen vor versammelter Presse, nachdem er und sein Team 1983 vor Newport den Cup an die Australier verloren hatten – 132 Jahre, nachdem die barocke Kanne vom New York Yacht Club aus England entführt worden war. Vier Jahre später holte er sie mit seinem Zwölfer „Stars & Stripes" in Fremantle auf spektakuläre Art zurück.

Nach seiner Rückkehr wurden er und seine Mannschaft am Broadway in New York mit einer Konfettiparade gefeiert und von Präsident Ronald Reagan im Weißen Haus empfangen. Es war das erste und vielleicht auch letzte Mal, dass ein Segler für die eher uninteressierte amerikanische Öffentlichkeit zu einem Volkshelden wurde. Dieser Moment wurde nun 25 Jahre nach dem historischen Sieg in Australien noch einmal lebendig.

Doch man darf Conner nicht nur am America’s Cup messen. Bei den Olympischen Spielen 1976 holte er Bronze im Tempest. Zweimal gewann er die Starboot-WM, einmal davon in Kiel, im Jahr 1977 mit lauter ersten Plätzen. Er war auch zweimal Weltmeister bei den Etchells, einem Dreimann-Kielboot, das vor allem in den USA und in Australien auf sehr hohem Niveau gesegelt wird. Daneben gewann er den Southern Ocean Racing Circuit (SORC) viermal und das Congressional Cup Matchrace zweimal.

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Themen: America's CupDennis ConnerEtchellsFremantleNewportStarbootStars & Stripes

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