Blauwasser

Frust in der Flaute: "Geschrien, geschimpft, getreten"

Nachdem er Kanaren und Kapverden gut passiert hat, setzen Einhandsegler Georg Schimmelpfennig nun die Flauten in Äquatornähe auf seinem Weg um die Welt zu

Georg Schimmelpfennig, Kristina Müller am 05.10.2018
Hekla Georg Schimmelpfennig Longueroute Einhand 2017 priv20160603_114330_resized
privat

Die "Hekla" von Georg Schimmelpfennig 

Gut sechs Wochen nach seinem Start zur Weltumsegelung in Bremerhaven verzweifelt Georg Schimmelpfennig, der im Rahmen der "Longue Route" einhand und nonstop um die Welt segeln will, derzeit in der Flaute in Äquatornähe. Sein jüngster Bericht von Bord:


Ich habe ihm die Freundschaft gekündigt!

Ich habe ihn angeschrien!

Ich habe ihn unflätigst beschimpft!

Ich hätte ihn mit meinen Fäusten traktiert!

Ihn sogar getreten!

Es hat bisher alles nichts genützt – der Wind lässt sich nicht herausfordern. Er kommt lahmend daher, schlurfend wie ein alter Mann, und ihm ist alles egal. Wenn er zu spüren ist, dann bläst er genau in die Richtung, in die ich will. Aus NNO in Richtung SSW. Jeder Segler weiß, was von 6 Knoten Wind übrigbleibt, wenn man dabei noch vor dem Wind segeln muss … eigentlich. Ich versuche die zweitbeste Lösung und kreuze mit möglichst tiefen Kursen vor dem Wind. Aber wenn man keinen Gleiter hat, ist das auch zweifelhaft, weil ich bei den viel längeren Wegen nicht wesentlich schneller bin. Die weiten Wege sind nicht wettzumachen. Die Halsenwinkel viel zu groß, zumal wenn man mit Windfahne steuern will.

Ich habe nämlich die letzten zwei Tage nur am Ruder gestanden, um alles rauszuholen, was geht. Bei einem 50-Meilen-Etmal gerate ich schon ins Jubeln. Irgendwann muss diese Hitze, dieses Grillen in der Sonne, endlich zu Ende sein.

Heimweh achteraus

Dabei fühle ich mich eigentlich zusehends wohler hier draußen. Schiffe glänzen durch Abwesenheit, und der Himmel wartet vor allem abends mit Wolkengebirgen, anscheinend zum Anfassen nahe, in einer Farbenpracht auf, dass einem der Atem stockt. Die anfänglichen Heimwehbeklemmungen sind nicht mehr da. 

Portrait Georg Schimmelpfennig Longueroute Einhand 2017 SSc_ STS_20170430_061

Skipper Schimmelpfennig

Maile mit meiner Frau fast jeden Tag, und wenn man seine Eindrücke und Gefühle aufschreiben oder beschreiben kann, geht’s einem schon besser. Mindestens mir geht das so. Lese auch gern, was zu Hause so passiert. Fühle mich wohl, alles in guten Händen zu wissen. Ich sitze hier und schwitze, und das Boot meiner Frau kommt jetzt ins Winterlager. Ein neues Gefühl.

Nicht allein auf dem Ozean

Gestern Abend dann Jagdszenen rund um mein Schiff. Ich schätze, es sind Marlins und Barsche, die auf der Jagd nach den fliegenden Fischen sind, und es sieht zum Schreien aus, wenn beide, Jäger und Gejagte, abwechselnd über und unter Wasser dahinschießen. Habe noch nie so viele fliegende und unglaublich schnelle Fische gesehen. Dann eine Stelle im Wasser, die eine andere Kräuselung an der Oberfläche hat. Beim Überfahren riecht es sehr nach Fisch, und im Wasser sehe ich unglaublich viele der Jäger zusammen, kurz unter der Wasseroberfläche. Ist das das Jagdgeschwader oder Treffen zum gemeinsamen Essen?

Als die Dämmerung einbricht, ist Ruhe.

Auch das bisschen Wind geht schlafen. Muss alle Segel bergen, damit sie mir nicht im Rigg kaputtschlagen.
Werde weiter tapfer um jede Meile Süd kämpfen und weiter berichten.

BesBoot Hekla Cumulant38 Schimmelpfennig Bremerhaven 2018 SSc_STS_20180520_Hekla117

Einhandskipper Georg Schimmelpfenning bei Testschlägen auf der Weser mit seiner Cumulant 38 "Hekla"

Georg Schimmelpfennig, Kristina Müller am 05.10.2018

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