Ocean Film Tour 2017
Frenetischer Applaus für einen bescheidenen Helden

Mehr als 1400 Gäste verfolgten gestern gebannt die Premiere der International Ocean Film Tour in Hamburg – und feierten den Sieger des ersten Whitbread Race

  • Anna Ossenkopp
 • Publiziert am 21.03.2017
Frenetischer Applaus für einen bescheidenen Helden Frenetischer Applaus für einen bescheidenen Helden Frenetischer Applaus für einen bescheidenen Helden

Oceanfilmtour/Jan Wende Frenetischer Applaus für einen bescheidenen Helden

Oceanfilmtour/Jan Wende YACHT-Chefredakteur Jochen Rieker im Interview mit Butch Dalrymple-Smith

Dem Applaus der Zuschauer nach zu urteilen war das Highlight der diesjährigen Ocean Film Tour die Dokumentation "The Weekend Sailor". Eine wahre Geschichte, die jedes ausgedachte Drehbuch in den Schatten stellt. Der preisgekrönte Film mit einmaligen historischen Aufnahmen erzählt vom Überraschungserfolg der zusammengewürfelten Crew der mexikanischen Swan 65 "Sayula II", die das Whitbread Round the World Race 1973/74 – heute bekannt als Volvo Ocean Race – gegen die renommiertesten internationalen Segelmannschaften gewann.

Auch 44 Jahre später noch versetzte der gegen jede Wahrscheinlichkeit errungene Sieg die Besucher in Erstaunen – und sorgte für viele Lacher sowie mehrfach für Szenenapplaus. Denn die damalige Mannschaft um den Eigner Ramón Carlín bestand zur Hälfte aus Familienmitgliedern, allesamt blutige Segelanfänger; auch seine Frau ging mit an Bord, obwohl sie regelrecht Angst vor dem Meer hatte. Mithilfe einiger zufällig dazu geheuerter Segler stellte Carlín seine Mannschaft zusammen. "Du hast drei Semester Medizin studiert? Dann bist du als Bordarzt dabei" –  so oder so ähnlich liefen damals die Bewerbungsgespräche ab.

YACHT Highlight der Ocean Film Tour: Die Whitbread-Dokumentation "The Weekend Sailor"

Hautnah durfte das überwiegend junge Publikum am Premierenabend in der voll besetzten Laeiszhalle den Ausführungen von Butch Dalrymple-Smith, dem Schiffsarzt der "Sayula II", lauschen. YACHT-Chefredakteur Jochen Rieker entlockte ihm das eine oder andere Geheimnis, etwa, dass er überlegt hatte, nach einer Kenterung im Southern Ocean beim Etappenstopp in Australien von Bord zu gehen und dass er einen Sieg zwar für unwahrscheinlich, von Anfang an aber nicht für völlig ausgeschlossen hielt.

Wie alle Segler an Bord erhielt Butch keine Heuer. "Ich habe das wie alle anderen nur aus Spaß gemacht. Es gab ja damals keine hochbezahlten Primadonnen", sagte er mit einem stets leicht ironisch-verschmitzten Lächeln. Als er sich von der Bühne verabschiedete, gab es erneut minutenlang Ovationen für den Briten, der mit Ramon Carlin und seinen Gefährten Segelgeschichte geschrieben hat.

Er war nicht der einzige Live-Gast bei der Premiere. Den Abend eröffnete ein Film des isländischen Surfers Heiðar Logi Elíasson. Ab und an, räumte er ein, denke er schon daran, einfach auf Hawaii oder in Indonesien zu surfen, im Warmen, bei steten Bedingungen. Fasziniert ist er jedoch von den Wellen des Nordatlantiks, die seine Heimat Island umgeben. Stunden fahren sie manchmal, um letzten Endes von der Unberechenbarkeit des Windes belohnt oder enttäuscht zu werden.

Oceanfilmtour/Jan Wende Die Premiere fand in der Laeiszhalle in Hamburg statt

Sowohl Butch Dalrymple-Smith als auch Heiðar Logi Elíasson begleiten die Premieren-Tournee von Nord nach Süd bis München. Heute Abend gastieren sie mit der International Ocean Film Tour in Berlin, dann folgen Düsseldorf, Mainz und weitere Stationen.

Termine und Tickets sind auf der Homepage  der Tour zu finden. In sieben Ländern und mehr als 50 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden die Filme in ausgewählten Städten gezeigt. In der drei Stunden langen Veranstaltung werden sieben Filme gezeigt, die die Schönheit der Ozeane auf verschiedene Weisen widerspiegeln.

Die Zuschauer stürzen sich mit dem hawaiianischen Wellenfotograf Clark Little in die nahe der Küste brechenden Wellen oder tauchen mit der finnischen Freediverin Johanna in die vollkommene Stille unter dem Eis. Die Geschichte des Kitesurfens und einige der talentiertesten Profis werden in dem Film "Chapter One" gezeigt. Eindrucksvolle Unterwasserbilder zeigen die Verletzlichkeit der marinen Ökosysteme und Lebewesen anhand der pazifischen Mantarochen.

Im Vordergrund steht bei der diesjährigen vierten IOFT das Thema Meeresverschmutzung. Der Film "A Plastic Ocean" zeigt, wie Plastikmüll das ökologische Gleichgewicht der Ozeane zerstört und auch in unsere Nahrungskette gelangt. Im Interview mit dem Chefredakteur des GEO Magazins Dr. Christoph Kucklick sowie weiteren Experten wird deutlich, dass das Bewusstsein jedes Einzelnen geschärft werden muss, um eine weitere Verschmutzung einzudämmen. Mit dem Projekt " Pacific Garbage Screening " sollen die Meere von Plastik befreit werden und die " Whale and Dolphin Conservation " versucht, das Leben von Walen und Delfinen zu retten. Die Ocean Film Tour unterstützt außerdem die Projekte " ocean care ", " viva con agua ", " Surfrider Foundation Europe " und " Sea Shepherd ", die sich im Laufe des Abends an Ständen, auf der Bühne oder durch Filme vorgestellt haben.

Aktuelle Informationen sowie Bilder und Videos sind auf der Homepage , Facebook , Twitter , Youtube und Instagram erhältlich, zudem kann man einen Newsletter abonnieren.


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Themen: Butch Dalrymple-SmithInternational Ocean Film Tour 2017MeeresschutzRamón CarlínSayula IISwan 65UmweltschutzWhitbread Round the World Race 1973/74

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