Nachruf

Franco Costa geht auf die letzte Reise

Der Yachtsport hat einen Mann mit großem Charisma verloren – der weltberühmte Maler Franco Costa ist im Alter von 80 Jahren gestorben

Uwe Janßen am 05.03.2015
Franco Costa

Franco Costa

Der „ungekünstelte Künster“, schrieb die YACHT in einem opulenten Porträt über den großen kleinen Mann aus Italien, sei „allen ein Freund, Kumpan, Partner, die in Segeln und Gesellschaft etwas gelten. Sportstars, Adel, Prominenz hofieren ihn – sogar zu einer Audienz bei Papst hat es der Sympathikus mit dem leuchtenden Lächeln gebracht.“

Costa-Bild anlässlich des Jubiläums 100 Jahre YACHT

Aber da war mehr: Costa, obschon selbst überaus prominent, umgab sich keineswegs bevorzugt mit gesellschaftlichen Größen, im Gegenteil – er engagierte sich immer auch als Anwalt derjenigen, die nicht im Rampenlicht stehen. Er hatte ein großes Herz. Für die YACHT-Aktion Handicap zugunsten behinderter Segler etwa spendete Costa regelmäßig Werke im Wert von mehreren tausend Euro, er gab einen Teil seiner Einnahmen für hungernde Kinder, arbeitete mit Unicef zusammen, und auch für die Opfer des Tsunami in Südostasien 2004 organisierte er eine Spendenaktion.

Er war, vor allem das, ein Menschenfreund.

Seine künstlerische Ader entdeckte er in seinen Zwanzigern, er ließ sich von Matisse und Picasso inspirieren, entwarf Designs für berühmte Modemacher wie Dior und Valentino und arbeitete für Filmregisseure wie Federico Fellini und Stanley Kubrick. 

Franco Costa

Franco Costa in seinem Atelier bei der Gestaltung eines Bildes zugunsten der Laboer Segeljugend

Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine eigenwillige Bildsprache aus, dominiert von farbigen Flächen. Sie zierten sogar den Vatikan und diverse Königshäuser. In diesem Stil begleitete Costa ab den 1970er-Jahren den Segelsport in all seinen Facetten. Ob bei einer J24-WM, ob bei Olympia, ob beim Whitbread Race, ob beim America's Cup: Costa und der Segelsport, das war eins. Die Organisatoren der weltgrößten Ereignisse engagierten ihn als offiziellen Künstler. Auch die Feierlichkeiten zum 100. Gründungstag der YACHT 2004 bereicherte er mit einem eigenen Gemälde.

Franco Costa

1994 bei einer Privataudienz mit Papst Johannes Paul II.

Durch den Segelsport verschlug es Costa öfter auch nach Deutschland, unter anderem nach Kiel. Der Italiener verliebte sich in die norddeutsche Landschaft und siedelte dort an. In Laboe errichtete er seine eigene Galerie und lebte fortan teilweise hier, teilweise in seiner Heimat, auf jeder deutschen Bootsmesse war er präsent.

Gemälde für die Tsunami-Opfer 2004: Costa, YACHT-Redakteur Uwe Janßen, Weltumseglerpaar Pieper/Schubert, Blauwasser-Pionier Bobby Schenk (v. l.)

Sein Lebensmotto machte er zu einer Art Markenzeichen: „Arte Vita“, die Kunst des Lebens. Und die beherrschte er, ein Mann von kleinem Wuchs, aber mit riesiger, einnehmend positiver Aura, stets fröhlich, stets offen, stets herzlich.

Seit einiger Zeit machte ihm seine angeschlagene Gesundheit zu schaffen. Seine Familie holte ihn heim in seine Geburtsstadt Rom. Dort ist Franco Costa gestern auf seine letzte Reise gegangen. Er wurde 80 Jahre alt.

Hier lesen Sie das große Franco-Costa-Porträt aus der YACHT

Fotostrecke: Franco-Costa-Nachruf

Uwe Janßen am 05.03.2015

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